Monthly Archives: April 2012

Die Entwicklung der Technik als Entwicklung des Ingenieurs

Die Entwicklungsgeschichte des Ingenieurs lässt sich sowohl als Geschichte der Entwicklung des individuellen Ingenieurs in seiner Laufbahn wie auch als Geschichte der Entwicklung des Berufes “Ingenieur” im Laufe der Zeit, nur unzulänglich darstellen, weil der Ingenieur empirisch schlecht zugänglich und sehr kompliziert ist, und sich in solchen Darstellungen immer auch Aussagen über die Ingenieure als Menschen aufdrängen würden.

Wesentlich einfacher ist die Entwicklung des Ingenieurs in der Entwicklung seiner Produkte zugänglich. Diese sind zwar mittlerweile äusserst komplex, sie werden aber eben gerade durch die Ingenieure im Prinzip vollständig verstanden. Dass praktische Maschinen immer Fehler haben, was nichts anderes bedeutet, als dass wir sie nicht vollständig verstanden haben, liegt im doppelten Sinne in deren Entwicklung. Zum einen ist die Entwicklung der konkreten Maschine mit Staunen über die Maschine verbunden, weil die Maschine vielfach Dinge tut, die sie gar nicht können sollte. T.Kidder beschreibt im Buch mit dem vielsagenden Titel Die Seele einer neuen Maschine dokumentarisch die Entwicklung eines neuen Computertyps in den Labors einer grossen amerikanischen Herstellerfirma. Er zeigt, wie ein wesentlicher Teil der Arbeit darin besteht, zu verstehen, was der gebaute Computer macht

Zum andern beruht die Entwicklung der Maschinerie gerade darauf, dass wir sie immer besser verstehen. Sicher ist, dass wir im Moment unsere ingeniösen Artefakte wesentlich besser verstehen als uns selbst und mithin als die Ingenieure. J. Weizenbaum, der Angst davor hat, dass uns die Computer über den Kopf wachsen, argumentiert bezüglich des ”immer besseren Verstehens” sehr vorsichtig. Indem er N.Wiener sagen lässt: ”Es ist gut möglich, dass wir aus prinzipiellen Gründen keine Maschine zu bauen vermögen, deren Verhaltenskomponenten wir nicht früher oder später verstehen können”, schliesst aber auch er wenigstens nicht prinzipiell aus, dass wir auch unsere komplexesten Maschinen schliesslich verstehen. Wir entwickeln also die technische Intelligenz sinnigerweise durch die Rekonstruktion ihrer Produkte.

Zunächst haben die Ingenieure Produkte beschrieben. Die dabei erstellten Anweisungen gingen als Befehle an andere Menschen. Dann beschrieben die Ingenieure in einem nicht zur Blüte gekommenen Entwicklungsschritt, den Taylor verteidigte, anstelle des Produktes dessen Produktionsprozess, wobei sie den Anweisungscharakter ihrer Beschreibungen erst eigentlich deutlich machten. Schliesslich beschreiben die Informatiker das Werkzeug und fassen damit sowohl Produkt wie auch den Prozess als Funktionswert des Werkzeuges auf. Auf dieser letzten Produktivkraftstufe wird die Produktionstätigkeit auf einer neuen Ebene wieder ganzheitlich – der ursprüngliche Handwerker ist im Ingenieur im Sinne des Wortes “aufgehoben”: abgeschafft und aufbewahrt. Der Ingenieur, der Eisenbahnen oder ganze Welten baut, erscheint als wissenschaftlicher Analytiker. Als Analytiker wird er nicht, wie der als Manufakturtheoretiker missverstandene Taylor, die Arbeit der Handwerker nach Belieben zerlegen und anweisen. Vielmehr sucht er nach adäquaten Beschreibungen. Diese Beschreibungen sind die Schlüssel zum Verständnis der Technik schlechthin. Sie zeigen messerscharf, welche Anweisungen nicht mehr an sich abschuftende Menschen zu richten sind.

Taylor als ,prä‘-Informatiker

Informatik-Ingenieure verstehen sich selbst nicht als Nachfolger von Taylor, sie reklamieren für sich eine andere geschichtliche Herkunft. Wie kann ich sie als Taylors sehen? Dazu schaue ich nochmals, was F. Taylorjenseits seines Selbstverständnis tut.

Die Redeweise “Taylor befiehlt, Schmidt arbeitet” drückt viel weniger eine Arbeitsteilung zwischen Taylor und Schmidt aus, als dass der eine eigentlich arbeitet, während der andere die Arbeit nur beschreibt. Die Arbeit und deren Beschreibung erscheinen in dieser Redeweise als verschiedene Dinge. Im Kontext von Taylor und dem konventionellen Ingenieur kann das Abbilden vom Machen auch wirklich unterschieden werden. Die “Anweisungen”, die der eine mündlich und der andere in Form von Planzeichnungen gibt, werden von Facharbeitern oder Handlangern wirklich ausgeführt. Wo der konventionelle Ingenieur eine Werkzeugmaschine konstruiert, finden sich Mechaniker, die diese Maschine wirklich bauen. Wie aber ist das bei den Informatikern? Wer macht wirklich, was sie beschreiben?

