die “2-Systeme-Theorie”

http://rolftodesco.wordpress.com/2014/10/16/die-2-systeme-theorie/

Kybernetik definieren – oder wer hat Angst vor Definitionen? (Teil2: (m)eine Definition)

Nachdem ich zuvor ein paar Anmerkungen zum Stellenwert (m)einer Definition zur Kybernetik gemacht habe, folgt hier nun die “Definition” mit einer weiteren Vorbemerkung:

Mit der Wortendung “-ik” verweise ich in diesem Fall wie etwa bei Technik auf eine relative Indifferenz zwischen Gegenstand und Widerspiegelung, die ich dann durch die Wortendungen “-logie” in Kybernologie aufhebe, weil ich damit im Sinne eines re-enrtys eine Lehre zur Kybernetik bezeichne, die im Ausdruck Kybernetik mitgemeint ist.

Als Kybernetik bezeichne ich den spezifischen Teil der Technik, in welchem es um die artefaktischen Verfahren geht, die ich als Regelung von Mechanismen bezeichne. Kybernetik entwickelt Automaten und das dazu notwendige Knowhow, während Technik sich mit allen Artefakten befasst.

Als Definition führt diese Formulierung “Technik” als Oberbegriff (Genus proximum) und die “Regelung” als Kriterium (Differentia specifica) ein. Was für Technik gilt, gilt auch für Kybernetik.

Im Kontext der Theorie sehe ich den Sinn der Kybernetik in der Entwicklung der Kybernologie, also in der Entwicklung des praktischen und begrifflichen Wissens darüber, wie die Regelung überhaupt funktioniert. Die Entwicklung von immer komplizierteren Mechanismen erlaubt
• die praktische Lösung von technischen Problemen und
• die Erklärung von immer komplexeren Phänomenen.

Ein geflügeltes Wort sagt, dass Kybernetik nicht fragt, was dieses Ding ist, sondern wie es funktioniert (Ashby1974, S,15). Diese Differenz bezeichnet den Unterschied zwischen Zeichnung und Beschreibung und bezieht sich darauf, dass Maschinen – deren Funktionsweise sich in der Zeit konstruktiv nicht indentiert verändert – durch statische Abbildungen wie Zeichnungen hinreichend charakerisiert werden können, während die Regelung nur sprachlich dargestellt werden kann. Konstruktionspläne zeigen, was das “Ding” ist. Automaten dagegen, deren Eigenzustände von deren Geschichte im Sinne vorangehender Eigenzustände abhängig sind, können durch Zeichnungen nicht hinreichend dargestellt werden. Sie müssen “sprachlich”, etwa durch Programmiersprachen beschrieben werden.

Kybernet-ik umfasst in diesem Sinn das Teilgebiet Informat-ik, das sich mit eigentlicher Programmierung befasst.

Beispiel

Das Steuern eines Schiffes kann als Regelungsproblem aufgefasst werden. Der Steuermann (der griechisch Kybernetes heisst) reagiert mit seinene Anweisungen auf die Angaben über die Zielabweichungen, die er vom Lotsen bekommt.

Ein anderes typisch kybernetisches System ist eine durch einen Thermostaten geregelte Heizung. Mit einem Thermostat vergleiche ich den Istwert eines Thermometers mit einem Sollwert, der als gewünschte Temperatur eingestellt wird. Eine Diskrepanz zwischen diesen beiden Werten veranlasst den Thermostaten dazu, die Heizung so zu regulieren, dass der Ist-Wert den Soll-Wert anstrebt.
Mit demselben Mechanismus erklärt die Kyberetik auch die Regelung der Körpertemperatur eines Tieres, weshalb N. Wiener von welchem der Ausdruck stammt, im Untertitel seines Buches von einer “Regelung und Nachrichtenübertragung im Lebewesen und in der Maschine” gesprochen hat (Cybernetics or control and communication in the animal and the machine).

Begriffsgeschichtlicher Hintergrund

An einer Macy-Konferenz einigete sich die damalige, von der us-amerikanischen Armee finanzierte Wissenschaftsgemeinschaft darauf, den wienerschen Ausdruck “Kybernetik” als Er-Satz für die explizite Umschreibung “zirkulär-kausale und Rückkoppelungsmechanismen in biologischen und sozialen Systemen” zu verwenden.
Ich kann nirgendwo Hinweise darauf finden, dass die Kybernetikgesellschaft den Übergang von Wissenschaft zu Engineering bewusst reflektierte.

