toolmaking / Todesco / Technizismus

Technik im Sinne von toolmaking wird nicht selten als ein wesentliches Charakteristikum des Menschseins bezeichnet. Technik im Sinne von allgegenwärtigen Maschinen und sogenannten Medien wird nicht selten für soziale Verhältnisse verantwortlich gemacht, sie soll die Art unseres Arbeitens und Lebens stark beeinflussen. Man könnte deshalb erwarten, dass Technologie ein wichtiges Schulfach wäre . Technologie erscheint aber nur als Epiphänomen der Ingenieursausbildung. Der Ausdruck Technologie wird normalerweise gar nicht für eine Lehre verwendet, sondern viel mehr für die  jeweils modernsten technischen Wunder.

Technik gehört in die Ausbildung, nicht zur Bildung. Die konventionellen Wissenschaften befassen sich nicht mit dem Funktionieren von Maschinen, sondern allenfalls – meist kritisch – mit Funktionen der Maschinen. Die Maschinen selbst sind tabu, sogar die Kybernetik wird in der Mathematik und nicht in Maschinentechnik begründet, obwohl die Entstehungslegenden von geregelten Flugzeugabwehrkanonen und Dampfmaschinen erzählen. Soweit Technik doch Gegenstand der Bildung ist, wird sie jenseits von Maschinen in Verfahrensweisen lokalisiert, die nur zufälligerweise auch in Maschinen repräsentiert oder verkörpert zu sein scheinen. Es scheint, dass die Menschen schon Technik hatten, bevor sie sich durch toolmaking überhaupt als Menschen konstituierten.

N. Luhmann beispielsweise spricht dann von Technik, wenn er eine Fixierung für wiederholten Gebrauch erkennen kann, was P. Bormann als Iterabilität bezeichnet und D. Baecker als “wiederholbare Sequenzen” deutet. In diesen Konzepten ist jede Maschine und jedes Produkt der Ingenieurskunst, die früher Techne hiess, aufgehoben. Ich bezeichne Theorien, die Technik jenseits von Maschinen behandeln als technizistisch, weil sie die Technik rein halten und sie ihrer materiellen Basis entziehen.

Der Ausdruck Technizismus wird oft verwendet für eine weltanschauliche Auffassung, die den Wert der Technik losgelöst von den bestehenden Verhältnissen, vom sozialen Umfeld sieht und den technischen Fortschritt als Grundlage und Voraussetzung jedes menschlichen Fortschritts betrachtet. Diese technokratische Auffassung beruht auf einer sehr abstrakten Konzeption von Technik. In seiner in diesem Sinne typischen Formulierung schreibt D. Baecker: “Eine Technik ist die Einrichtung einer Sequez von Ereignissen derart, dass diese Sequenz wiederholbar abgerufen werden kann. Die Ausgangs- und Endzustände der Sequenz sind definiert. Die Verknüpfung der Ereignisse zu ihrer Sequenz ist das Ergebnis eines Automatismus, der in der Natur der Sache vermutet wird.” Die Formulierung “Einrichtung einer Sequenz von Ereignissen” – der ich zunächst etwas folgen will – lässt offen, was wie wodurch “eingerichtet” wird.

Als “Einrichtung” bezeichne ich differenztheoretisch – im gegebenen Kontext – eine Differenz zwischen
“mich einrichten” und “etwas einrichten”. Einrichten hat für mich einen rezeptiven Komplementärbegriff: funktionieren. Dabei ist aber mit Funktionieren nicht – wie das in der Luhmannschule oft gesehen wird – ein Funktionieren im Sinne von nicht kaputt gemeint, sondern dass eine Funktionsweise eingerichtet wird. Einrichten heisst hier eine Funktionsweise zu konstruieren. In diesem Sinne geht es bei der Technik nicht darum, OB sie funktioniert, sondern darum, WIE sie funktioniert. Wenn ich nach der Technik von Ikarus frage, interessiert mich nicht, ob er fliegen konnte, sondern wie er “es” eingerichtet hat oder was er wie eingerichtet hat. Technisch interessiert mich, wie ich fliegen könnte, nicht wer jemals geflogen oder abgestürzt ist.

Die Gebrüder Wright richteten sich zum Fliegen in einer entsprechend eingerichteten Maschine ein. Das Flugzeug verhält sich aufgrund seiner Konstruktion unter bestimmten Bedingungen abrufbar gleich. Das Einrichten von wiederholbaren Ereignissen heisst einerseits, dass ich mich instand setzen muss, Ereignisse zu wiederholen, also beispielsweise ein Flugzeug nochmals zu fliegen, und andrerseits das Herstellen von materielle Gegenständen, die bestimmte Operationen – mechanisch zuverläsig – wiederholen, beispielsweise ein Flugzeug, das jedesmal fliegt, wenn ich es fliege. Ich bezeichne solche Artefakte als Maschinen.

Als Pilot richte ich mich ein, indem ich lerne adäquate Verhaltensweisen abrufen zu können. Meine Technik besteht dann darin, dass ich beim Fliegen eines Flugzeuges adäquat verhalten kann. Die Technik des Flugzeuges dagegen kann ich begreifen ohne Flugzeuge fliegen zu können. Ein gutes Flugzeug verlangt von seinem Benutzer gar keine Technik, ausser natürlich der “Technik” fürs Fliegen – anders als Ikarus – Flugzeuge zu benutzen. Ein gutes Flugzeug macht alles wie von selbst, weil es eben so eingerichtet ist, was gemeinhin Autopilot genannt wird.

Als Einheit der Differenz des Einrichtens sehe ich, dass die Artefakte jeweils bestimmen, wie ich mich selbst einrichten oder organisieren muss. Die als Workflow bezeichnete Technik optimiert die Verwendung von hergestellten Maschinen und zeigt gleichzeitig, dass die Maschinen nicht recht entwickelt sind, so dass der Benutzer noch eingreifen muss und sich über optimales Eingreifen Gedanken machen muss. Jedes technische Einrichten besteht darin, die Maschinen so einzurichten, dass ich mich selbst – und andere Maschinendiener – nicht mehr einrichten muss.

Eine nicht technizistische Sicht beobachtet beispielsweise das Verhältnis zwischen Maschine und Maschinenhersteller unter einem entwicklungslogischen Gesichtspunkt. Die Maschine entwickelt sich, nicht der Hersteller. Nicht was gemacht wird, sondern wie, mit welchen Arbeitsmitteln gemacht wird, unterscheidet die Epochen. Das technologische Niveau der Maschinenproduktion ist ein Schlüssel zum Verständnis der technischen Entwicklung, weil Andeutung auf Höhres in den untergeordneteren Entwicklungsstufen evolutionstheoretisch nur verstanden werden können, wenn das Höhere selbst schon bekannt ist.

Die technizistische Sicht kennt keine Maschinen, sie verordet Technik im Bewusstsein, was nur statische, wesenhafte Charakterisierungen wie “Fixierung für wiederholten Gebrauch” zulässt. In dieser funktionalen Sicht scheint die Maschine das zu tun, wonach der Mensch Bedürfnisse hatte, schon bevor er Maschinen hatte – wie wenn es je solche Menschen gegeben hätte.