Informatiker beschreiben (E)DV-Lösungen. In ihrer Anwendung unterstützen EDV-Lösungen einen ihnen übergeordneten Zweck, wie das alle Werkzeuge tun. Diesen jeweiligen Zweck erfüllen EDV-Lösungen weder als Hardware allein, noch allein als sogenannte Software. Die Hardware wird industriell meistens als Endprodukt, das seinerseits auf Halbfabrikaten beruht, produziert. Funktionell ist aber auch die vollständige Hardware, selbst wenn sie unter einem Betriebssystem steht, nur ein Halbfabrikat, das, wie beispielsweise ein Rundprofil auf einer Drehbank, auf eine weitere Bearbeitung wartet. Wie aber wird aus Hardware ein Werkzeug?

Da ist zunächst wieder der anweisende Ingenieur, der jetzt Informatiker heisst und seine Anweisungen in Form eines Programmes gibt. Wie man weiss, haben auch die Informatiker, wie zuvor die konventionellen Ingenieure, die hand-werklichen Aspekte ihrer Arbeit in Hilfsberufe, in sogenannte Programmcodierer, ausgelagert. Hier interessiert aber vor allem, wer die Anweisungen entgegennimmt und ausführt. Wer legt, nach den Programmierern, Hand an, um aus Hardware ein Werkzeug zu machen?

Niemand. Wenn der Programmierer mit seiner Beschreibung des schliesslichen Werkzeuges fertig ist, ist dieses Werkzeug auch fertig produziert. Wer die Anweisungen des Programmierers liest, weiss, was der Computer wie macht. Damit ist das Beschreiben des Computers mit einem Programm auch gleichzeitig das Herstellen eines Werkzeuges aus einem Halbfabrikat. Damit werden viele althergebrachte Formulierungen wie “Ingenieure bauen oder konstruieren Maschinen” in einem neuen Sinn adäquat. Die letzte Teil-Arbeit am entwickeltsten Werkzeug erscheint als Beschreibung, wobei auch der Ausdruck “Beschreibung” einen neuen Sinn erhält. Der ausgedruckte “Anweisungs-Plan” des Ingenieurs steht hier am Schluss der Produktion und erinnert an den Stadtplan, der auch nach der Stadt gezeichnet wird. Der Einwand, dass Programme normalerweise nicht in einer lauffähigen Version geschrieben werden, würde einen unwesentlich zufälligen Gesichtspunkt hervorheben, der Einwand aber, dass Programm-Anweisungen von einem Automaten “interpretiert” und “ausgeführt” werden müssen, beruht auf einer Vorstellung, die Automaten abstrakt mit befehlsausführenden Menschen gleichsetzt, also im verwerflichsten Sinne des Wortes tayloristisch ist.

Die Sprache, mit welcher die Informatiker über ihre Produkte sprechen, suggeriert die herkömmlichen Vorstellungen über das Verhältnis des Ingenieurs zu seiner Sache, die auch in den naiven Geschichten der Informatik zum Ausdruck kommen. Herkömmlich ist, dass der Ingenieur Anweisungen erteilt, und dass diese von Arbeitern, beispielsweise von Mechanikern ausgeführt werden. Der Ingenieur spricht – über Medien wie Konstruktionspläne – mit den Arbeitern, welche seine Anweisungen befolgen und das von ihm beschriebene Produkt herstellen. Für Menschen, die an dieser Vorstellung über den Ingenieur festhalten, muss im Falle des Informatikers der Computer – oder bildlicher, der Roboter – die Rolle des Arbeiters übernehmen. Also spricht der Informatiker mit der Maschine (Programm-Sprache), er gibt ihr Anweisungen (in eben dieser Sprache). Er unterstellt dabei, dass die Maschine im Prinzip sprachfähig ist, und begründet das Gespräch in Vereinbarungen mit der Maschine darüber, was was bedeuten soll.

I.Asimov, durch dessen Science-fiction-Erzählungen der Roboter in den 40-er Jahren zur Welt kam, begründete die Gestalt, die er seinen ersten Robotern gegeben hatte, wie folgt: ”Wenn eine Maschine alles machen soll, was der Mensch tun kann, hat sie am besten auch die Gestalt eines Menschen”. Den Aus-druck ”Roboter” hatte der tschechische Schriftsteller K.Capek, der Satiren über den technischen Fortschritt schrieb, bereits 1920 in Rossum’s Universal Robots geprägt.

F.Taylor zeigt auch in diesbezüglichen Bemerkungen, dass er bei seinen Ausführungen Maschinen, nicht Menschen vor Augen hat. Nachdem er feststellte, dass es ”einen Arbeiter ungefähr gleich viel (ermüdet), ob er mit einem Roheisenbarren von 40 kg in den Händen geht oder ruhig steht”, sagt er, dass der Arbeiter in einem Falle arbeite, im anderen aber nicht: ”Doch ein Mann, der mit seiner Last still dasteht, leistet keine Meterkilogramme. Denn ,Arbeit ist‘ nach der Definition der Mechanik ,gleich Kraft‘ in Kilogramm, in diesem Falle das jeweilige Gewicht der Barren, ,multipliziert mit dem Weg‘ in Metern, auf dem sich die Kraft bewegt, also hier die Entfernung vom Stapel bis auf den Wagen (…). Diese Arbeitsdefinition macht ausschliesslich für Maschinen Sinn, denn wie schwer müssten sonst die Worte von F.Taylor wiegen, damit seine Tätigkeit unter dieser Definition ”Arbeit” wäre.

Schmidt interpretiert die Anweisungen, die er erhält als Befehle. Für ihn ist gleichgültig, dass Taylor ihn mit einem Automaten verwechselt, auch wenn er sich das bei einem so gebildeten Herrn sicher kaum vorstellen kann. Automaten können sich gar nicht vorstellen, von Ingenieuren mit Menschen verwechselt zu werden. Es ist ihnen aber völlig gleichgültig, wenn man mit ihnen spricht, als ob sie Menschen wären. Eliza, einer “Automatin”, die einen Psychoanalytiker imitiert, ist es so gleichgültig als Mensch behandelt zu werden, dass der Informatiker J.Weizenbaum, der “sie” produziert hatte, sie sogar gefährlich findet. Aber auch J.Weizenbaum beklagt nicht die unentwickelte (primitive) Vorstellung, wonach Menschen mit Maschinen sprechen können, er beklagt nur, dass die meisten Menschen, “die mit ihr (mit Eliza) ein Gespräch führten (!), die höchst bemerkenswerte Illusion hatten, es (das Programm) sei mit Verständnis begabt”.

Seit die technische Intelligenz den Unterschied zwischen Abbilden und Herstellen im Prinzip aufgehoben hat, verfügen wir über jene begrifflich entwickelte Kategorien, die F.Taylor in seiner Darstellung der technischen Intelligenz nur geahnt hat. Die mangelnde begriffliche Adäquatheit von Taylors scharfsinniger Analyse, die in seiner Gleichsetzung von Menschen und Automaten zum Ausdruck kommt, begegnet uns umgekehrt in den herkömmlichen Vorstellungen über Computer, die ihren Niederschlag in der technischen Umgangssprache gefunden haben, unter welcher Maschinen sprechen und interpretieren können, (fast) als ob sie Menschen wären.

Mit seinen Anweisungen an Schmidt hat F.Taylor, alltagssprachlich und unstrukturiert, die modernsten Vertreter der technischen Intelligenz, die Informatiker, vorweggenommen. Hätte F.Taylor Automaten gekannt, hätte er in seinen “Programmen” nicht Schmidts Tätigkeiten als einen Quasi-Automaten beschrieben. Die entwikeltsten Ingenieure beschreiben Werkzeuge, die F.Taylor einfach noch nicht zur Verfügung standen. Während F.Taylor Schmidt als Automaten behandelte, weil es noch keine Automaten gab, provozieren heute Metaphern der technischen Umgangssprache Vorstellungen über die Automaten, die weit über deren materiellen Grundlagen hinausgehen. Es handelt sich bei diesen Metaphern um Beschreibungen von Automaten, die noch adäquat waren, solange die Automaten Schmidts waren. Es ist üblich geworden, das Hirn eines Menschen mit einem “Elektronengehirn” und den Menschen überhaupt mit Robotern zu vergleichen, nachdem Automaten Teile der handwerklichen und administrativen Arbeit, die von Schmidts erledigt wurden, überflüssig machten.

Ingenieure sind Beobachter, sie beschreiben …

Die Geschichte von F.Taylor zeigt nur vordergründig beispielhaft, was und wie Schmidt arbeitet. F.Taylors eigentliches Anliegen ist zu zeigen, dass jede Arbeit verstanden sein will. Was für die einfache Arbeit von Schmidt gilt, gilt noch mehr für die Arbeit von ihm selbst, also für die Arbeit des Ingenieurs.

Psychologisierend könnte man sagen, Taylor plane, erfinde, organisiere, konzipiere, analysiere, usw. Der sichtbare, empirisch zugängliche Teil der Tätigkeit von Taylor besteht darin, dass er Schmidt Anweisungen gibt.

Was sind Anweisungen? Fragen wir Ingenieure. Im Buch Pascal, einer systematischen Darstellung der Programmiersprache Pascal, in welchem bemerkenswerterweise das Wort “Befehl”, welches von vielen Ingenieuren anstelle des Wortes “Anweisung” verwendet wird, durchwegs fehlt, steht: “Anweisungen beschreiben den algorithmischen Kern eines Problems”. Anweisungen sind also Beschreibungen. Aber nicht alle Beschreibungen sind Anweisungen, Anweisungen bilden eine Teilmenge der Beschreibungen; sie sind in bestimmter Hinsicht auf eine Produktion bezogen. Im Alltag nennen wir Beschreibungen, die Befehlscharakter haben, Anweisungen und verwenden deshalb das Wort Anweisung häufig synonym mit dem Wort Befehl. Der Befehlscharakter der Anweisung von Taylor ist aber zufällig, das heisst er ist unwesentlich, lediglich eine Erscheinungsform davon, dass Anweisungen, wie Taylor sie gibt, in den bei uns üblichen Betriebshierarchien von Arbeitenden wie Schmidt als verbindliche Aufforderungen interpretiert werden. Unter einer entsprechend anderen sprachlichen Vereinbarung, wie sie etwa für Konstruktionspläne gilt, die von Schmidts Kollegen auch als Befehle aufgefasst werden, könnte Taylor seine Anweisung auch in einer nur beschreibenden Sprache geben. Taylor könnte dann mit derselben Wirkung statt ,Heben Sie das Eisen auf!‘, ,Schmidt hebt einen Eisenbarren auf‘ sagen. Wenn Taylor zu Schmidt sagt: “Heben Sie das Eisen auf!” beschreibt er in anweisender Form, dass Schmidt einen Eisenbarren aufhebt.

