Eröffnung – Offenbarung

Ich will hier über Technologie nachdenken und freue mich über jeden Beitrag, in welchem das auch getan wird. Wer hier mitschreiben statt nur kommentieren möchte, soll unten einen entsprechenden Kommentar eingeben, dann werde ich die Zugangsdaten schicken.

Ich will eine kybernetische Perspektive verwenden und diese als Theorie reflektieren, aber der Blog soll für jede Sichtweise offen sein.

Als Technologie bezeichne ich jede begriffliche Darstellung der Technik. Technologie steht quasi-etymologisch für die Lehre (Logik, Wissen) über die Technik. Der Begriff stammt von J. Beckmann (1777) und bezeichnete zunächst die Bemühung Wissen in den Dienst der Technik zu stellen. Hier meine ich aber nicht diese Mittelfunktion für die Technik, sondern invers dazu, dass  Technik begriffliches Wissen schlechthin begründet. Die Entwicklung der Technik dient mir dazu, mein Begreifen zu entwickeln. Wenn der Sinn der Technik wäre, den materiellen Wohlstand der Menschen zu verbessern, hätte die Technik bisher durchwegs versagt. Absolut und relativ verhungern oder verslummen immer mehr Menschen auf der Erde. Das technologische Wissen dagegen nimmt stetig zu.

Technologie ist als Logie eine Entwicklungsgeschichte. Sie entwickelt sich mit den in ihr beschriebenen Werkzeuge. Jede Technologie impliziert gesellschaftliche Verhältnisse, etwa eine spezifische technische Intelligenz und spezifische Produktionsverhältnisse. Die Technologie ist kein Abklatsch der Technik, sondern bestimmt, was überhaupt wie als Technik wahrgenommen wird.

Es soll in diesem Blog also darum gehen, Technik als Referenzobjekt von Technologie darzustellen und dabei die Technologie als Ausdruck von Theorien zu reflektieren.

Rolf Todesco

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Comments

  • bruno jennrich  On February 2, 2012 at 2:44 PM

    hi siggi,

    ist dem wirklich so? dass technik versagt hat, in materieller hinsicht? oder ist es nicht vielmehr so, dass technik seit jeher ein exklusives gut war und auch heute noch ist.

    oder dass der technik einfach zuviele menschen gegenüberstehen?

    oder das technik zwar beispielsweise hilft, landwirtschaftliche erträge zu erhöhen, aber politische/gesellschaftliche verhältnisse die benötigte verteilungsgerechtigkeit einfach nicht herstellen (können?).

    oder dass technik sehr inhomogene fortschritte macht. wir machen zwar auch heute noch fortschritte in der medizin, aber die durch die heutigen fortschritte erzielten ergebnisse in absoluten zahlen sind mikrig (pareto prinzip) gegenüber den in den anfängen der medizin erzielten wirkungen (z.b. durch alleiniges händewaschen vor einer op).

  • Peter Bormann  On February 5, 2012 at 6:12 PM

    Lieber Rolf,

    “Wenn der Sinn der Technik wäre, den materiellen Wohlstand der Menschen zu verbessern, hätte die Technik bisher durchwegs versagt.”
    Das ist mir 1) etwas zu “überspitzt” und 2) zu “pauschal” formuliert.

    Gegenbeispiel.: Vor der Einführung der Waschmaschine war Wäschewaschen eine zeitaufwendige und mühsame
    Knochenarbeit. Die Zeit- und (körperliche) Energieersparnis dadurch, dass man idR nicht mehr manuell seine Wäsche waschen muß, ist jedenfalls “enorm”. Eine ähnliche Entwicklung ist bspw. zu beobachten bei der “Industrialisierung der Nahrung”. Folge: In beiden Fällen wird massiv
    Zeit eingespart, die wiederum für produktive (bezahlte / nicht-bezahlte) Arbeit oder bspw. zur Unterhaltung genutzt werden kann.

    Kurzum: Technik-Einsatz ist m.E. (neben einer Veränderung der Arbeitsorganisation, etc.) ein zentraler Faktor bei der Produktivitätssteigerung. Und höhere Produktivität geht idR einher mit einer Steigerung des materiellen Wohlstands, v.a. in mehr oder minder hochindustrialisierten Staaten.

    Zudem ist Technik in komplexen Gesellschaftszusammenhängen nur ein
    “Faktor” neben vielen anderen. Es ist wohl nur in Technokratieillusionen ein
    Lösungsangebot für “soziale” Probleme.

    Dass damit über den “Sinn” (genauer vielleicht: die multiplen “Funktionen” von
    Technik) nichts ausgesagt ist, ist dagegen eine ganz andere Frage.

    LG PB

    • Rolf Todesco  On February 6, 2012 at 10:27 AM

      ja, Peter, überspitz und pauschal ist am Anfang alles, weil nicht hinreichend differenziert. Meine Frage ist, inwiefern sich das Postulat im Laufe der Differenzierung auflöst oder in sein Gegenteil verkehrt.

      *pb*: ich würde solche zu hoch generalisierten Technik-Wertungen nicht vornehmen, sondern das Ganze “neutraler” formulieren. Wir haben es hier mit komplexen “Kreisläufen” in sozialen Prozessen zu tun (also: “keinen” einfachen bzw. linearen Ursache-Wirkungsketten), so daß Technikeffekte mittel- und langfristig nicht-prognostizierbare Folgen zeitigen können. Bspl.: Wenn mehr Menschen in Afrika, etc. hungern, dann hat das u.a auch mit einer medizintechnisch induzierten Verringerung der Säuglingssterblichkeit zu tun, d.h. die Bevölkerung wächst, ohne daß glz. das Nahrungsmittelangebot und die Verteilung der Nahrungsmittel Schritt halten können. Wg. des Bevölkerungswachstums kommt es aber noch zu anderen ökologisch relevanten Folgen (Überweidung, Versteppung, etc.), die mittelfristig das Nahrungsmittelangebot verknappen können. Kurzum: Das alles ist “komplex,” und Technik ist nur ein Faktor unter anderen.

      Zweitens geht es hier ja um Technologie, was die Frage mitnimmt, inwiefern ein Käufer einer Waschmaschine den Sinn von Technik realisiert. Er könnte ja als so handelnder Mensch ein munterer Nebeneffekt sein.

      Und drittens: ich bin gespannt, wieviele Technologie-Verständnisse sich hier entwickeln werden.
      *pb*: Ich werde mein Bestes tun, um für “Vielfalt” zu sorgen :-)

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