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Comments

  • Peter Bormann  On February 15, 2012 at 8:20 AM

    Hallo Rolf,

    nur 2 schnelle Anmerkungen:

    1) Techno-“Logie” ist in meinem Verständnis auch stets die “Lehre” von Technik.
    Aber da im englischsprachigen Bereich “technology” für Technik verwendet wird,
    haben wir diesen Sprachgebrauch tw. im Deutschen übernommen (obwohl ich keinen Sinn darin sehe, ihm zu folgen, wenn ich “Technik” meine). Aber wie bspw. schön am Begriff “Ideologie” zu sehen ist, sind Signifikate sogar völlig in ihr “Gegenteil” verkehrbar (in diesem Fall: von einer wiss. ausgerichteten, eher sensualistischen “Lehre” der Ideen hin zu einem Ausdruck, der eigentlich “Verkennen”, u.ä. im öffentlichen Diskurs bezeichnet).

    2) “Wiederholung” (bei Luhmann, Baecker und anderen, auch Spencer Brown) und “Iterabilität” (im Sinne von Derrida) sind “nicht kongruent”. Das Thema ist auch
    sehr viel “komplizierter”, als es im Post dargestellt wird.
    Denn es gibt bspw. einen Unterschied zwischen (kontrolliert-variierender) “Reproduktion des Selben” (was dann auch auf “Maschine” als deterministische Input-Output-Transformation verweist, siehe das Baecker-Zitat) und “Iterabilität” im Sinne einer kontextrelativen Kombination von “Demselben” und einem unweigerlichen “Alterieren”. Folge: Bedeutungen können in verschiedenen Kontexten “nie” absolut identisch sein, weil wir in Zeichenprozessen mit “offenen” Kontextualisierungen zu tun haben. Daher sind auch essentialistische Bedeutungsauffassungen, z.B. als Definitionsversuche, eine “Absurdität”, sensu: Zeichengebrauch wäre komplett unmöglich!

    Wir sollten dieses Thema (später) noch sehr viel genauer untersuchen, denn für mich persönlich ist die Unterscheidung “Reproduktion (des Selben) / Iterabilität (quasi: the same is different, aber keineswegs in einem systemtheoretischen Sinne!)” eine Schlüsselunterscheidung.

    ~Peter

  • Peter Bormann  On February 15, 2012 at 8:43 AM

    “Die technizistische Sicht kennt keine Maschinen, sie verordet Technik im Bewusstsein, was nur statische, wesenhafte Charakterisierungen wie “Fixierung für wiederholten Gebrauch” zulässt.”

    1) Iterabilität kann als Grundlage für “jeden” Form-Gebrauch (Zeichen aller Art, aber m.E. auch für technische “Formen” und den “Umgang” mit ihnen) angesehen werden. Ohne “Iterabilität” wären nämlich De- und Re-Kontextualisierungen unmöglich -> wir hätten dann weder Formengebrauch, noch Bewußtsein, noch Kommunikation.

    2) Wenn Iterabilität sich auf Semiose, u.ä. bezieht, dann macht es keinen Sinn, das nur im “Bewußtsein” zu verorten, wobei die Systemtheorie m.E. Probleme hat, das Zusammenspiel von Bewußtsein und Kommunikation mit Blick auf den
    Zeichengebrauch genau zu bestimmen (der einzige, der das versucht, ist P. Fuchs. Bspw.Luhmann und Baecker versuchen das eher zu umgehen: “Hier funktioniert es – irgendwie.” Tja, fragt der Borg: “Nur – wie?” :-)

    3) “Wesenhafte” Charatkterisierungen machen auch “keinen” Sinn. Wenn Leute über Essentialismus reden, dann wir so getan, als ob das eine “reale” Möglichkeit wäre. Es ist aber m.E. “absurd” und “unmöglich”, weil
    essentialistisch die erwähnten iterierenden De- und Re-Kontextualisierungen unmöglich wären . Folgen wie gehabt: no signs, no mind, no communication. Welcome to the animal world :-)
    Es handelt sich dann hierbei wohl eher um eine “idealisierende” Projektion von Beobachtern (dito: bei “Reproduktion des Selben” – was ja, durch “alle” Kontexte hindurch betrachtet, eine essentialistische Spielart, entre autres, darstellt. Nur: wer “kennt” alle Kontexte? Das erinnert an Stähelis Possibilismus-Kritik gegenüber der Systemtheorie).

    4) ” In dieser funktionalen Sicht scheint die Maschine das zu tun, wonach der Mensch Bedürfnisse hatte, schon bevor er Maschinen hatte – wie wenn es je solche Menschen gegeben hätte.” Ich würde eher sagen, “bevor” konkrete Maschinenrealisierungen vorliegen, zumindest so meine These (André würde das mit Blick auf basale und konstitutive “technicité” wohl ähnlich sehen), sind in Semioseprozessen bereits “Technisches” / “Maschinelles” angelegt (z.B. als idealisierende Möglichkeit der Reproduktion des Selben). Der Mensch als “Mangelwesen”, dessen Bedürfnisse bzw. Mängel befriedigt / kompensiert werden müssen, ist eine anthropologische Projektion.

    • Rolf Todesco  On February 15, 2012 at 10:02 AM

      > Ich würde eher sagen, “bevor” konkrete Maschinenrealisierungen
      > vorliegen, zumindest so meine These (André würde das mit Blick
      > auf basale und konstitutive “technicité” wohl ähnlich sehen), …

      Die Differenz, die ich meine, liegt im Ausdruck “konkrete Maschinenrealisierung”. Ich lese den Ausdruck so, dass es Maschinen gibt, die dann noch konkret realisiert werden. Wo ist diese Maschine, bevor sie realisiert wird (Marx’ Bienenbeispiel lässt grüssen: Im Kopf des Menschen). Und noch wichtiger: Wie geht die konkrete Realisierung, jenseits von Material.

      Ich glaube nicht, dass wir diese Fragen behandeln können. Sie sind nur im Kontext der Kybernetik vorstellbar, aber nicht in Theorien a la Luhmann. Diese Fragen trennen sozusagen den Theoriebereich. Ich erwarte also keinerlei Antwort, sondern markiere damit ein Theorieunterscheidung (Kybernetik/Form-Systemtheorie)

      • Peter Bormann  On February 15, 2012 at 12:32 PM

        Nein, Deine Interpretation bzgl. der “konkreten Maschinenrealisierungen” ist ein Mißverständnis (siehe
        die Antwort an Hanna). Mit diesem “Idealismus” kann ich weder theoretisch noch IT-praktisch etwas anfangen, zumal das komplett “alteuropäisch” ist (-> griechische Tradition: Zweck-Mittel-Relation, Ziel-Vorgaben mit Planorientierung, usf.). So funktioniert das Spiel m.E. “überhaupt nicht”…

        Mit der “bevor”-Kritik habt Ihr beide (Du und Hanna) recht: ich denke, man muß vielmehr von einem “Co” ausgehen. Also: Das Herstellen von bzw. Operieren mit Tools / Maschinen und différance- / Semiose-Prozesse, die auf basale Technizität hin befragt werden (siehe den Kommentar an Hanna), sollten als Co-Geschehen angesehen werden. Die vorher-nachher-Frage läßt sich wohl nicht sinnvoll beantworten.

        Ob sich die Frage nach “basaler bzw. konstitutiver Technizität” nicht in der Systemtheorie beantworten läßt, bleibt abzuwarten. Im Fall der Fälle wird différance-technisch argumentiert, was ich ja bereits mit Blick auf Iterabilität, u.ä. tue.

        Die Frage nach der konkreten Realisierung “jenseits von Material” ist interessant, denn sie weist auf das Verhältnis von operativem Konstruktivismus (der immer nur das informationelle Prozessieren betrifft) und einem nicht-klassischen Verständnis von Materialität (also: nicht etwas, was einfach unproblematisch
        gegeben ist und dann bearbeitet wird.). Das sollten wir noch eingehender diskutieren.

        ~Peter

    • Hanna  On February 15, 2012 at 10:24 AM

      Ich habe verschiedene Fragen:

      1) Wie wird hier “Bewußtsein” verwendet?

      2) Was können wir über die Zeit ““bevor” konkrete Maschinenrealisierungen vorliegen” wissen? Ich bin mir wirklich unsicher, ob es möglich ist, darüber überhaupt Aussagen zu machen, die in diesem Zusammenhang weiterführen, bzw. frage ich mich, was man über Semioseprozesse zu dieser Zeit aussagen kann, um darüber darauf zu schließen, wie das Verhältnis Mensch-Maschine ist. Das mag eine zu stark historisch motivierte Anmerkung sein, aber ich würde doch denken, daß man dazu nur etwas anhand von Quellen sagen kann, die uns notwendig fehlen müssen.

      3) Ist die Annahme, daß Technisches/Maschinelles in der Zeit vor konkreten Maschinenrealisierungen bereits angelegt ist, nicht ebenso eine Projektion, eine technologische, wie die kompensatorische Annahme über Technik eine anthropologische Projektion ist? Genauer: ist es ein Vorwurf an diese These? Ich würde denken, dass alle Argumenttypen in dieser Diskussion, meinethalben auch in diesem Diskurs, Projektionen sind, was ich aber als eine klassifikatorische, nicht gleich als eine normative Beschreibung betrachten würde. Das soll nicht heißen, daß ich nicht sehr viel übrig hätte für die Überlegung, das anthropologische Moment aus der Debatte erst einmal still zu legen. Ich frage mich nur, was man hier zeigen kann.

      • Peter Bormann  On February 15, 2012 at 12:15 PM

        zu 1) Systemtheoretisch würde ich der Fuchs-Position folgen (weil er dieses Thema von allen Bielefeldern am tiefsten ausgelotet hat):

        a) Psyche -> Wahrnehmungsverarbeitung

        b) Kommunikation -> 3-stellige Synthese von Information/Mitteilung und Verstehen im Sinne einer spezifischen (z.B. différance-technischen) Anschlußlogik

        c) Bewußtsein als Interface, das aus dem Kontakt von Psyche und Kommunikation emergiert zwecks Bilden und Prozessieren von Zeichen (= Funktion).

        Auf die immer noch existierenden Detailprobleme (wie operiert Psyche genau?, symbolische Generalisierung, wie ist das Zusammenspiel von Kommunikation und Bewußtsein beim Zeichenprozessieren?, etc.) möchte ich jedoch hier nicht eingehen. Wir bräuchten dazu wohl ein “eigenes” Blog.

        Die Frage wäre daher: wie konzeptualisiert Rolf “Bewußtsein”?

        zu 2) “bevor konkrete Maschinenrealisierungen vorliegen” – Das besagt aus meiner Sicht: “Menschliches” Operieren mit Tools / Maschinen (oder dann auch als Techniken im Sinne von Handlungsrezepten) kann nicht unabhängig konzipiert werden von basalen Prozessen der Semiose / der différance (sensu: eines dynamisch-differentiellen Verweisungszusammenhangs mit Assoziationseffekten, etc.).

        Die Frage, die sich André und mir wohl stellt: Müssen wir nicht schon von Maschinellem / Technischem (in einem basalen bzw. konstitutiven Sinne) bei Semiose- / différance / Formbildungsprozessen (im Sinne von Spencer Brown) ausgehen? Der Hinweis auf “Iterabilität / Reproduktion des Selben”, “Injunktivität” (als Anweisungen zur “Konstruktion” von semiotischen Realitäten, als Handlungsanweisungen, als Anweisungen zum Herstellen von und Umgang mit Tools / Maschinen.) zielt genau in diese Richtung.

        Ebenso ähnelt der Umgang mit Tools / Maschinen m.E. dem Umgang / Prozessieren von Zeichen / Formen mit Blick auf (iterierende) De- und Re-Kontextualisierungen, so daß auch die “Funktion” von Tools / Maschinen keineswegs “essentialistisch” (und ein für alle Mal) fixierbar ist.

        * Meine These ist: Das Operieren mit Tools / Maschinen ist notwendigerweise immer eingebettet in solche différance- und Semiose-Prozesse. Das macht m.E. das “spezifisch Menschliche” des Umgangs mit Tools und Maschinen aus. Auch bei Tieren (z.B. bei Schimpansen) läßt sich der Umgang mit Tools beobachten, aber ein Hauptunterschied zu Tieren dürfte unsere differänzielle / semiotische “Formatierung” sein, die unserem Tool-/Maschinen-Gebrauch zugrunde liegt.
        Merke: Das Voranstehende würde auch für das “Herstellen” von Tools und Maschinen gelten.

        * Korrelat-These: Inwiefern ist Technisches / Maschinelles différance- und Zeichen-Prozessen bereits “immer schon” eingeschrieben? [s.o. Iterabilität, Injunktivität, etc.].

        zu 3) Sind die beiden gerade erwähnten Thesen “technologische Projektionen”? Kommt darauf an, was wir unter “Projektion” in diesem Kontext verstehen.

        Mir geht es nicht darum, xyz zu projizieren (quasi als Annahmekette: Mensch -> Mängel -> Bedürfnisse -> Waren, Tools, etc.), sondern eher darum, konkrete “basale” Funktionsbedingungen “herauszuarbeiten”. D.h. wir (also: zumindest André und ich) würden différance- und Semiose-Prozesse auf ihre konstitutive Technizität hin befragen und dabei mit so wenigen unreflektierten Unterstellungen auskommen wollen, wie das möglich ist.

        ~Peter

  • AL  On February 15, 2012 at 10:03 AM

    “Ich bezeichne Theorien, die Technik jenseits von Maschinen behandeln als technizistisch, weil sie die Technik rein halten und sie ihrer materiellen Basis entziehen.”

    “…Auffassung, die den Wert der Technik losgelöst von den bestehenden Verhältnissen”

    @Rolf
    Zu den Stichwörter “Entzug” (entziehen) und Loslösung:
    Wie Peter Andeutet würde man Iterabilität, die das Zurückkommenkönnnen auf ein zuhandenes, funktionierendes Tool unter anderen Umständen (Kontexten) meint, notwendig zusammen denken müssen mit einer “Loslösung von” und einem Entzug der Anfangsbedingungen (De- und Re-Kontextualisierung).

    Somit handelte es sich bei den von dir inkriminierten “Posititionen” um mehr als bloße Meinungen: Kein benutzbares, dienliches Tool ohne Ablösung (detachement), (Los-)Lösung, Verselbstständigung von seinen Grundlagen.

    • Peter Bormann  On February 15, 2012 at 12:41 PM

      “Kein benutzbares, dienliches Tool ohne Ablösung (detachement), (Los-)Lösung, Verselbstständigung von seinen Grundlagen.”
      Genau, so sehe ich das auch!
      * Vielleicht nochmals als These anders gewendet: “Différance-technisches Iterieren (mit den entsprechenden De- und Re-Kontextualisierungen) liegt sowohl jedem Zeichengebrauch als auch jedem Tool-/Maschinengebrauch zugrunde.[Das schließt auch ein: das Konstruieren (Bilden, etc.) von Zeichen und Tools / Maschinen!]

      So wenig wie dann die Bedeutungen von Zeichen essentialistisch (für alle Kontexte und damit eigentlich
      a-kontextuell) fixierbar wären (denn dann käme es zum “Bumm” -> keine Zeichen mehr, kein Bew. / Komm.), so wenig kann die Funktion von Tools (und Maschinen) essentialistisch und a-kontextuell (bzw. für alle Kontexte) festgelegt werden. Die Tool- und Maschinen-Funktion wird vielmehr beobachterrelativ “errechnet” (hergeleitet), aus dem Operieren-mit-xy-in-den-jeweils-spezifischen-Kontexten.

      ~Peter

  • AL  On February 15, 2012 at 11:12 AM

    “Diese technokratische Auffassung beruht auf einer sehr abstrakten Konzeption von Technik.”

    Auch hier würde ich umgekehrt betonen, dass “Abstraktion” (Abzug), die Operation der entortenden Verpflanzung mithilfe semiotischer Zeige-Zeuge (=Zeichen,) selbst schon als nichts anderes denn “Technik” in den Blick kommen kann.

    Je abstrakter eine Konzeption von Technik also wäre, desto technischer wäre sie mithin…

    • Peter Bormann  On February 15, 2012 at 12:53 PM

      “Je abstrakter eine Konzeption von Technik also wäre, desto technischer wäre sie mithin”.
      Gut formuliert! Das Problem für Rolf ist wohl: wo bleibt das “Material”?

      Das müßte vielleicht auch bzgl. différance, Semiose und Spencer Brownscher Formkonstitution überlegt werden: wir können Unterscheidungen bilden, wobei wir (spätestens seit Saussure!) wissen, daß ein Signifikant “keine” materielle Entität darstellt, sondern abstrakt “errechnet” wird, d.h. eine Generalisierungs- und Abstraktionsleistung darstellt. Und Signifikate leiten sich als flottierende Effekte aus Signifikantenkonstellationen her (mit Blick auf Peirce müßte dann wohl etwas anders argumentiert werden).

      Aber worauf ich-mit-Rolf (medienwissenschaftlich) abstellen würde: Wo bleibt die “Oberfläche” (Bildschirm, Blatt, Sand, Boden, etc.), in die etwas “eingeschrieben” wird? Und bestimmen deren “Materialqualitäten” nicht, was überhaupt wie lange einschreibbar ist? (Bspl.: Sand, der vom Winde verweht und vom Wasser überspielt werden kann, taugt nur begrenzt dazu, Geschriebenes zu konservieren).

      Also: Wie steht es mit Material als Oberfläche und Trägermedium (support)? Das kommt bspw. bei der vom Materiellen abstrahierenden Unterscheidung von Medium und Form gar nicht vor und bleibt wohl generell im operativ-informationellen Konstruktivismus ein Non-Thema. Oder täusche ich mich hier?

      ~Peter

  • Rolf Todesco  On February 15, 2012 at 5:16 PM

    das artet hier irgendwie aus, ich komm nicht klar in meinem Schädel. Ich wiederhole also, was ich schon geschrieben habe, weil es ja im neuen Kontext vielleicht besser funktioniert.

    Ich kann KonText mitliefern (ohne zu meinen, dass sich so DER Kontext erschliessen lasse). Ich kann theoretische Voraussetzungen mitliefern. Damit zeige ich an, welche Voraussetzungen ich mindestens mache. Die mir wichtige Voraussetzung ist eine “hergestellte Maschine”, die ich anfassen und von einem hergestellten Plan der Maschine unterscheiden kann. Ich schreibe beispielsweise “mein PC” und referenziere damit die Maschine, die ich vor mir habe, die aus geformten Kunststoffen und Metallen besteht. Ich kann die Maschine in einem Konstruktions-Plan abbilden. Der Plan ist auch ein hergestelltes, materielles Ding. Ich kann den Plan und die Maschine aufeinander beziehen. Man mag das als semiotischen Prozess bezeichnen, das ist mir HIER egal. Hier meine ich die beiden materiellen Gegenstände.

    Genau damit mache ich eine entscheidende Voraussetzung, die ich machen kann oder nicht. Ich kann aber das, was ich unter dieser Voraussetzung schreibe, nicht unter anderen Voraussetzungen kritisieren. Kritisieren kann ich natürlich die Voraussetzung indem ich andere Voraussetzungen vorschlage.

    Mein Anliegen ist nun, dass ich meine Voraussetzungen mitliefere, oder wo ich gefragt werde, nach-liefere.

    Nochmals: Ich habe eine hergestellte, anfassbare Maschine vor mir, die auf einem hergestellten, anfassbaren Tisch steht und an einem Stromkabel hängt, das hergestellt und anfassbar ist. Was ich sage, beziehe ich auf diese Artefakte.

    Marx meinte in seinem Bienen-Bauherr-Beispiel, dass sich der Bauherr dadurch auszeichne, dass er das, was er herstelle, “zuvor” (wie zeitlich auch immer) im “Kopf” oder im “Bewusstsein” habe. Was “Kopf/Bewusstsein” heisst ist mir gleichgültig, weil ich nicht darauf bezug nehme. Ich referenziere das Verhältnis von zwei Objekten, die hergestellt, anfassbar vor mir liegen. Beide sind geformte Materie (https://kybernetiks.wordpress.com/2012/02/07/operativer-materialismus/). Wer solche Objekte nicht kennt/wahrnimmt/erkennt …, dem fehlt ein für mich entscheidender KonText, weil ich das als theoretische Voraussetzung mitliefere.

    Technik hat beliebige Kontexte. Vorderhand liefere ich diese Kontextteil jeweils mit.

    • Peter Bormann  On February 15, 2012 at 6:41 PM

      Puh, so langsam nervt`s: schon 2 replies an Dich verloren (einmal von WordPress geschluckt, das andere Mal habe ich mich selbst aus WordPress ausgeklingt). Also zum dritten Mal:

      Ich schreibe beispielsweise “mein PC” und referenziere damit die Maschine, die ich vor mir habe, […] – das ist zwar eine common-sense-Position, die auch in der Wissenschaft gerne eingenommen wird, aber ich erachte sie (im Anschluß an Wittgenstein II, Dekonstruktion / Diskurstheorie von Laclau, Systemtheorie mit ihrer Unterscheidung von Medium-Form) als nicht mehr überzeugend: Zeichen bzw. Unterscheidungen funktionieren, gerade weil sie nicht auf einen solchen (materiellen, oft: als a-medial vorgestellten) “(medien-)externen” Referenten bezogen sind.

      Es wird also nicht ein Medien-Konstrukt (ein Zeichen, ein Satz, ein Text, ein Bild, ein Video, etc.) auf einen materiellen Referenten bezogen (dieses konkrete Dings da, das ich bspw. gerade als “Keyboard” vor mir habe), sondern diese Referenten sind selber Medien-Konstrukte (z.B. Wahrnehmungskonstrukte, die ihrerseits semiotisch imprägniert sind).
      Medien-Konstrukte gewinnen dann ihre differentielle Identität durch ihre Position in den je medienspezifischen (nonverbalen, verbalen, skripturalen, etc.) Unterscheidungsnetzwerken, während andere mediale Unterscheidungsnetzwerke quasi “orthogonal” dazu stehen: z.B. Schriftliches zu Mündlichem zu Körpergesten zu Wahrnehmungsentitäten etc. – ähnlich wie in einer “Juxtaposition”.

      Wenn wir von nicht-klassischer Materialität sprechen (wollen), dann sollten wir dieser allzu traditionellen, m.E. nicht mehr haltbaren Perspektive (Medium xy mit seiner konkreten Formen, denen ein materieller Welt-Ausschnitt, der quasi a-medial konzipiert wird, als Referent “gegenübersteht”) nicht mehr auf den Leim gehen [wenn das doch noch Sinn macht: dann als Handhabung der systemrelativen Unterscheidung von “notwendig” – kontingent”: eine Seite wird konstant gehalten, die andere variiert, so dann auch bei Hardware / Software]. Das ist auch der Grund, warum bspw. bei der systemtheoretischen Unterscheidung von Medium-Form Materielles (im klassischen Sinne) nicht mehr vorkommt.
      Denn so wird nicht nur vermieden, daß ein materieller Referent als unabhängig existierend “vor” jeder Beobachtung angenommen wird (nur: was soll das sein – dieses unerreichbare, a-observative und a-mediale “Ding-an-sich”?), sondern auch, daß der skizzierte Dualismus sogleich mit ad acta gelegt wird.

      Für Details, siehe:
      * http://www.fen.ch/texte/gast_bormann_grundlagenkrise.pdf, S. 79..
      * Und eines meiner Lieblingsbuecher (wg. seiner, Kürze, Prägnanz und Klarheit):
      Mitterer, Josef (2. Aufl., 1993), “Das Jenseits der Philosophie: wider das dualistische Erkenntnisprinzip”, Wien: Passagen.

      Wir sollten es uns daher nicht “zu” einfach machen.

      ~Peter

    • Peter Bormann  On February 15, 2012 at 6:42 PM

      “Hier meine ich die beiden materiellen Gegenstände.” – genau das ist mir zu einfach :-)

    • Rolf Todesco  On February 15, 2012 at 7:13 PM

      Meine Herren, es geht nicht um “zu einfach” oder “um adäquater” usw, was jeder Beobachter für seine und andere Sichtweisen postulieren kann, es geht mir darum, dass ich meine Sichtweise reflektiere. Ich spreche eben NICHT über technisizistische Technik, sondern über Maschinen. Und ich schlage vor, dass wir jeweils sagen, was wir wie im Auge haben.

      Ich weiss ja, dass der PC, dessen Tastatur ich immer anfasse, kein beliebtes Thema ist, aber ich meine mit Technik zuallererst eben diesen PC und eine Reihe anderer Artefakte.

      Mir scheint, ich kann schauen, wohin ich mit welchen Voraussetzungen kommen kann. Ich finde, es ist kein Zufall, dass Technik in vielen Systemtheorien kein Thema ist.

      Ausserdem scheint mir, dass Ihr “materiell” immer noch philosophisch ideel auffasst. Meine Vorstellung scheint mir nicht so einfach: Wer nur Form beobachtet, macht es sich einfacher, als wer zwei Unterscheidungen Form und Material gleichzeitig als markiert beobachtet. Von wegen einfach

      • Peter Bormann  On February 15, 2012 at 7:49 PM

        1) “Ich weiss ja, dass der PC, dessen Tastatur ich immer anfasse, kein beliebtes Thema ist, aber ich meine mit Technik zuallererst eben diesen PC und eine Reihe anderer Artefakte.”

        “(Kein) Beliebtes Thema” ist nicht der Punkt. Es geht darum, “wie” wir u.a. die Frage nach “Materialität” am geschicktesten “konzeptualisieren”. Bislang meine ich, daß Du zu klassisch-dualistisch argumentierst.

        Und ich kann bspw. an der Kontrastierung, hier das Zeichen “PC”, da mein konkreter-materieller Referent PC mit Tastatur “nichts Neues” erkennen.
        Das hat eine nicht-konstruktivistische (realistische) Position wohl “schon immer” (?) getan.

        Ich meine zugleich, daß das nicht mehr einleuchtet. Und ich denke, daß Sprachphilosophien (wie Wittgenstein II), Diskurstheorien (wie Laclau), konstruktivistische Spielarten wie die Systemtheorie) unabhängig von einander (?) zu ähnlichen = nicht-dualistischen Schlüssen gekommen sind.

        2) “Ausserdem scheint mir, dass Ihr “materiell” immer noch philosophisch ideel auffasst.” – Der Witz ist m.E. eher, daß bspw. der beobachter- bzw. systemrelative Gebrauch von “Medium” und “Form” (parallel zu “System und Umwelt”) die ideell-materiell-Unterscheidung “fallen” läßt.

        [Note: Ein besserer Kritikpunkt wäre vielleicht: bei Euch beiden ist alles “medial” und “medienspezifisch konstruiert” – wenn auch durch verschiedene Systemtypen].

        Daher macht die Frage von André (zumindest aus dekonstruktiver und diskurstheoretischer Sicht) nach einem mitlaufenden “(materiellen) Rest” (der vielleicht als ermöglichender und nicht-ermöglichender constraint fungiert) Sinn.

        3) Deine Position erinnert eher an einen Konstruktivismus, der doch wieder zum Realismus (im Sinne des erwähnten Dualismus) zurückkehrt. Und an dieser Stelle hakt es bei mir mit dem “Verstehen”.
        Aber ich muß mir Dein Post zum “operativen Materialismus” genauer anschauen.

        ~Peter

        • Peter Bormann  On February 15, 2012 at 8:45 PM

          Vielleicht kommen wir bzgl. Technik und der Medium / Form-Unterscheidung weiter mit der These von “Kausalität als Medium” [allerdings mit dem Zusatz: Medien werden anhand von Störungen “inferenziert” -> in diesem Sinne würde von fest gekoppelten Formen ausgegangen, um lose gekoppelte Inferenzmedien zu erschliessen], wie z.B. hier:
          Technik ist Formung im Medium der Kausalität. Technik ist die Konstruktion (i.S. von ”Bauen”, wenn man an die Herstellung von Geräten und Apparaten denkt, aber auch von Zuschreibung, wenn man an die Funktionsweise von Gehirnzellen bei der Gedächtnistechnik denkt) durch Fixierung und Isolation von Kausalrelationen zum Zwecke ihrer redundanten Verwendbarkeit. Enge Kopplung bedeutet, dass bei der Konstruktion von Technik Anstrengungen unternommen werden müssen, erwünschte Ursachen-Wirkungszusammenhänge in eine stabile Beziehung zu bringen und unerwünschte Ursache-Wirkungszusammenhänge auszuschließen – und zwar durch ein (im weitesten Sinn zu verstehendes) containment. “Unter Technik soll jede feste Kopplung von Ursachen und Wirkungen verstanden werden, gleichgültig, ob es sich um Materialien physischer, chemischer oder biologischer Art oder um Symbole handelt wie im Recht oder in der Computertechnologie. Der Begriff reicht also über die Maschinentechnik weit hinaus und schließt all das ein, was Husserl den mathematischen Idealisierungen der modernen (galileischen) Wissenschaften zugerechnet hatte” (Luhmann 1995, S. 112).

          Daraus lässt sich die Kernthese über den Zusammenhang von Technik und Kausalität gewinnen: Technik ist kausale Formung in einem Medium. Technik wird also nicht in erster Linie als ein Apparat oder als eine rationale Zweck-Mittel-Kopplung oder ein mittel- bzw. zieleffizientes Tun verstanden. Technik wird vielmehr als eine Form, als eine “funktionierende Simplifikation” (Luhmann) behandelt, die auf einer sich im Medium der Kausalität ausdrückenden Erwartung beruht: dass auf eine bestimmte Ursache (oder einen bestimmten Ursachenkomplex) eine bestimmte Wirkung (ein bestimmter Wirkungskomplex) folgt. Diese Erwartung
          wird nicht in Form von Normen oder Intentionen, sondern von Installationen (physikalische,
          chemische oder neurologische Maschinen) “formuliert”. Technik ist also letztlich eine in einem Substrat ”gelagerte” Erwartung über das Eintreten von eng (kausal) gekoppelten Ereignissen oder Operationen.

          aus: Jost Halfmann, Technik und Kausalität (erscheint in: Klaus Kornwachs (Hg.), Technik – System –Verantwortung, Münster: LIT 1993), S. 8f. URL: http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/philosophische_fakultaet/is/technik/aktuelle_aufsaetze/tekau02.pdf

          Ggf. läßt sich das koppeln mit der Überlegung von einem materiellen Substrat, das sich als ermöglichendes / nicht ermöglichendes und residuales Constraint nur in seinen Effekten erschließt?

          ~Peter

          • Peter Bormann  On February 15, 2012 at 8:50 PM

            Noch aktueller (nämlich von 2003):
            “Technik ist wie Sprache ein Medium der Selbstbeobachtung der Gesellschaft. Technik ist eine Form, durch die Kausalerwartungen über die sachlichen Voraussetzungen der Kommunikation aufgebaut werden (Technik als
            Form), die selbst wiederum eine Plattform für gesteigerte Möglichkeiten der Bildung von Sozialsystemen bietet (Technik als Medium).” [Jost Halfmann]
            in: Technik als Medium. Von der anthropologischen zur soziologischen Grundlegung
            (Beitrag zu dem Band von Joachim Fischer/Hans Joas (Hg.), Kunst, Macht und Institution,
            Frankfurt a.M.: Campus 2003), S. ??
            URL: http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/philosophische_fakultaet/is/technik/aktuelle_aufsaetze/technikmedium.pdf

            Gut`s Nächtle!
            ~Peter

          • Rolf Todesco  On February 16, 2012 at 12:11 PM

            Und auch da muss ich nochmals, lieber Peter:

            es gibt kein materielles Substrat!!!! Das materielle Substrat das ist eine physikalische Vorstellung – wie sie N. Luhmann technizistisch verwendet:
            “Unter Technik soll jede feste Kopplung von Ursachen und Wirkungen verstanden werden, gleichgültig, ob es sich um Materialien physischer, chemischer oder biologischer Art oder um Symbole handelt wie im Recht oder in der Computertechnologie. Der Begriff reicht also über die Maschinentechnik weit hinaus und schließt all das ein, was Husserl den mathematischen Idealisierungen der modernen (galileischen) Wissenschaften zugerechnet hatte” (Luhmann 1995, S. 112).”

            Er unterschellt “Materialien physischer, chemischer oder biologischer Art” – das ist Nonsens – und dann folgt der reinste Unsinn, wonach “Computertechnologie” etwas anderes als solche “Materialien” verwende.

            Das ist die perfekte Ausgeburt des Technizismus, das ist nicht nur unterkomplex, sondern … richtig paradox-ontologisches Denken schlechthin.

            • Peter Bormann  On February 16, 2012 at 1:46 PM

              Es geht letztlich um eine Durchdeklinierung der Medium – Form-Unterscheidung [hier: Kausalität als Medium], die Unterstellung eines materiellen Substrats scheint mir dabei auch nicht überzeugend zu sein, zumal M-F gerade materielle Aspekte ausklammert. Und bei allen Semiose-Prozessen macht das auch Sinn – es ist nur die Frage: reicht das (mit Blick auf ein nicht-klassisches Verständnis von Materialität)?
              ~Peter

            • Rolf Todesco  On February 16, 2012 at 3:54 PM

              Vielleicht sollten wir die sogenannte Semiose noch etwas anschauen. Oder denkst Du dass sie sich der Beobachtung entzieht?

            • Peter Bormann  On February 16, 2012 at 4:05 PM

              “Sogenannte Semiose” ist gut – tja, welche soll’s denn sein, Monsieur? :-)
              Nein, laß uns am besten mit dem heuristischen Katalog weitermachen. Das reicht als Intro in dieses Thema erst einmal. Es sei denn, ihr (also: André, Du und wer immer daran Interesse hat) wollt das weiter
              an dieser Stelle ausdiskutieren.

        • Rolf Todesco  On February 16, 2012 at 1:27 AM

          Ich meine zwar definitiv, dass wir uns in keiner Weise irgendwie einigen müssten. Wir könnten einfach schauen, welche Theorie wohin führt, was mit ihr zu sehen ist, was durch andere Theorien nicht zu sehen ist …

          aber wir können quasi jenseits von Technik etwas Philosophiegeschichte machen und schauen, was die Philosophen zur Materialität je gesagt haben. Es gibt meines Erachtens eine idealistische Schule, in welcher Materialismus mit physikalisch gemeinter Materie identifiziert wird. Dagegen hat K. Marx von einem historischen Materialismus gesprochen, der gerade nicht auf irgendein physikalisches, stoffliches Material abstellt, sondern auf einen historisch-gesellschaftlichen Prozess.

          Das was Ihr mit Ontologie und Dualismus beschwört, sehe ich als idealistische Physik einer Materie. Darum geht es mir aber gerade nicht. Keine Physik, keine Materie, nichts dergleichen. Mir geht es um eine DOPPELTE Entscheidung, nur die Form zu beobachten finde ich trivial, das hat das bescheidene unterkomplexe Niveau von Sprencer-Brown und muss dann durch Paradoxiegefassel verschleiert werden.

          Mit einfachen Unterscheidungen werden wir hinreichend komplexen Verhältnissen nicht gerecht, gerade das zeigt sich in allen vermeintlichen Paradoxien.
          Wie gesagt, wir können hier etwas “Philosophie” machen. Und wir können uns unabhängig davon mit der Technik als Funktionssystem befassen: Dort ist die erste Frage, die nach möglichen Funktionen. Dort sollte unser Augenmerk hauptsächlich sein, das Philosophiezeugs ist veralteter Schmarren

          • Peter Bormann  On February 16, 2012 at 7:47 AM

            Ich meine zwar definitiv, dass wir uns in keiner Weise irgendwie einigen müssten. Wir könnten einfach schauen, welche Theorie wohin führt, was mit ihr zu sehen ist, was durch andere Theorien nicht zu sehen ist.
            100 Prozent Zustimmung: wir müssen einander “nicht” überzeugen, sondern schauen besser, welche Vor- und Nachteile, Stärken und Schwächen die Ansätze (und die darin getroffenen Entscheidungen) jeweils haben.

            “Mir geht es um eine DOPPELTE Entscheidung, nur die Form zu beobachten finde ich trivial, das hat das bescheidene unterkomplexe Niveau von Sprencer-Brown und muss dann durch Paradoxiegefassel verschleiert werden.”
            1) Ich finde diese Bewertung wird SB nicht ganz gerecht. Das, was er mathematisch vorgelegt hat, nenne ich durchaus “elegant”. Und Eleganz kann man der Baecker-Übertragung gewiß auch “nicht” absprechen!

            2) Du mißverstehst m.E. die Systemtheorie: es wird hier mit “diversen” Leitunterscheidungen gespielt, quasi: heterarchisch. Und Medium / Form bzw. Innenseite (wie Signifikant) / Aussenseite (Signifikat) (plus zugehörige re-entries) müssen jeweils auf Beobachter (mit Selbst- und Fremdreferenz inkl. zugehörigen re-entries) verweisen – und dann werden bspw. bei Zeichen Signifikanten in die Selbst- und Signifikate in die Fremdreferenz projiziert. Das ist weder simpel noch unterkomplex.
            Natürlich könnte man das “triadisch” à la Peirce / Günther (wie das Nina Ort gezeigt) hat noch komplexer gestalten – und das interessiert mich sehr!

            3) “Paradoxiegefasel”
            a) Das tritt dann auf, wenn minimale zweiwertige Logik (v.a. tertium-non-datur) zugrunde gelegt wird. Muss das sein? Nicht unbedingt, s.o. Günther.

            b) Die Systemtheorie hat den Paradoxiebegriff m.E. nie richtig ausdifferenziert: einfache Widersprüche, performative Widersprüche, kreativ-rhetorische Paradoxie, aussagenlogische Paradoxie, u.ä. – daher ist vieles Mischmasch, was – for the sake of clarity – getrennt gehört. Ich war “nie” glücklich damit.

            4) Egal, ob Du Deine doppelte “Entscheidung” als komplexer darstellst oder nicht, Du kannst den skizzierten Dualismus (wie üblich in der Wissenschaft – zumindest in den vielen Fächern, mit denen ich zu tun hatte) wohl “nicht” vermeiden. Nicht, weil Du Philosophie schrecklich findest [was m.E. übertrieben ist – aber jedem Tierchen sein Plaisirchen :-)], sondern weil Du bspw. die ganze Semiose-Problematik als trivial ausgrenzt [Notabene: Das könnte möglicherweise eine “Hauptschwäche” Deines Ansatzes sein, die sich “immer wieder” rächt – aber vielleicht täusche ich mich ja :-)]. Das führt zu einer Art konstruktivistischem Salto, der wieder in traditionellen Realismus mit dem angesprochenen Medien-Welt-Dualismus landet.
            Kann man machen – nur: wozu? Das ist, wenn ich mich nicht “sehr” taeusche, “business as usual” (zumindest seit der griechischen Antike, bis zu der dieser Dualismus sich anscheinend schriftlich zurückverfolgen laesst). Kurzum: nothing “new” under the sun.

            Aber ich denke, es ist Zeitverschwendung, das zu vertiefen. I think we all agree to disagree :-).
            Daher stimme ich zu: Laßt uns `mal zum heuristischen Katalog des Techniksystems übergehen.

            ~Peter

            • Rolf Todesco  On February 16, 2012 at 11:46 AM

              ich glaube nicht, dass es ein MISSverstehen gibt, ich glaube, jeder versteht, was er versteht. Ich verstehe den Ansatz von G. Spencer-Brown als simple Algebra, die er mit seinem algebraisch gemeinten Re-entry zusammenbrechen lässt. Mathematisch mag das “elegent” sein, jenseits seiner Mathematik (die ja nicht von sehr vielen Mathematikern geteilt wird, ich kenne gerade keinen einzigen) ist das Denken, das mit einer Unterscheidung beginnt, unterkomplex und zwar in einem ganz technizistischen Sinn:
              Es ist banales Turing-Maschinen-Denken – ich werde das in einem Beitrag behandeln.
              Bei N. Luhmann und D. Baecker wird die Algebra als Algebra=Formalismus versteckt. Auch das mag “elegant” sein, es aber formalistisch. Auch das werde ich demnächst etwas ausführen. Die binäre Vorstellung einer Sequenz von Unterscheidungen (auch wenn mit verschiedenen Leitunterscheidung gepröbelt wird) ist unterkomplex, ich glaube das meinte N. Luhmann als er – wohl selbstbezüglich – von Komplexitätsreduktion gesprochen hat.

              > 3) “Paradoxiegefasel”
              > a) Das tritt dann auf, wenn minimale zweiwertige Logik
              > (v.a. tertium-non-datur) zugrunde gelegt wird. Muss das
              > sein? Nicht unbedingt, s.o. Günther.

              Paradoxie ist ein logisches Konstrukt. Man muss extrem formalistisch denken, wenn man jenseits von Logik von Paradoxien spricht. Mit 2-wertig hat das nichts zu tun, sondern damit, dass formale Logik inhaltlich interpretiert wird.

              noch zum 4. Punkt: Ich sehe in der Kybernetik eine Wende, eine neue Sicht, die dem “dualistisch” genannte Weltbild eine Alternative entgegenstellt. Ich bezeichne diese Differenz mit Wissenschaft versus Engineeing. Für Wissenschaft steht die Physik, die keine Maschinen kennt, sondern Maschinen benutzt und für ein primitives Verständnis von Materie sorgt. Für Engineering steht Kybernetik, die ausschliesslich Maschinen beschreibt und sich deshalb nicht um Physik und die ontologischen Wissenschaften kümmern muss. Hier prallen die Welten zusammen – aber nicht mehr lange.

            • Peter Bormann  On February 16, 2012 at 1:41 PM

              1) Mathematiker, die mit der LoF arbeiten, gibt`s.
              Berühmt: Louis Kauffman, bedenkenswert: Stephen Wolfram (und hier wäre wohl eine Verbindung herzustellen: LoF, zelluläre Automaten, deterministisches Chaos, Fraktale, etc.) – ich kenne noch einige andere, die sich damit beschäftigt haben, aber diese beiden sind wohl am bekanntesten.

              2) “Paradoxie ist ein logisches Konstrukt. Man muss extrem formalistisch denken, wenn man jenseits von Logik von Paradoxien spricht. Mit 2-wertig hat das nichts zu tun, sondern damit, dass formale Logik inhaltlich interpretiert wird.” Kann ich nicht nachvollziehen:
              * Es geht “nicht” um formale Logik (in einem ausgearbeiteten) Sinne, sondern um die Anwendung des Identitätsprinzips A = A, das einfach in ein tertium-non-datur umwandelbar ist. Und Paradoxie wäre dann einfach “Selbstbzgl.keit + Identitätsprinzip” [Option 1].
              Zusatz: Ich sehe nicht, daß die Systemtheorie, Deine Kybernetik-Konzeption oder sonst irgend ein Ansatz im Normalfall (Alltagskommunikation inkl.) um dieses Identitätsprinzip herumkommt (Günther hat’s bspw. versucht). Informativ dazu: Nina Ort (2007), “Reflexionslogische Semiotik”.

              * Luhmann hat Paradoxie eher im Sinne der “rhetorischen” Tradition benutzt [Option 2].

              * Alltagssprachlich wird Widerspruch und Paradoxie oft ineins gesetzt, obwohl eine Differenzierung sinnvoll ist [Option 3]. Paradoxon als eine spezifische Art von “Widerspruch”, nämlich: ein selbstbzgl. Widerspruch.

              3) Ich sehe in der Kybernetik eine Wende, eine neue Sicht, die dem “dualistisch” genannte Weltbild eine Alternative entgegenstellt [j…] Ich kann das bislang bei Deiner Argumentation leider nicht erkennen. Das erinnert an Medien-Welt-Dualismus as usual [der übrigens als Unterscheidung “notwendig-kontingent” orthogonal steht zu allen möglichen Spielarten des Idealismus, Materialismus, Realismus, Konstruktivismus…].
              Zusatz:
              Dass es “kein materielles Substrat” -> gibt <- sehe ich auch so, denn das mündet nur wieder in den besagten Dualismus.

              Aber ich bezweifle, dass uns diese Diskussion weiter führt. Fokusieren wir uns lieber auf den heuristischen Kriterienkatalog.

              ~Peter

            • Rolf Todesco  On February 16, 2012 at 3:51 PM

              huch, jetzt weiss ich nicht wo diese Antwort hinzustehen kommt, aber seis drum:

              Hmmm, Kaufmann kenne ich dem Namen nach, macht der Mathematik?

              Ich kenne vermeintliche Paradoxien wie ein Kreter sagt, dass alle Kreten lügen oder der Barbier von B. Russell. Ich kann darin einfach gar nichts paradoxes erkennen, es sei denn, ich betrachte nicht die Aussagen, sondern den jeweiligen Sprecher, der dann als Idiot erscheint. Ich kann mir keinen Kreter vorstellen, der sagt “ich lüge” und weiss, was er sagt.

              die Substratgeschichte wird wohl zentral bleiben, solange Materialismus auf physikalsche Materie bezogen wird. (Dein Luhmann-Zitat!)
              Aber in der Tat sollten wir am andern Ort weitermachen.

            • Peter Bormann  On February 16, 2012 at 4:01 PM

              Hier die Website von Louis H. Kauffman: http://homepages.math.uic.edu/~kauffman/
              Ich habe mir das vor einigen Jahren kurz angeschaut – und ich war “fasziniert”. Er hat meines
              Wissens auch eine exzellente Einführung in die “Laws of Form” geschrieben. Und ja: Definitiv ein Mathematiker!

              Auf den Paradoxa möchte ich “nicht” herumreiten, weil sie das Produkt einer spezifischen Beobachtungsweise sind: nämlich der Kopplung von Selbstbezüglichkeit und Identitätsprinzip (auch dann als tertium-non-datur). Die Kreter-Paradoxie leuchtet mir dabei durchaus ein.

              Apropos Substrat: ich denke, wir kommen an dieser Stelle nicht weiter. Vielleicht könntest Du noch etwas zum “Material-Konzept” schreiben (siehe mein Kommentar zur Unterscheidung von “Form / Material”)?
              Ich reagiere dann Anfang nächster Woche darauf.

              ~Peter

  • AL  On February 15, 2012 at 6:46 PM

    “einem nicht-klassischen Verständnis von Materialität (also: nicht etwas, was einfach unproblematisch gegeben ist und dann bearbeitet wird.”

    “Also: Wie steht es mit Material als Oberfläche und Trägermedium (support)? Das kommt bspw. bei der vom Materiellen abstrahierenden Unterscheidung von Medium und Form gar nicht vor und bleibt wohl generell im operativ-informationellen Konstruktivismus ein Non-Thema.”

    Würde ich auch sagen. Lose und feste Kopplung setzen beide ihrerseits voraus: fortdauernde (Ent-)Koppelbarkeit.

    Materialität, wie sie Rolf als dervergessene, bleibende Rest, das unterschlagene Ermöglichende (denn das ist sein claim: Vergeßt das Zugrundeliegende nicht!) vorschwebt, wäre, wenn man sie nicht, vulgär als robuste Anfassbarkeit, Tangibilität, haptische Evidenz denken möchte (wo findet man die z.b. bei Mnemo-Techniken?) am ehsten auf der Seite der Zerstörbarkeit, Teilbarkeit, Verletzlichkeit zu suchen.

    Ein paar Zusammenstellungen finden sich hier:
    http://www.listserv.dfn.de/cgi-bin/wa?A2=ind0707&L=LUHMANN&P=R19699&D=0&H=0&I=-3&O=D&T=0

    und hier:

    http://www.listserv.dfn.de/cgi-bin/wa?A2=ind0707&L=LUHMANN&P=R19799&D=0&H=0&I=-3&O=D&T=0

  • Peter Bormann  On February 16, 2012 at 3:04 PM

    Vielleicht noch eines (das muß dann leider für diese Woche reichen):

    1) “Als Einheit der Differenz des Einrichtens sehe ich, dass die Artefakte jeweils bestimmen, wie ich mich selbst einrichten oder organisieren muss.”

    Meinst Du damit, die Artefakte legen die “Umgangsstile” fest? Ich würde eher sagen, wir müssen entsprechend der Operationen je nach Kontext (also: mit Blick auf ständige De- und Re-Kontextualisierungen) davon ausgehen, daß sich Umgangsstile herausmendeln. Die Operation-mit-einem-Artefakt (einer Form) führt zu “(habitualisierten) Umgangsstilen / Gebrauchsweisen”, die aber kontextuell variieren können.

    Man müßte vielleicht vorsichtiger formulieren: Artefakte (Tools, Maschinen) können bestimmte Umgangsstile in “bekannten” Kontexten “nahelegen” [-> Operieren in veränderten Kontexten -> andere Umgangsstile]. Daß Tools und Maschinen aber die Umgangsstile in (allen Kontexten und damit a-kontextuell) “festlegen”, wäre wohl eine essentialistische Idee.

    Noch zwei Beispiele:
    * Ein Messer ist nicht “festgelegt” auf die Operation “schneiden”. Ich kann damit auch kratzen, hacken, Löcher machen, Nägel reinigen, stechen (dann auch kämpfen), … – oder es einfach als ästhetisches Objekt im Museum ausstellen.

    * Computer sind Universalmaschinen, die m.E. für ganz beliebige Tätigkeiten eingesetzt werden können (Malen, Musik hören, schreiben, Rechnungen ausführen, telefonieren, usf.) .

    Meine These ist also:: Wir müssen von “offenen” Umgangsstilen ausgehen, die sich aus Operationen-in-Kontexten ergeben. Aber es ist nicht so, daß Artefakte in der Lage sind, für alle Kontexte = a-kontextuell bestimmte Umgangsstile zu “determinieren” (festlegen, bestimmen).

    2) “Die als Workflow bezeichnete Technik optimiert die Verwendung von hergestellten Maschinen und zeigt gleichzeitig, dass die Maschinen nicht recht entwickelt sind, so dass der Benutzer noch eingreifen muss und sich über optimales Eingreifen Gedanken machen muss.”
    a) Workflows und dann auch BPMs folgen einer tayloristischen Automatisierungslogik. Das Problem: nicht alle (v.a. wissensintensive und kreative) Aufgaben lassen sich so automatisieren. Es ist dann zu differenzieren zw.: Vollautomatisierung, Teilautomatisierung und gar keiner Automatisierung.

    b) Zudem sind Computer “keine” Sinnverarbeitungsmaschinen – und das heißt: für Sinnfragen tw. völlig unbrauchbar. Sie sollten dabei auch keine “Wert-Entscheidungen” treffen können, bspw. über Leben und Tod (in der Medizin, u.ä.). Denn Letztere sind schon sozial (für “Menschen”) nur schwer zu treffen (z.B. weil Dilemmata auftreten).

    3) “Jedes technische Einrichten besteht darin, die Maschinen so einzurichten, dass ich mich selbst – und andere Maschinendiener – nicht mehr einrichten muss.”
    Das wäre für mich eine “technizistische Illusion”, die aber ihre Grenzen (bislang) darin findet, daß sich bestimmte Probleme / Aufgaben (gar nicht) rein von Maschinen exekutieren lassen (s.o.).

    ~Peter

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