Die Tätigkeit der Ingenieure ist Beschreiben. Wenn man sagt, dass Ingenieure Beschreibungen herstellen, abstrahiert man nicht nur, dass sie planen, erfinden, organisieren usw., man abstrahiert auch, dass sie für die Produktion beschreiben, und dass ihre Beschreibungen anweisenden Charakter haben. Die abstrakte Bestimmung, dass Ingenieure beschreiben, erfüllt, was wir von einer Abstraktion wenigstens verlangen, sie gilt für die Ingenieure überhaupt, also für alle geschichtlichen Formen des eigentlichen Ingenieurs. Diese Gültigkeit könnten andere Abstraktionen natürlich auch beanspruchen, sicher ist auch für alle Ingenieure wahr, dass sie planen, erfinden, organisieren usw. Im Gegensatz zu solchen Abstraktionen ist das Beschreiben aber empirisch unmittelbar zugänglich, das heisst, man kann es unmittelbar wahrnehmen. Dass Ingenieure denken, wenn sie beschreiben, kann man – wie berechtigt auch immer – lediglich unterstellen; das Denken selbst – abgesehen davon, dass niemand recht sagen kann, was Denken ist – kann man sinnlich nicht wahrnehmen.

Wenn man sagt, dass Ingenieure Beschreibungen herstellen, abstrahiert man nicht nur, dass sie anweisend beschreiben, man abstrahiert auch, was sie beschreiben. Konventionelle Ingenieure geben ihre Anweisungen in Form von Zeichnungen, also in Form von Konstruktions- oder Bauplänen. Damit beschreiben sie offensichtlich – herzustellende – Produkte. Natürlich impliziert eine sehr detaillierte Konstruktionszeichnung immer auch den Produktionsprozess. Den Schmidts, die nach Konstruktionszeichnungen arbeiten, ist weitgehend vorgegeben, was sie wann tun. Gleichwohl haben konventionelle Ingenieure in ihren Anweisungen das Produkt, nicht dessen Herstellung, im Auge. Sie werden deshalb auch in produktbezogene Unterkategorien, wie Maschinen-, Elektro- und Bauingenieure eingeteilt.

Taylors Geschichte zeigt nicht vor allem, was und wie Schmidt arbeitet, F.Taylor spricht hauptsächlich über seine eigene Arbeit als Ingenieur, über die Arbeit der technischen Intelligenz. Als Ingenieur gibt er detaillierte Anweisungen. Taylors Anweisungen zeigen exemplarisch, dass sie auf einer bestimmten Abstraktion davon, was sie beschreiben, beruhen. Mit seinem Schmidt-Gorilla-Vergleich zeigt F.Taylor unmissverständlich, dass er einen sehr abstrakten Schmidt vor Augen hat, auch wenn von seinen Rationalisierungsvorschlägen sehr konkrete Schmidts betroffen waren. Was F.Taylor nämlich mit Schmidt tut, wäre ohne weiteres als sinnvoll nachvollziehbar, wenn Schmidt kein Mensch, sondern ein Automat mit bestimmter Kompetenz wäre. Die Kompetenzen, die F.Taylor mit seinen Anweisungen unterstellt, verlangen zwar einen ziemlich aussergewöhnlichen Automaten, aber wer würde andrerseits – und das ist die Frage, die Taylors Gegner, nicht alle ohne Grund, nie gestellt haben – mit Taylors Worten über wirkliche Menschen sprechen? Hat man aber einen Automaten vor den Augen, machen Taylors Anliegen durchaus Sinn. Dann nämlich wird man F.Taylor zustimmen, wo er argumentiert, dass auch in der “rohesten und einfachsten Form von Arbeit”, also beispielsweise im Hämmern oder im “richtigen Aufheben und Wegtragen von Roheisen eine solche Summe von weiser Gesetzmässigkeit (liegt), eine derartige Wissenschaft, dass es auch für den fähigsten ,Arbeiter‘ unmöglich ist, ohne die Hilfe eines Gebildeteren die Grundbegriffe dieser Wissenschaft zu verstehen (…)” (Taylor,1977, 43) und wirklich effizient zu arbeiten. Nicht ganz ohne Zufall stellen Handlangertätigkeiten äusserst hohe Ansprüche an Automatisierer. W.Volpert entdeckte, wenn auch nicht bewusst, dass in Taylors Vorschlägen ein Arbeitsprogramm für Automatisierer steckt: “Taylor versucht (…), das ,Faustregel‘-Können der Arbeiter zu eliminieren, und es durch eine ,Wissenschaft‘ zu ersetzen, die sich den Arbeitern als ihnen fremde Macht” – als nicht ihnen gehörende Automaten – “entgegenstellt. Es kommt nur noch darauf an, dass der Arbeiter bereit und imstande ist, die Befehle dieser ,Wissenschaft‘ zu realisieren. Dies erfordert zwar eine durchaus langfristige Zurichtung des Arbeiters zu freiwilligem Dienen, nicht jedoch längere tätigkeitsbezogene Qualifikationsprozesse”. R.Vahrenkamp wirft F.Taylor sogar vor, einen zwanghaften Charakter zu besitzen, weil dieser, was jedem automatenbeschreibenden Ingenieur das Selbstverständlichste ist, “nach der besten Organisation, auch jeder Kleinigkeit, und deren formalen Beschreibung” drängte. Schliesslich wird F.Taylor von populär-marxistischer Seite, die auch durch W.Volpert vertreten wird, vorgeworfen, er reduziere den Menschen auf blosse, abstrakte Arbeitskraft. Wenn F.Taylor aber als Ingenieur weitsichtig – und deshalb etwas unklar – Automaten antizipierte, erhalten seine Anweisungen auch in dieser Hinsicht einen anderen Sinn. Automaten sind Werkzeuge, sie arbeiten nicht, sondern werden zum Arbeiten verwendet. Sie verrichten keine Tätigkeiten und besitzen – auch abstrakt – keine Arbeitskraft.

Die Tätigkeit der Ingenieure

Wie angekündigt will ich hier anstelle der Technik den Techniker beobachten, in seiner entwickelten Form heisst er Ingenieur.  Es geht mir dabei um eine quasi operative Beschreibung der Technik, wobei ich natürlich Technik als Produkt der Techniker impliziere. Ich beziehe mich auf das sehr oft zitierte Stück Weltliteratur von F. Taylor, das ich auch zitiert habe.

Vordergründig zeigt F.Taylors Geschichte zwei mögliche Methoden, wie die Arbeit von Schmidt, das Eisenverladen, verrichtet werden kann. Die eine Methode wird direkt beschrieben, während die Beschreibung der anderen Methode in einem Dialog zwischen Taylor und Schmidt aufgehoben ist. F.Taylors Text verweist im einen Fall direkt auf die Arbeit der Eisenverlader und im andern Fall auf ein Gespräch zwischen Taylor und Schmidt, in welchem Schmidts Arbeit in Form von Anweisungen beschrieben wird. Beim Lesen der Geschichte läuft man Gefahr zu übersehen, dass in beiden Fällen nur Schmidt Hand anlegt, während Taylor die Tätigkeit lediglich beschreibt. Da ist zunächst die direkt beschriebene, unstrukturierte und entsprechend ineffizientere Methode:

Die Hände sind das einzige Werkzeug, das zur Anwendung kommt. Ein Roheisenverlader bückt sich, nimmt einen Eisenbarren von ungefähr 40kg auf, trägt ihn ein paar Schritte weit und wirft ihn dann auf den Boden oder stapelt ihn auf einen Haufen. Diese Arbeit ist gewiss einfach und elementar. Einen intelligenten Gorilla könnte man so abrichten, dass er ein mindestens ebenso tüchtiger und praktischer Verlader würde als irgendein Mensch.

und dann die in Form von Anweisungen, indirekt beschriebene Methode:

,Wenn Sie nun eine erste Kraft sind, dann werden Sie morgen genau das tun, was dieser Mann zu Ihnen sagt, und zwar von morgens bis abends. Wenn er sagt, Sie sollen einen Roheisenbarren aufheben und damit weitergehen, dann heben Sie ihn auf und gehen damit weiter! Wenn er sagt, Sie sollen sich niedersetzen und ausruhen, dann setzen Sie sich hin!‘

Schmidt begann zu arbeiten, und in regelmässigen Abständen wurde ihm von dem Mann, der bei ihm als Lehrer stand, gesagt: ,Jetzt heben Sie einen Barren auf und gehen Sie damit! Jetzt setzen Sie sich hin und ruhen sich aus! etc.‘ Er arbeitete, wenn ihm befohlen wurde zu arbeiten, und ruhte sich aus, wenn ihm befohlen wurde, sich auszuruhen, und um halb sechs Uhr nachmittags hatte er 48t auf den Wagen verladen.

Das Eisen wurde auch ohne Taylors Anweisungen verladen und es hätte auch weiterhin ohne Taylors Anweisungen verladen werden können. Taylor hat überdies kein Stück des Eisens verladen, obwohl – oder vielleicht gerade weil – er mit seiner Methode 4 x schneller als Schmidt gewesen wäre.

Man mag einwenden, Schmidt habe zunächst offensichtlich sehr ineffizient gearbeitet und sei dann dank Taylor viel effizienter geworden. Taylor habe also keineswegs nur eine Beschreibung von Schmidts neuer Methode geliefert, sondern diese Methode erfunden. Gleichwohl wird man (hin)zugeben müssen, dass ausschliesslich Schmidt die Methode anwandte und Taylor sie eben nur beschrieben hat.

Wir könnten – nicht ganz unberechtigt – annehmen, dass Taylor ursprünglich selbst ein handanlegender Arbeiter war. Schon als Arbeiter machte er sich manchmal Gedanken über seine Arbeit. Er interessierte sich dafür, in seiner Arbeit effizienter zu werden. Eines Tages nun, als unser Taylor, statt zu arbeiten, gerade wieder einmal über seine Arbeit nachdachte, merkte er (in)genialerweise, dass sich das Nachdenken über die Arbeit lohnen könnte. Er begann also seine Arbeitskollegen zu beobachten und stellte fest, dass jeder einzelne Arbeiter durchschnittlich ungefähr 12t pro Tag verlud; zu seiner Überraschung fand er aber bei seinen eingehenden Untersuchungen, dass ein erstklassiger Roheisenverlader nicht 12 t, sondern 47 bis 48t pro Tag verladen sollte … Einmal jedoch davon überzeugt, dass 48t eine angemessene Tagesleistung für einen erstklassigen Roheisenverlader bedeuteten, stand ihm klar vor Augen, was er zu tun hatte: Er eilte heim, entledigte sich seiner Arbeitskleider und kehrte wenig später – mit Diplom – in seinem besten Anzug zurück. Als Arbeitsleiter wollte er nach bestem Wissen und Gewissen darauf sehen, dass jeder Mann pro Tag 48t verlud, anstatt der 12t wie bisher. Er wollte überdies – was wir jetzt besser verstehen -, dass die Leute – die ja davor seine Kollegen waren – beim Verladen von täglich 48t freudiger und zufriedener wären als bei den 12t von früher.

Umgekehrt könnten wir aber – nicht weniger plausibel – auch annehmen, Schmidt selber hätte seine Arbeit analysiert und entdeckt, dass er nach dem Prinzip des bestimmten Pensums viel mehr leisten könnte. Er hätte seine Entdeckung nicht aufgeschrieben – wozu auch? -, sondern einfach angewendet. Taylor schliesslich hätte lediglich das Verfahren aufgeschrieben, nach welchem Schmidt intuitiv und nur halbbewusst arbeitete. N. Wirth schreibt über grundlegende Texte von E. Dijkstra und C. Hoare, zwei Taylors der Informatik, die erkannt haben, dass Programmieren “wissenschaftlicher Behandlung und Darlegung zugänglich ist” und damit ein “Revolution” in der Programmierung bahnten: “Beide Artikel argumentieren überzeugend, dass viele Programmierfehler vermieden werden können, wenn man den Programmierern die Methoden und Techniken, die sie bisher intuitiv und oft unbewusst verwendeten, zur Kenntnis bringt”.

Noch eine zeitgemässe Anmerkung zur Ueheberschaft:

Subjektiv mag – im Sinne eines Ehren-Patents – bedeutsam sein, wer entdeckte, dass regelmässige und regelmässig unterbrochene Arbeit am ertragreichsten ist. Objektiv bedeutsam ist das explizite, ausgesprochene und aufgeschriebene Wissen, wie eine Arbeit effizient erledigt wird. C. Thomsen kommentiert einen 20-jährigen Rechtsstreit über die Urheberschaft der sogenannten Computer-Chips, bei welchem nicht nur die Ehre auf dem Spiel stand: “Ob nun Gilbert Hyatt oder Ted Hoff das Erstgeburtsrecht besitzt: Die kommerziel erfolgreiche Verwertung dieser Idee präsentierte Intel 1970 mit seinem Mikroprozessor. Tatsächlich konnte dieser eine Chip (..) wie ein eigenständiger Computer funktionieren”, was eben den pratischen Nutzen der Computer erheblich vergrösserte.
A. Speiser erläutert das Motiv der Erfinder-Ehre anhand eines 10-jährigen Patentstreites zwischen N. Noyce von Fairchild Semiconductor und J. Kilby von Texas Instruments um die Erfindung der intergierten Schaltung, der schliesslich zugunsten des ersteren entschieden wurde: Für IC’s geben wir weltweit pro Jahr mehr als 50 Milliarden Franken aus.

Prolog: Der Ingenieur

Es war einmal …

… ein ausserordentlich begabter Ingenieur, der sich jederzeit nach bestem Wissen und Gewissen einsetzte. Wir wollen diesen Mann Taylor nennen. Zu Beginn des amerikanisch-spanischen Krieges (1898) arbeitete er im amerikanischen Stahlwerk Bethlehem SteelCo. Zu dieser Zeit lagen dort

einige 80’000t Roheisen in kleinen Haufen auf einem offenen Platz, der an das Werk grenzte, aufgestapelt. Die Preise für Roheisen waren so gefallen, dass es nicht mit Nutzen abgesetzt werden konnte und deshalb eingelagert werden musste. Mit Ausbruch des Krieges stiegen die Preise wieder, und das gewaltige Eisenlager wurde verkauft.

Es musste verladen werden. Dazu wurde

ein Eisenbahngleis unmittelbar die Roheisenstapel entlang auf das Feld hinaus gebaut. Dicke Planken wurden an die Wagen angelegt, jeder Arbeiter nahm jeweils von dem Roheisenhaufen einen Barren im Gewicht von ungefähr 40kg, ging damit das Brett hinauf und warf ihn hinten im Wagen nieder.

Unser Taylor, der als Ingenieur selbst nicht Hand anlegen musste, war mit der durchschnittlichen Tagesleistung der Arbeiter unzufrieden und analysierte deshalb deren Arbeit. Er charakterisierte sie wie folgt:

Diese Arbeit ist vielleicht die roheste und einfachste Form von Arbeit, die man überhaupt von einem Arbeiter verlangt. Die Hände sind das einzige Werkzeug, das zur Anwendung kommt. Ein Roheisenverlader bückt sich, nimmt einen Eisenbarren von ungefähr 40kg auf, trägt ihn ein paar Schritte weit und wirft ihn dann auf den Boden oder stappelt ihn auf einen Haufen. Diese Arbeit ist gewiss einfach und elementar. Einen intelligenten Gorilla könnte man so abrichten, dass er ein mindestens ebenso tüchtiger und praktischer Verlader würde als irgendein Mensch.

Unser Taylor stellte fest, dass jeder einzelne Arbeiter durchschnittlich ungefähr 12t pro Tag verlud; zu seiner Überraschung fand er aber bei eingehender Untersuchung, dass ein erstklassiger Roheisenverlader nicht 12t, sondern 47 bis 48t pro Tag verladen sollte. Dieses Pensum erschien selbst ihm so ausserordentlich gross, dass er sich verpflichtet fühlte, seine Berechnungen wiederholt zu kontrollieren, bevor er sich der Sache vollkommen sicher war. Einmal jedoch davon überzeugt, dass 48t eine angemessene Tagesleistung für einen erstklassigen Roheisenverlader bedeuteten, stand ihm klar vor Augen, was er als Arbeitsleiter nach bestem Wissen und Gewissen zu tun hatte. Er musste darauf sehen, dass jeder Mann pro Tag 48t verlud, anstatt der 12t wie bisher. Er wollte überdies, dass die Leute beim Verladen von täglich 48t freudiger und zufriedener wären als bei den 12t von früher.

Taylor nahm sich vor, die Arbeiter einzeln mit ihrer wirklichen Leistungsfähigkeit bekannt zu machen. Er suchte deshalb zu Beginn den rechten Mann um anzufangen. Taylor fand diesen Mann, indem er bei allen Arbeitern eingehende Untersuchungen bezüglich ihres Charakters, ihrer Gewohnheiten und ihres Ehrgeizes anstellte.

Lassen wir Taylor seine Geschichte selbst zu Ende erzählen:

Unserer Beobachtung nach, legte unser Mann, ein untersetzter Pennsylvanier deutscher Abstammung, ein sogenannter ,Pennsylvania Dutchman‘, nach Feierabend seinen ungefähr halbstündigen Heimweg ebenso frisch zurück wie morgens seinen Weg zur Arbeit. Bei einem Lohn von Doll.1.15 pro Tag war es ihm gelungen, ein kleines Stück Grund und Boden zu erwerben. Morgens bevor er zur Arbeit ging und abends nach seiner Heimkehr arbeitete er daran, die Mauern für sein Wohnhäuschen darauf aufzubauen. Er galt für ausserordentlich sparsam. Man sagte ihm nach, er messe dem Dollar eine Bedeutung bei, als ob er so gross wie ein Wagenrad wäre.

Diesen Mann wollen wir Schmidt nennen.

Unsere Aufgabe bestand nunmehr darin, Schmidt dazu zu bringen, 48t Roheisen pro Tag zu verladen, seine Lebensfreude jedoch nicht zu stören, ihn im Gegenteil froh und glücklich darüber zu machen. Dies geschah in folgender Weise. Schmidt wurde unter den andern Eisenverladern herausgerufen und etwa folgende Unterhaltung mit ihm geführt:

,Schmidt, sind Sie eine erste Kraft?‘
,Well, – ich verstehe Sie nicht.‘
,O ja, Sie verstehen mich ganz gut. Ich möchte wissen, ob Sie eine erste Kraft sind oder nicht?‘
,Ich kann Sie nicht verstehen.‘
,Heraus mit der Sprache! Ich möchte wissen, ob Sie eine erste Kraft sind oder einer, der den übrigen billigen Arbeitern gleicht. Ich möchte wissen, ob Sie Doll.1.85 pro Tag verdienen wollen, oder ob Sie mit Doll.1.15 zufrieden sind, d.h. mit dem, was diese billigen Leute da bekommen.‘
,1.85 Doll. pro Tag verdienen wollen, heisst man das eine erste Kraft? Well, dann bin ich so einer.‘

,Sie machen mich ärgerlich. Freilich wollen Sie 1.85Doll. pro Tag verdienen, das will jeder. Sie wissen recht gut, dass das sehr wenig damit zu tun hat, ob Sie eine erste Kraft sind. Antworten Sie endlich auf meine Fragen und stehlen Sie mir nicht meine Zeit! Kommen Sie hierher, sehen Sie diesen Haufen Roheisen?‘
,Ja.‘
,Sehen Sie diesen Wagen?‘
,Ja.‘
,Wenn Sie eine erste Kraft sind, dann laden Sie dieses Roheisen morgen für Doll.1.85 in den Wagen! Nun wachen Sie auf und antworten Sie auf meine Fragen! Sagen Sie mir, sind Sie eine erste Kraft oder nicht?‘

,Well, bekomme ich Doll.1.85, wenn ich diesen Haufen Roheisen morgen auf den Wagen lade?‘

,Ja, natürlich, und tagtäglich, jahrein, jahraus, bekommen Sie Doll.1.85 für jeden solche Haufen, den Sie verladen; das ist, was eine erste Kraft tut.‘
,Well, dot’s all right. Ich kann also dieses Roheisen morgen für Doll.1.85 auf den Wagen laden und bekomme das jeden Tag, ja?‘
,Gewiss, gewiss.‘
,Well, dann bin ich eine erste Kraft.‘
,Nur langsam, guter Freund! Sie wissen so gut wie ich, dass eine erste Kraft vom Morgen bis zum Abend genau das tun muss, was ihr aufgetragen wird.‘

Hier führt Taylor implizit seinen Stellvertreter ein.

,Sie haben diesen Mann schon vorher gesehen, nicht?‘
,Nein, nie.‘
,Wenn Sie nun eine erste Kraft sind, dann werden Sie morgen genau das tun, was dieser Mann zu Ihnen sagt, und zwar von morgens bis abends. Wenn er sagt, Sie sollen einen Roheisenbarren aufheben und damit weitergehen, dann heben Sie ihn auf und gehen damit weiter! Wenn er sagt, Sie sollen sich niedersetzen und ausruhen, dann setzen Sie sich hin! Das tun Sie ordentlich den ganzen Tag über. Und was noch dazu kommt, keine Widerrede! Eine erste Kraft ist ein Arbeiter, der genau tut, was ihm gesagt wird, und nicht widerspricht. Verstehen Sie mich? Wenn dieser Mann zu Ihnen sagt: Gehen Sie!, dann gehen Sie, und wenn er sagt: Setzen Sie sich nieder, dann setzen Sie sich nieder und widersprechen ihm nicht.‘

Das scheint wohl eine etwas rauhe Art, mit jemandem zu sprechen, und das würde es auch tatsächlich sein einem gebildeten Mechaniker oder auch nur einem intelligenten Arbeiter gegenüber. Jedoch bei einem Mann von der geistigen Unbeholfenheit unseres Freundes ist es vollständig angebracht und durchaus nicht unfreundlich, besonders, da es seinen Zweck erreichte, sein Augenmerk auf die hohen Löhne zu lenken, die ihm in die Augen stachen, und ihn ablenkten von dem, was er wahrscheinlich als unmöglich harte Arbeit bezeichnet hätte, wenn er darauf aufmerksam gemacht worden wäre.

Was wäre wohl Schmidts Antwort gewesen, wenn man zu ihm gesprochen hätte, wie es unter dem Locksystem üblich ist, etwa folgendermassen: ,Nun, Schmidt, Sie sind ein erstklassiger Roheisenverlader und verstehen Ihre Arbeit. Bisher haben Sie täglich 12t Roheisen verladen. Ich habe beträchtliche Zeit darauf verwendet, das Verladen von Roheisen genau zu studieren. Sicher könnten Sie pro Tag bedeutend mehr leisten als bisher. Glauben Sie nicht, dass Sie bei einigem guten Willen 48t verladen könnten anstatt 12t?‘

Was meinen Sie, würde Schmidt darauf geantwortet haben?

Schmidt begann zu arbeiten, und in regelmässigen Abständen wurde ihm von dem Mann, der bei ihm als Lehrer stand, gesagt: ,Jetzt heben Sie einen Barren auf und gehen Sie damit! Jetzt setzen Sie sich hin und ruhen sich aus! etc.‘ Er arbeitete, wenn ihm befohlen wurde zu arbeiten, und ruhte sich aus, wenn ihm befohlen wurde, sich auszuruhen, und um halb sechs Uhr nachmittags hatte er 48t auf den Wagen verladen.

* * *

F.Taylors Geschichte gehört zur “Arbeitswelt-Weltliteratur”. Taylorismus ist im Zusammenhang mit Arbeits- und Betriebsrationalisierung ein stehender Begriff. Dass F.Taylor, oder vielmehr sein Text, in der Arbeitswelt trotzdem fast nur Gegner gefunden hat, liegt hauptsächlich an seiner unverblümten Offenheit, die von seinen Gegnern mit “humanisierten” Theorien mittlerweile längstens überwunden ist. F.Taylor zeigt uns die Arbeitswelt, wie sie ist, nicht wie wir sie gerne hätten. Die Frage allerdings ist, inwiefern die Welt der technischen Intelligenz wirklich so ist, wie F.Taylor sie beschrieben hat.

Ich werde mich in den nächsten Beiträgen etwas mit dem Ingenieur befassen, also mit dem Techniker statt mit der Technik. Auch dabei bleibt mir bewusst, dass ich nicht über die Technik eines Fussballers spreche, sondern über Technik in einem restringierten Sinn.

%d bloggers like this: