Monthly Archives: February 2012

Todesco / Kybernetik / Mechanismus und mechanizistisches Denken

Blogs mögen kurze und provokative Texte. Ich habe aber einen (zu) langen Text geschrieben. Also: die Provokation kurz und bündig vorab.

Wer nicht weiss, was er als Mechanismus bezeichnet, neigt zu mechanizistischem Denken.

Und dann zwei Beiträge für alle, die sich hier provozieren liessen:

Zuerst etwas zum Mechanismus

und dann etwas zum mechanizistisches Denken

toolmaking / Todesco / Technizismus

Technik im Sinne von toolmaking wird nicht selten als ein wesentliches Charakteristikum des Menschseins bezeichnet. Technik im Sinne von allgegenwärtigen Maschinen und sogenannten Medien wird nicht selten für soziale Verhältnisse verantwortlich gemacht, sie soll die Art unseres Arbeitens und Lebens stark beeinflussen. Man könnte deshalb erwarten, dass Technologie ein wichtiges Schulfach wäre . Technologie erscheint aber nur als Epiphänomen der Ingenieursausbildung. Der Ausdruck Technologie wird normalerweise gar nicht für eine Lehre verwendet, sondern viel mehr für die  jeweils modernsten technischen Wunder.

Technik gehört in die Ausbildung, nicht zur Bildung. Die konventionellen Wissenschaften befassen sich nicht mit dem Funktionieren von Maschinen, sondern allenfalls – meist kritisch – mit Funktionen der Maschinen. Die Maschinen selbst sind tabu, sogar die Kybernetik wird in der Mathematik und nicht in Maschinentechnik begründet, obwohl die Entstehungslegenden von geregelten Flugzeugabwehrkanonen und Dampfmaschinen erzählen. Soweit Technik doch Gegenstand der Bildung ist, wird sie jenseits von Maschinen in Verfahrensweisen lokalisiert, die nur zufälligerweise auch in Maschinen repräsentiert oder verkörpert zu sein scheinen. Es scheint, dass die Menschen schon Technik hatten, bevor sie sich durch toolmaking überhaupt als Menschen konstituierten.

N. Luhmann beispielsweise spricht dann von Technik, wenn er eine Fixierung für wiederholten Gebrauch erkennen kann, was P. Bormann als Iterabilität bezeichnet und D. Baecker als “wiederholbare Sequenzen” deutet. In diesen Konzepten ist jede Maschine und jedes Produkt der Ingenieurskunst, die früher Techne hiess, aufgehoben. Ich bezeichne Theorien, die Technik jenseits von Maschinen behandeln als technizistisch, weil sie die Technik rein halten und sie ihrer materiellen Basis entziehen.

Der Ausdruck Technizismus wird oft verwendet für eine weltanschauliche Auffassung, die den Wert der Technik losgelöst von den bestehenden Verhältnissen, vom sozialen Umfeld sieht und den technischen Fortschritt als Grundlage und Voraussetzung jedes menschlichen Fortschritts betrachtet. Diese technokratische Auffassung beruht auf einer sehr abstrakten Konzeption von Technik. In seiner in diesem Sinne typischen Formulierung schreibt D. Baecker: “Eine Technik ist die Einrichtung einer Sequez von Ereignissen derart, dass diese Sequenz wiederholbar abgerufen werden kann. Die Ausgangs- und Endzustände der Sequenz sind definiert. Die Verknüpfung der Ereignisse zu ihrer Sequenz ist das Ergebnis eines Automatismus, der in der Natur der Sache vermutet wird.” Die Formulierung “Einrichtung einer Sequenz von Ereignissen” – der ich zunächst etwas folgen will – lässt offen, was wie wodurch “eingerichtet” wird.

Als “Einrichtung” bezeichne ich differenztheoretisch – im gegebenen Kontext – eine Differenz zwischen
“mich einrichten” und “etwas einrichten”. Einrichten hat für mich einen rezeptiven Komplementärbegriff: funktionieren. Dabei ist aber mit Funktionieren nicht – wie das in der Luhmannschule oft gesehen wird – ein Funktionieren im Sinne von nicht kaputt gemeint, sondern dass eine Funktionsweise eingerichtet wird. Einrichten heisst hier eine Funktionsweise zu konstruieren. In diesem Sinne geht es bei der Technik nicht darum, OB sie funktioniert, sondern darum, WIE sie funktioniert. Wenn ich nach der Technik von Ikarus frage, interessiert mich nicht, ob er fliegen konnte, sondern wie er “es” eingerichtet hat oder was er wie eingerichtet hat. Technisch interessiert mich, wie ich fliegen könnte, nicht wer jemals geflogen oder abgestürzt ist.