N. Wiener wählte den Ausdruck “Kybernetik” in wissenschaftshistorischer Anlehnung an das von C. Maxwell 1868 beschriebene Beispiel für Rückkoppelungsmechanismen, einen Fliehkraftregler, den C.Maxwell ”Governor” nannte, weil er im Prinzip einen Schiffssteuermann ersetzen konnte (Kybernetes ist das griechische Wort für Governor, Wiener,1963:39). ”Governor” seinerseits wurde bereits von A. Ampère im Sinne von Plato für die politische Steuerung verwendet. Bei Plato, der den Staat mit einem Schiff verglich, hiess der Steuermann Kybernetes (Ilgauds,1980,58f).
Reflexiv verlangt die Kybernetik dir Unterscheidung zwischen Funktion und Funktionsweise. Die Funktion hat N. Wiener Erkenntnisse zur Kommunikation und Kontrolle in Tier und Maschine bestimmt. Inhalt oder Gegenstand der Kybernetik ist die Konstruktion von Regelungskreisen und mithin Feedback in Systemen, die offen für Energie, aber geschlossen für Information, die also ‘informationsdicht’ sind (W. Ashby). Die Kybernetik fragt nicht: wie können wir etwas steuern?, sondern: wie können Systeme sich selbst steuern?

Zum Aspekt der eigentlichen Theorie, die ich Kyberno-logie nenne, will ich später noch mehr sagen.

Kybernetik definieren – oder wer hat Angst vor Definitionen? (Teil1: definieren)

Gemeinhin wird entgegen jeder statistisch erfassbaren Erfahrung unterstellt, dass Fachleute definieren, worüber sie sprechen. Auf der Website der AMERICAN SOCIETY FOR CYBERNETICS lautet der erste Link zur Sache “Defining ‘Cybernetics’”. Auf dieser Seite lese ich dann aber ohne Überraschung bei den meisten herbeizitierten Autoren, dass man Kybernetik nicht definieren könne.

Ich will diese vulgäre Vorstellung etwas auseinandernehmen. Sie beruht auf einer Sprachlosigkeit, die vor allem darin besteht, die eigene Sprache nicht zu reflektieren.

Zuerst beobachte ich die Aussage “dass man Kybernetik nicht definieren könne” durch die Unterscheidung zwischen MAN und ICH. Ich kann Kybernetik – unabhängig davon, was man kann und unabhängig davon, was Kybernetik wirklich ist – nicht so definieren, dass meine Definition für (alle) andere(n) Menschen in irgendeinem Sinne verbindlich sein müsste. Ich kann dagegen sehr genau darüber sprechen, wie ich den Ausdruck “Kybernetik” verwende. Dabei mache ich mich aber zum Subjekt. Das heisst, ich zeige, dass ich meiner eigenen Definition oft nicht folge, also widersprüchlich bin. Darin erkenne ich den Weg des dialogischen Lernens, in meinen Widersprüchen erkenne ich mein noch nicht entwickeltes Denken. Natürlich setze ich mich damit der Kritik durch andere aus. Wenn ich Kritik und Dialog vermeiden wollte, würde ich sagen, dass MAN – egal was – nicht definieren kann.

Dann beobachte ich die Aussage “dass man Kybernetik nicht definieren könne” durch die Differenz im Begriff Definition, die sich daraus ergibt, dass ich mit Definitionen Wortverwendungen vereinbare und zugleich Referenzobjekte der Wörter, also Sachen sortiere. Als Definitionen definiere ich nämlich Beschreibungen, die einen – inhaltlich gebundenen – Oberbegriff  und ein Kriterium einführen, um Gegenstände durch (Unter)-Begriffe zu klassifizieren (Genus proximum et differentia specifica). Ich definiere beispielsweise “Maschine”, in dem ich sage: Maschinen sind Werkzeuge (Oberbegriff), die durch nicht lebende Energie-Lieferanten angetrieben werden (Kriterium), das heisst, alle Maschinen sind Werkzeuge, aber nicht alle Werkzeuge sind Maschinen, sondern nur jene, die ein bestimmtes Kriterium erfüllen. Und selbstbezüglich definiere ich Definitionen als Beschreibungen (= Oberbegriff), die einen Oberbegriff und ein Kriterium einführen (= Kriterium).

Auf der differenziellen Seite der Vereinbarung des Ausdruckes verwende ich die Definition als Umschreibung für einen Begriff, das heisst, ich vereinbare den Ausdruck, den ich als Er-Satz für eine Definition verwende. Der Ausdruck “Maschine” steht dann anstelle eines Satzes, mit welchem ich dasselbe meine. Sinn der Definition ist aber nicht nur die Vereinbarung eines Ausdruckes oder die Erläuterung dessen Verwendung, sondern gleichzeitig die pragmatische Klassifizierung von Gegenständen. Wenn es mir nur um die Verwendung von Wörtern geht, kann ich dies auch jenseits von Definitionen vereinbaren. Ich kann beispielsweise auf einen Tisch zeigen und Tisch sagen, wobei ich unglaublich viel impliziere, aber trotzdem erfolgreich sein kann, wenn andere Menschen meine Implikationen wie auch immer teilen.

Durch meine Definition der Maschine sortiere ich die Gegenstände, die ich als Werkzeuge bezeichne. Einige Werkzeuge nenne ich Maschinen, weil sie bestimmte Kriterien erfüllen, die ich in meiner Definition als Bestimmung und Abgrenzung verwende. Danach kann ich umgekehrt sagen, dass eine Maschine ein Werkzeug ist, das bestimmte Bedingungen erfüllt. Ich definiere, um  Gegenstände zu klassifizieren, und verwende nachher die Definition, um die vereinbarte Klassenbezeichnung (etwa “Maschine”) zu erläutern.

Natürlich macht diese Definition nur Sinn, wenn ich weiss, was ein Werkzeug ist. Sortieren oder klassifizieren ist kein sprachlicher Akt, sondern eine pragmatische Handlung, durch welche ich Gegenstände quasi in die eine oder in die andere Schublade lege, also Mengen bilde. Meine Definitionen sind Aussagen darüber, wie das mache. Indem ich Definitionen mache, mache ich mir mein Sortieren bewusst und eben auch, wo ich mit meinem Sortieren anstehe, weil die Kategorien nicht zu meinen Handlungen passen.

Gegen diese Definition des Definierens gibt es zwei vulgäre Einwände. Der eine Einwand lautet, dass das Verfahren rekursiv sei und deshalb am jeweiligen Anfang – also am letzten Oberbegriff – scheitern müsse. L. Wittgenstein etwa hat im blauen Buch so argumentiert. Der andere Einwand sagt, dass solche Definitionen nur in Bezug auf sortierbare Gegenstände, also auf Dinge, die in Schubladen passen, anwendbar seien. Man könne sagen, dass Tiger Katzen und Häuser Gebäude seien, weil man Tiger und Häuser anfassen und mithin als Gegenstände genau abgrenzen könne. Beide Einwände sind formal, tun so, als ob Sprache und mithin Aussagen oder Beschreibungen jenseits einer materiellen Paxis denkbar wäre. Wenn ich etwas beschreibe oder definiere, beziehe ich mich aber auf eine Praxis, ohne deren Widerspiegelung meine Beschreibung sinnlos wären. Wenn ich über Technik oder über Kybernetik spreche, dann in der Gewissheit, was ich mit einem Hammer oder einem Computer mache, sozusagen als toolmaking animal, das seine Sprache erst entwickelt.

Ich kann sagen, worauf –  auf welche Praxis – ich mich mit dem Ausdruck “Kybernetik” beziehe, ob ich damit “Kybernetik” definiere oder nicht, ist mir egal. Wenn ich sagen müsste, dass mir selbst unklar ist, was ich als Kybernetik bezeichne, dann würde ich das Wort so markieren oder gar nicht verwenden.
Was ich als Kybernetik bezeichne, schreibe ich im nächsten Beitrag.

Zum Verhältnis zwischen Kybernetik und Technik

Nachdem dieser Blog jetzt schon eine gute Weile laviert, habe ich die jüngsten Kommentare nochmals zum Anlass einer Theoriebestimmungen genommen. Als Theorie bezeichne ich die – dia logos explizit gemachte – Reflexion meiner Anschauung.
Als Kybernetik bezeichne ich (m)eine Theorie, in welcher eine bestimmte Anschauung dargestellt wird. Durch diese Anschauung nehme ich Maschinen war, deren Funktionsweise ich durch Regelkreise beschreiben kann. WENN ich die Kybernetik als Theorie verwende, sehe ich genau das, was durch diese Theorie sichtbar wird – und logischerweise alles andere nicht oder nicht so.

Es gibt für mich keine Welt, die mir sagt, durch welche Theorie ich sie anschauen sollte. Jede Welt ist – im Radikalen Konstruktivismus – vielmehr das Resultat der gewählten Theorie, wobei dder Theorie kein Primat zukommt, sondern sie erklärt a posteriori, warum mir die Welt so und nicht anders erscheint. Diese Vorstellung ist selbst bBestandteil einer Theorie, die ich als Konstruktivismus bezeichne. Wer kein Konstruktivist oder ein ganz anderer Konstruktivist ist, mag das alles ganz anders sehe – eben weil er eine andere Weltanschauung verwendet. Als Konstruktivismus bezeichne ich die Kybernetik unter dem Gesichtspunkt, dass ich Kybernetik als Theorie wähle, während Kybernetik im Rahmen von anderen Weltanschauungen beispielsweise als Ingenieurswissenschaft oder als rationale Kalkül gesehen wird.

Wenn ich die Kybernetik – was ich mache – als Theorie bezeichne, muss ich sie explizit dia logos so darstellen, dass darin meine Weltanschauung sichtbar wird. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Kybernetik legt (mir) nahe, anhand der Gegenstände,  die ich durch diese Theorie erkenne, die Theorie darzustellen. Gegenstand der Kybernetik ist ein funktionierender Mechanismus, also etwas, wovon ich sinnvoll fragen kann, wie es funktioniert. Dabei ist es für die Kybernetik ganz gleichgültig, was für einen Mechanismus ich anschaue. In seiner berühmten Einführung in die Kyberentik beobachtet W. Asbby beispielsweise ein spukendes Haus. Weil ich Computer – im Vergleich zu spuckenden Häusern – als relativ einfache elekrische Geräte beobachte, stelle ich die Kybernetik anhand von solchen Mechanismen, also anhand von hergestellten Automaten dar. Der Computer wird dadurch zum exemplarischen Mechanismus, durch dessen Darstellung sichtbar wird, welche Perspektive oder Anschauung ich als Kybernetik bezeichne.

Ich wähle Maschinen und nicht die Gesellschaft oder etwa einen Pianisten als exemplarischen Gegenstand der Kybernetik, weil ich damit eine Sache referenziere, die ich überprüfbar rekonstruieren kann. Maschinen und Automaten sind in dem Sinne Technik, als sie hergestellte Gegenstände sind, die ich auch ohne Kybernetik nicht nur darstellen, sondern auch rekonstruieren und nochmals herstellen kann. Wenn ich Automaten kyberentisch beschreibe, kann ich die Beschreibung und die beschriebene Sache in ein Verhältnis setzen, in welchem ich mir die Perspektive der Beschreibung bewusst machen kann.

Dass ich im Computer ein elektrisches Gerät mit einer Funktion erkennen kann, widerspiegelt meine Kybernetik, auch wenn ich die Kybernetik dazu nicht brauche. Ich weiss, dass viele Menschen Computer ganz anders sehen, etwa als künstliche Intelligenz oder als symbolische Kalküle oder als Medien und so weiter. Indem ich im Computer Technik erkenne, beziehe ich die Kybernetik auf einen intendierten Herstellungsprozess und mithin auf eine konstruktive Tätigkeit, in welcher ich selbst Referenzobjekt meiner Kybernetik werde. Ich rekonstruiere kybernetisch, was ich beim Herstellen von Automaten mache.

Weil Kybernetik in dieser Perspektive einfache elektrische Geräte beschreibt, ist die Kybernetik auch einfach zu vereinbaren. Wenn ich dann andere Mechanismen wie spuckende Häuser beschreibe, habe ich in der Kybernetik eine technisch begründete Sprache und mithin eine Theorie. Dass Kybernetik (bislang) als Theorie keine Verbreitung finden konnte, mag daran liegen, dass sie kontraintuitiv einfache Resultate produziert. Theologie und Philosophie beruht darauf, dass die Welt unverstehbar kompliziert sei soll. Kybernetik ist dagegen Aufklärung, die als Ent-Täuschung erscheint.

Geschichte des Softwareengeerings

N. Wirth beklagt, dass Softwareengeering keine Disziplin wurde, auch weil sich kaum jemand für dessen Geschichte interessiere. Dann schreibt er (trotzdem) seine Geschichte zu dieser Geschichte.

Er beginnt nicht irgendwo und schon gar nicht am Anfang, sondern dort, wo seiner Meinung nach wichtige Weichen gestellt wurden, ohne dass der Zug darauf gefahren wäre. Er schreibt seine eigene Geschichte als Geschichte des Softwarengineerings.

Nur nebenbei: Ich habe ein paar Jahre lang seinen Studenten an der ETH etwas Computer-Geschichte unter soziologischen Gesichtspunkten vorgelesen. Er hat mich dann mal “eingeladen”, ihm meine Geschichte zu begründen, weil ihm diese Geschichte – oder was ihm davon zu Ohren kam – nicht passte. Jedenfalls mussten seine Studenten danach meine Vorlesung nicht mehr besuchen.

In seiner Geschichte sind Computer immerhin Maschinen. “Computer systems are machines of large complexity. This complexity can be mastered intellectually by one tool only: Abstraction.” Er meint, sie seien komplex, ich würde dagegen von kompliziert sprechen. Er sieht in der Geschichte drei Phasen, weil er drei Programmiersprachen entwickelt hat.

Dijkstra hat das stukturierte Programmieren erfunden. Deshalb hat er eine strukturierte Programmiersprache, nämlich Pascal entwickelt. Dann hat Parnas die Modularisierung erfunden. Deshalb hat er eine modulare Programmiersprache, nämlich Modula entwickelt. Und schliesslich hat Dahl die Objekte erfunden. Deshalb hat er Oberon entwickelt. Das sind die historisch guten Seiten der Entwicklung, aber die Entwicklung hat leider immer den schlechten Weg genommen.

Kaum war die Hardware massenfähig, wurden anstelle der Mainframes Kleincomputer mit Unix auf den Markt gebracht und damit verbunden die Programmiersprache C, deren Konzeptlosigkeit als Freiheit der Programmierer verkauft wurde. Kurze Zeit später wurde es noch schlimmer, weil mit den Windows und der Maus die Ansprüche an die Programmierung noch erheblich grösser wurden. Hinzu kam eine nicht kontrollierbare Entwicklung von OpenSource und durch das Internet die Apps in Java, was wiederum konzeptlose Programmiersprachen zu grosser Verbreitung geholfen hat.

Ein Hauptproblem sieht N. Wirth in der vermeintlichen Lösung des Problems, die darin besteht, dass die Hardware immer schneller und billiger wird und so unsauberes Programmieren immer mehr verzeiht und mithin unterstützt.

N. Wirth hat sozusagen eine reine Lehre, die sich nicht um vordergründige Bedürfnisse von Microsoft-verseuchten Benutzern kümmert und von den Programmierern viel mehr Denkarbeit verlangt, was allenthalben anhand von “goto” diskutiert wurde. L. Torvald entgegnete, dass N. Wirth den frigging clue auch nicht gefunden habe.

Ich wundere mich auf einer anderen Ebene. Wenn ich mich nicht um kommerzielle Zusammenhänge kümmere, sondern um mit N. Wirth zu sprechen, um akademische, dann verstehe ich die Begrenzung auf Softwareengineering nicht. Dann würde ich von Technologie sprechen und mich dabei um eine Begrifflichkeit bemühen, die in welcher das Softwareengineering als solches begriffen werden kann. N. Wirth gibt dazu etliche Ansätze, wo er Computer als Maschinen begreift und das Programmieren als Handwerk (craft), das in einen Wissensprozess umschlägt, so dass in den Programmen, die zunächst nur der Steurung von Maschinen dienten, immer mehr Text sichtbar wird, der der mathematischen Vernunft unterliegt.

Ich wundere mich darüber, wieso wir uns auf mathematische Vernunft beschränken sollten, respektive darüber, warum Informatiker nicht auch in gesellschaftlichen Zusammenhängen denken sollen, wo sie im Zentrum der Produktivkraftentfaltung stehen. Kybernetik muss sich nicht auf Oberoncomputer beschränken.

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