Die Gebrüder Wright richteten sich zum Fliegen in einer entsprechend eingerichteten Maschine ein. Das Flugzeug verhält sich aufgrund seiner Konstruktion unter bestimmten Bedingungen abrufbar gleich. Das Einrichten von wiederholbaren Ereignissen heisst einerseits, dass ich mich instand setzen muss, Ereignisse zu wiederholen, also beispielsweise ein Flugzeug nochmals zu fliegen, und andrerseits das Herstellen von materielle Gegenständen, die bestimmte Operationen – mechanisch zuverläsig – wiederholen, beispielsweise ein Flugzeug, das jedesmal fliegt, wenn ich es fliege. Ich bezeichne solche Artefakte als Maschinen.

Als Pilot richte ich mich ein, indem ich lerne adäquate Verhaltensweisen abrufen zu können. Meine Technik besteht dann darin, dass ich beim Fliegen eines Flugzeuges adäquat verhalten kann. Die Technik des Flugzeuges dagegen kann ich begreifen ohne Flugzeuge fliegen zu können. Ein gutes Flugzeug verlangt von seinem Benutzer gar keine Technik, ausser natürlich der “Technik” fürs Fliegen – anders als Ikarus – Flugzeuge zu benutzen. Ein gutes Flugzeug macht alles wie von selbst, weil es eben so eingerichtet ist, was gemeinhin Autopilot genannt wird.

Als Einheit der Differenz des Einrichtens sehe ich, dass die Artefakte jeweils bestimmen, wie ich mich selbst einrichten oder organisieren muss. Die als Workflow bezeichnete Technik optimiert die Verwendung von hergestellten Maschinen und zeigt gleichzeitig, dass die Maschinen nicht recht entwickelt sind, so dass der Benutzer noch eingreifen muss und sich über optimales Eingreifen Gedanken machen muss. Jedes technische Einrichten besteht darin, die Maschinen so einzurichten, dass ich mich selbst – und andere Maschinendiener – nicht mehr einrichten muss.

Eine nicht technizistische Sicht beobachtet beispielsweise das Verhältnis zwischen Maschine und Maschinenhersteller unter einem entwicklungslogischen Gesichtspunkt. Die Maschine entwickelt sich, nicht der Hersteller. Nicht was gemacht wird, sondern wie, mit welchen Arbeitsmitteln gemacht wird, unterscheidet die Epochen. Das technologische Niveau der Maschinenproduktion ist ein Schlüssel zum Verständnis der technischen Entwicklung, weil Andeutung auf Höhres in den untergeordneteren Entwicklungsstufen evolutionstheoretisch nur verstanden werden können, wenn das Höhere selbst schon bekannt ist.

Die technizistische Sicht kennt keine Maschinen, sie verordet Technik im Bewusstsein, was nur statische, wesenhafte Charakterisierungen wie “Fixierung für wiederholten Gebrauch” zulässt. In dieser funktionalen Sicht scheint die Maschine das zu tun, wonach der Mensch Bedürfnisse hatte, schon bevor er Maschinen hatte – wie wenn es je solche Menschen gegeben hätte.

Systemtheorie / Luhmann & Co / “Technik” als Funktionssystem

Mit diesem Blog-Post möchte ich (parallel zur Diskussion mit Rolf -> “Informatik als Funktionssystem”) in Thema 1.1. “Technik als mögliches Funktionssystem der Gesellschaft” einführen.
Wir schließen damit an eine Diskussion an, die Mitte 2007 in der Luhmann-Mailing Liste begann, aber vorzeitig abgebrochen werden mußte.
Diese These darf mit einer gesunden Portion “Skepsis” rechnen, und es ist gut möglich, daß wir sie nicht ausreichend plausibilisieren können. Ggf. ist bspw. die Konzeptualisierung von Technik als Medium / Form fruchtbarer.
Wir haben bislang jedoch noch nicht alle Optionen, die Rolf und mir bspw. einfallen, durchgespielt, so daß nicht von vornherein jede Hoffnung vergeblich ist.
Ganz unabhängig davon, wie weit wir mit unseren Plausibilisierungsbemühungen kommen werden, werden wir doch einiges über das Technik-Phänomen “lernen”, was uns  in späteren Diskussionen wiederum nützen kann.

Mit Blick auf die Plausibilisierung eines Funktionssystems der Gesellschaft ist i.a. ein Katalog von heuristischen Kriterien zu prüfen:

  1. Welche Funktion ist bestimmbar, für die ein Funktionssystem “Technik” als gesellschaftsrelevante Problemlösung angesehen werden kann?
  2. Welcher Typ von Kommunikation (= spezifische Operation) wird mit Blick auf welche Formbildungsprozesse in welchem Medium und im Hinblick auf welchen Primärcode prozessiert? Läßt sich auf diese Weise eine operative Schließung plausibilisieren?
  3. Existieren weitere Codierungen?
  4. Welche Programme beziehen sich auf den Primärcode bzw. eventuelle Sekundärcodes?
  5. Welche Leistungen erfüllt ein solches Funktionssystem mit Blick auf je andere Funktionssysteme?
  6. Spielt hier die Unwahrscheinlichkeit, zu überzeugen, d.h. das Problem der 4. Selektion, eine Rolle? Und existiert ein symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium (sgKM), das als Verstärker, der zur Kommunikationsannahme motivieren kann, fungiert? Oder liegt dieses Problem analog zum Funktionssystem der “Massenmedien” hier nicht vor?
  7. Welche symbiotischen Mechanismen / somatogenen Symbole, also: welche Körperbezüge, können angegeben werden?
  8. Wie könnte eine mögliche Kontingenzformel lauten?
  9. Wie schaut es mit einer eventuellen Nullmethodologie aus?
  10. Apropos organisatorische Absicherung: welche Organisationen könnten als Kommunikationsadressen für ein inadressables Funktionssystem “Technik” fungieren?
  11. Wie könnte das Selbstbefriedigungsverbot für ein solches Technik-System charakterisiert werden?
  12. Können wir ein funktionssystemspezifisches Gedächtnis angeben? Und wie bedient moderne Informationstechnik (ERPs, BPM, SOA, etc.) in Organisationen memory functions? Oder anders gefragt: wie werden hier Erinnern und Vergessen reguliert?

Zusatzfragen: 

  1. Welche Beziehung existiert zwischen einem solchen Technik-System und der Risikokommunikation?
  2. Welche Beziehung besteht zur Kommunikation von  Entscheidungen?
  3. Wie sieht der Bezug zur “ökologischen” Problematik aus?
  4. Kann die Unterscheidung von Technik als Medium / Form mit einem spezifischen Typ von “technischer” Operation (den es noch zu spezifizieren gilt) verbunden werden?
  5. Technisches (wie Mediales) als Irritationspotential für Soziales?
  6. Technik-Evolution: Statt (lineare, dialektische, etc.) Technik-“Entwicklung”  evolutionäre Beschreibungen (mit Mechanismen der Variation, Selektion, Restabilisierung).

In den nachfolgenden Blog-Posts würden wir nun die einzelnen Fragen im Detail behandeln.
Fallen Euch jedoch noch weitere Aspekte / Fragen ein, die zu thematisieren wären?

~Peter

Do you “really” want to follow this blog?

This is a Borg blog to rule them all: “Resistance is illogical. You will be fascinated. Your digital life as it has been is over. We will add your conceptual and theoretical distinctiveness to our blog.”

So, if you don`t want to end like Posh Spice [http://www.whoateallthepies.tv/posh-spice.jpg], then do yourself a favor and de-fascinate yourself asap!

Ladies and gentlemen – let`s get ready to rumble!

Blog-Layout

Hi all,

ich habe jetzt mehrere Stunden damit zugebracht,
das Blog-Layout  auf Benutzer- und Lesefreundlichkeit
zu trimmen. Aber nach einigem Hin und Her bin ich
wieder zum Ausgangslayout von Rolf Todesco zurück-
gekehrt, weil hier einige Design-Einstellungen möglich
sind, die bei anderen Layoutvorlagen fehlen.

Ich habe nur hinsichtlich der linken Sidebar einige
kleinere Veränderungen vorgenommen und vor allem
auf “Sparsamkeit” gesetzt (wenige recent posts /
comments, categories, aber keine category cloud, usf.).

Sollte irgend jemand noch einen guten Designvorschlag
haben, dann nur zu! Sollte sich dieser ohne  kostenpflich-
tiges WordPress-Upgrade realisieren lassen und der Usability
/ Lesefreundlichkeit des Blogs zu gute kommen, dann setzen
wir ihn auch um.

Beste Grüße (und ab morgen können wir uns hoffentlich auf
das inhaltliche Arbeiten konzentrieren).

~Peter

%d bloggers like this: