Die Produkte der Ingenieure als Entwicklung der Technik

Ingenieure beschreiben Artefakte, eigentlich Werkzeuge. Natürlich beschreiben Ingenieure nicht nur Werkzeuge, sie ,bauen‘ auch Wolkenkratzer, Brücken und Raketen. Den Werkzeugen kommt aber schliesslich eine spezifische Bedeutung zu, die es rechtfertigt, der Produktion von Werkzeugen erste Aufmerksamkeit zu schenken. Im systematische Herstellen von Werkzeugen sehe  ich überdies das anthropologische Kriterium für das Mensch-Sein schlechthin.

Ingenieure haben als intendiertes Produkt das jeweilige Werkzeug, das sie herstellen wollen, vor dem geistigen Auge, aber sie stellen das Werkzeug – unter den diskutierten Vorbehalten – nicht eigentlich her, sie beschreiben es. Zwar beziehen sie sich mit ihren Anweisungen auf die jeweilige Sache, nicht auf deren Darstellung, sie sind ,arbeitsteilig‘ an der Produktion der Werkzeuge, nicht am Beschreiben interessiert. Die Konstruktionspläne, die sie produzieren, erscheinen ihnen lediglich als Mittel zum Zweck, gleichwohl ist das eigentliche Produkt der Ingenieure die Beschreibung oder richtiger die Abbildung der Sache.

Die Anweisungen der Ingenieure sind Abbildungen, also komplexe Symbole, die auf die jeweils intendierte Sache verweisen. Zunächst nicht intendiertes, aber umso wichtigeres Produkt der Ingenieure ist die Abbildung als solche, respektive deren Entwicklung. Die Entwicklung der anweisenden Abbildung von der Skizze des Handwerkers zur Programmiersprache widerspiegelt die Entwicklung der Werkzeuge und, wenn man so will, die Entwicklung der Ingenieure oder der Menschen überhaupt. Wenn wir uns mit den Produkten der Ingenieure beschäftigen, beschäftigen wir uns, soweit die Entwicklung der Werkzeuge jene der Menschen beeinflusst, zwangsläufig auch mit Vorstellungen, die unser Menschenbild prägen.

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Comments

  • Peter Bormann  On May 11, 2012 at 7:12 PM

    Zwei Anmerkungen:
    1) “Ingenieure haben als intendiertes Produkt das jeweilige Werkzeug, das sie herstellen wollen, vor dem geistigen Auge, aber sie stellen das Werkzeug – unter den diskutierten Vorbehalten – nicht eigentlich her, sie beschreiben es”

    Das bleibt – trotz Fokussierung auf Prä-Deskriptoren – eine sehr “traditionelle” Vorstellung, die sich mit Unterscheidungen wie Zweck-Ziel-Mittel, Theorie-Praxis, Soll-Ist, antizipierendem Planen, das dann entsprechend realisiert werden soll, usf.) bis zur griechischen Antike zurückverfolgen läßt.
    Ich glaube freilich nicht, daß das bei komplexeren Produkten (insbes. Software) noch plausibel ist.
    Ich schaue `mal, daß ich die nächsten Tage mehr dazu schreiben kann im Sinne einer Dekonstruktion der Plan-, Zweck-Ziel-Mittel-, etc. Orientierung.

    2) “Im systematische Herstellen von Werkzeugen sehe ich überdies das anthropologische Kriterium für das Mensch-Sein schlechthin.”
    In Deinen Posts “menschelt” es mir zu sehr (Ingenieure, Handwerker, Menschen generell). Ich frage mich, ob das daran liegt, daß es radikalkonstruktivistisch schwierig ist, eine überzeugende Konzeptualisierung der Sozialdimension vorzunehmen – weil alles immer nur auf “Individuelles” zurückzuführen ist?

    Ich würde hier vorziehen, auf “Soziales” abzuzielen, das sich nicht auf Individuell-“Menschliches” reduzieren läßt. Und das heißt auch, daß hier nach sozialen Operationszusammenhängen Ausschau gehalten wird (bspw. mit Blick auf Anweisungen als Designs, als Modelle, als Programme, etc, die kommunikativ aneinander anschließen).
    Das wäre für eine Ausarbeitung eines Technik-Funktionssystems wohl zielführender.

    ~Peter

    .

    • kybernetiks  On May 12, 2012 at 12:36 PM

      die Unterscheidung “soziales/individuell-menschlich” leuchtet mir nicht ein, ich sehe die Unterscheidung nicht, die hier zwei verschiedene Seiten produzieren soll.

      Ein Werkzeug ist weder individuell noch sozial, sondern ein Werkzeug. Eine Bohrmaschine hat nichts soziales an sich und individuell ist sie allenfalls durch eine Seriennr auf dem Garantieschein.

      Wenn ich als Ingenieur eine Bohrmaschine konstruiere, mache ich Zeichnungen (Abbildungen) von dieser Maschine.

      Ich weiss nicht, was Du als Software bezeichnest und inwiefern Du darin ein Werkzeug siehst. Das würde mich extrem interessieren, weil es mir helfen würde, Deiner Argumentation zu folgen

      • Peter Bormann  On May 12, 2012 at 7:54 PM

        “Ein Werkzeug ist weder individuell noch sozial, sondern ein Werkzeug. Eine Bohrmaschine hat nichts soziales an sich und individuell ist sie allenfalls durch eine Seriennr auf dem Garantieschein.”
        Nein, wenn man ein Werkzeug wie andere Formen (z.B.) Zeichen beobachtet, dann ist es weder individuell noch sozial (es denkt nicht, kommuniziert, handelt nicht). Es wird vielmehr im Rahmen von Denk-, Handlungs- und Kommunikationsprozessen eingesetzt. Aber ging es nicht um Produzieren, sensu: “Herstellen von Werkzeugen”? Und dieses Herstellen bzw. auch Gebrauchen von Werkzeugen folgt m.E. einer genuin sozialen Logik (Wissen, Lernen, usf.). Ich wüßte nicht, wie das bspw. Werkzeugen “eingeschrieben” sein könnte – quasi: als Entelechie.

        • kybernetiks  On May 13, 2012 at 10:41 AM

          Nein, es ging nicht um Produzieren, sondern um das Herstellen von Werkzeugen als Artefakte. Das Herstellen ist lediglich eine Prozessauffassung, die mit dem Produkt assoziert werden kann. Es geht um das Werkzeug, nicht um das Herstellen.

          Wir stellen auch Schneemänner her. Oder Hausdächer. Aber mir geht es um Werkzeuge, nicht um Formen oder Zeichen.

          Wenn es eine sozial Logik des Werkzeuggebrauches geben würde, dann wäre sie irgendwo geschrieben (oder sie ist noch implizit, tacit und unbekannt)

          • PB  On May 13, 2012 at 12:11 PM

            “Herstellen von Werkzeugen als Artefakte”
            Es macht für mich – prinzipiell mit Blick auf Soziales gesehen – keinen Unterschied , ob mit einem Werkzeug etwas hergestellt oder das Werkzeug selbst hergestellt wird. Beides findet im Rahmen des Sozialen statt: Materialauswahl, Formenbildung, Testen, usf. – wie soll das außerhalb des Sozialen möglich sein?

            > Wenn es eine sozial Logik des Werkzeuggebrauches geben würde, dann wäre sie > irgendwo geschrieben (oder sie ist noch implizit, tacit und unbekannt)
            “Logik” ist kein guter Ausdruck. Es geht mir um soziale Prozesse und Orientierungen (Kommunizieren, Handeln, Lernen, Wissen, etc.). Und natürlich käme hier auch Habitualisierung / implizites Wissen zum Tragen, z.B. als handwerkliches know-how-to do-things (was aber selbst in sozialen Kontexten erworben wird).
            Und daß sich Maschinen / Tools in ihrem Gebrauch nicht unbedingt “von selbst” erschließen, kannst Du an der Fülle von Bedienungsanleitungen sehen, die gewisse Gebrauchsweisen für xy “nahelegen”, aber nicht unbedingt “determinieren”.

            Noch ein Beispiel aus Umberto Ecos “Einführung in die Semiotik”:
            Nach 1945 wurden in einer italienischen Region (irgendwo in Süditalien, aber ich könnte mich irren) neue Toilettenschüsseln in Bädern installiert. Die dortigen Bauern wußten aber nicht, was sie damit anstellen sollen. Die Toilettenschüsseln wurden dann anfänglich dazu benutzt, um Oliven zu waschen, während man sein Geschäft wie bisher (z.B in Plumpsklos) verrichtete.

            Nur en passant: es versteht sich auch nicht von selbst, daß man sich auf Toilettenschüsseln “setzt” – auch das ist wohl “kulturrelativ” :-)

            • kybernetiks  On May 13, 2012 at 1:22 PM

              wie kommst Du denn auf die Idee, dass die BAuern etwas falsch verstanden haben? Haben sie nicht gemerkt, was es eigentlich ist?
              Ich würde eher sagen, dass sie eine eigenständige Erfindung gemacht haben, um Oliven zu waschen, die zufällig ziemlich ähnlich ausgesehen hat, wie das was ich als WC benütze.

              Dass Bedienungsanleitungen geschrieben werden KÖNNEN, würde ich als Beleg dafür sehen, dass man ein Werkzeug RICHTIG benutzen kann

            • PB  On May 13, 2012 at 1:58 PM

              Ich würde eher sagen, dass sie eine eigenständige Erfindung”
              Genau! Darauf wollte ich hinaus. Die Bauern haben eine für sie plausible Gebrauchsweise entwickelt. Und das heißt: man kann Toilettenschüsseln auch noch anders verwenden, als es in unseren Breiten üblich sein mag. Man kann bspw. darin seinen Hamster baden :-)

            • kybernetiks  On May 13, 2012 at 5:14 PM

              Peter, wenn die Bauern ihre Oliven in einem Gefäss waschen, von dem Du meinst, es sei eine Toilettenschüssel … dann weisst DU was das Ding eigentlich ist, sonst könntest Du nicht auf solche Ideen kommen.

              Ich dagegen sehe, dass es sehr verschiedene Gegenstände gibt, die gleich aussehen, obwohl sie für ganz verschiedene Dinge hergestellt wurden.

              Das Beispiel mit den blöden Bauern ist einfach ein blödes Beispiel. Dein anderes Beispiel dagegen ist das Messer, dass Du genau deshalb mit verschiedenen Verben in Verbindung bringen kannst, weil es verschiedene Entwicklungen des Messers gibt.
              “Messer” ist eine Sammelbezeichnung für allerlei Geräte, weshalb die zugehörige Funktion noch nicht ausdifferenziert ist.
              Messer bezeichnet in diesem Sinn auch ein primitives, noch nicht entwickeltes Werkzeug. Jede Weiterentwicklung bestimmt die Funktion näher.

              Und bytheway: ich weiss, was ich mit “ich” meine. Diesen Text habe ich geschrieben, nicht Du.

            • Peter Bormann  On May 13, 2012 at 8:19 PM

              > Ich dagegen sehe, dass es sehr verschiedene Gegenstände gibt, die gleich aussehen, obwohl sie für ganz verschiedene Dinge hergestellt wurden.
              Seltsam – ich “sehe” nichts, v.a. keine Toilettenschüsseln. Denn ich war ja nicht dabei. Du etwa?

              Ich habe nur Zeichen und ihre Interpretation vor mir – und da wüßte ich nicht, warum es “verschiedene” Gegenstände “geben” soll, die für ganz
              Verschiedenes hergestellt wurdeN.

              Meine These ist: Tools / Maschinen und ihre Gebrauchsweisen gehen Hand in Hand: kontextrelativ und nicht essentialistisch,
              ohne daß also vorab bestimmte, akontextuelle Zwecke als “immanent” in diese Tools / Maschinen “eingeschrieben” wären. Von einem immanenten Zweck einer Maschine / Tool zu texten, macht für mich genauso viel Sinn wie nach dem Wesen einer Maschine / eines Tools oder der Technik insgesamt (z.B. mit Blick auf Artefaktproduktion als “anthropologischer Konstante”) zu fragen. Nach all den Diskussionen um linguistic turn (-> Wittgenstein II), Poststrukturalismus, Postmoderne und soziologische Systemtheorie leuchten solche Essentialismus-Strategien heute nicht mehr ein. Das kann man wissen…

              “dann weisst DU was das Ding eigentlich ist, sonst könntest Du nicht auf solche Ideen kommen.”
              Ich muß nicht wissen, “was” ein Ding eigentlich ist. Als Toilettenschüssel, Hamsterbadewanne, Olivenspüle, etc. läuft es in seinen entsprechenden Gebrauchsweisen mit. Dazu braucht es weder Eigentlichkeit noch Wesenhaftigkeit noch Entelechie (als immanenter Zweckgegebenheit).
              Und meine Zusatzthese ist: diese kontextuelle Offenheit bzgl. des Gebrauchs gilt letztlich für alle Medien- und Technikformen.

              Und bytheway: ich weiss, was ich mit “ich” meine. Diesen Text habe ich geschrieben, nicht Du.
              Ist das so, Rolf? Schau Dir nochmals genau obigen Satz an :-)

              Übrigens: Sobald Deine Zeichen zirkulieren (ausgesprochen sind, getextet wurden, etc.) ist es egal, was Du zu “meinen meinst”. Denn die Rezipienten haben nur die Zeichen vor sich, ohne daß Du “kontrollieren” könntest, was wie zu interpretieren ist. Und was Deine “Meinung” [oder Deine Gedanken, die Du als Materialist ja nicht hast :-)] war: Niemand weiß das (selbst Du weißt kurze Zeit später idR nicht mehr, was “alles” in Dir vorgegangen ist, als Du getextet hast). Und du kennst ja wohl das folgende Luhmann-Zitat:
              “Denn wenn man nicht sagen kann, dass man nicht meint, was man sagt, weil man dann nicht wissen kann, dass andere nicht wissen können, was gemeint ist, wenn man sagt, dass man nicht meint, was man sagt, kann man auch nicht sagen, dass man meint, was man sagt, weil dies dann entweder eine überflüssige und verdächtige Verdopplung ist oder die Negation einer ohnehin inkommunikablen Negation.” – Zur Nicht-Kommunizierbarkeit von Aufrichtigkeit, Die Gesellschaft der Gesellschaft, 1998, S.311

              Oder auch:
              “Stat rosa pristina nomine, nomina nuda tenemus”, wie es so schön am Ende von Ecos “Name der Rose” heißt. Tja, nur daß die Zeichen auch ganz ohne jeden “Rosenreferent” funktionieren … Und was bedeutet das dann für diese Geschichte?

  • PB  On May 12, 2012 at 10:52 AM

    Hallo Rolf,

    samstagmorgendlich noch ein paar Überlegungen zu folgendem Satz:
    “im systematische Herstellen von Werkzeugen sehe ich überdies das anthropologische Kriterium für das Mensch-Sein schlechthin.”

    * Zunächst würde ich “anthropologisch” und “Mensch-Sein” streichen und eher auf “Soziales” als Dimension sui generis verweisen (egal, wie man diese Dimension nun konzipieren mag: dekonstruktiv, diskurstheoretisch à la Ernesto Laclau, systemtheoretisch à la Luhmann oder Baecker oder Fuchs …).

    * These 1: Produzieren in welcher Form auch immer verweist auf Soziales (kommunizieren, verhalten, handeln). Und erst im Rahmen solcher sozialen Prozesse emergieren bspw. Tools als Tools. Das ist also “keine” prä- oder a-soziale Privatveranstaltung, sensu: Privatsprache, Privatkommunikation, Privattool, etc.

    * These 2: Diesen Tools sind dabei keine Gebrauchsweisen / Ziele “immanent”, sondern eher umgekehrt: die offenen und kontextrelativen Gebrauchsweisen machen die Tools aus.

    * These 3: Das sozial bedingte und kontextrelative Emergieren von Tools ist nicht auf die menschliche Spezies beschränkt [und in diesem Sinne auch “keine anthropologische Konstante” – was immer das sein soll], sondern anscheinend auch bei anderen (höheren) Tieren anzutreffen.
    Ich zitiere `mal einen Absatz aus einem gestrigen Spiegel-Online-Artikel [http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/kultur-schimpansen-nutzen-unterschiedliche-werkzeuge-zum-nussknacken-a-832524.html]:
    “Es ist nicht das erste Mal, dass Forscher kulturelles Lernen bei Schimpansen nachgewiesen haben. So verbreiten sich bestimmte Fertigkeiten zwischen verschiedenen Clans. Auch Meeresbewohner haben in gewisser Weise Kultur: Delfine etwa bringen ihrem Nachwuchs bei, Schwämme zur Nahrungssuche zu verwenden, Orcas vermitteln sich untereinander eine sehr spezielle Technik der Robbenjagd.”
    Das heißt: Auch bei anderen Säugetieren “regelt” (tja, nur wie genau?) Soziales / Kulturelles was in welcher Gebrauchsweise als Tool fungieren kann.

    * Anschlußfrage: Wie unterscheiden sich Toolemergenz und Toolgebrauchsweisen beim homo sapiens im Vergleich zu anderen Säugetieren / Nicht-Säugetieren?
    Es liegt zwar nahe (z.B. mit P. Fuchs) auf sinn- und zeichenbasierte (différance-)Kommunikation abzustellen, so daß Kommunizieren und kulturelles Lernen bei Menschen einfach “vielfältiger”, “komplexer”, etc. als bei anderen Tierarten sein könnten. Aber hier wäre interessant zu erfahren, wie bspw. Delphine ihre Kommunikation realisieren und welche Folgen das für Zeichenprozesse, für Lern- und Wissenserfahrungen sowie für den Toolgebrauch hat.

    Du würdest wohl den Aspekt des “systematischen” (intentionalen, antizipativen, etc.) Produzierens akzentuieren. Aber es ist die Frage, ob Du dabei nicht einem alteuropäischen Bias aufsitzt, wie das auch bei Karl Marx der Fall gewesen ist (siehe dazu meinen heutigen Blogpost):
    “[…] eine Biene beschämt durch den Bau ihrer Wachszellen manchen menschlichen Baumeister. Was aber von vornherein den schlechtesten Baumeister vor der besten Biene auszeichnet, ist, dass er die Zelle in seinem Kopf gebaut hat, bevor er sie in Wachs baut. Am Ende des Arbeitsprozesses kommt ein Resultat heraus, das beim Beginn desselben schon in der Vorstellung des Arbeiters, also schon ideell vorhanden war.” – Karl Marx, Das Kapital. Band 1, MEW 23, S. 193 [siehe http://de.wikiquote.org/wiki/Biene%5D

    ~Peter

  • kybernetiks  On May 12, 2012 at 12:28 PM

    Peter, mir scheint, dass es verschieden Möglichkeiten des Formulierens gibt, was ich als Differenz Privatsprache begreife, die immer wieder aus Machtpositionen angegriffen wird. Irgendjemand will ein Formulierung DURCHSETZEN indem er behauptet, sie sei nicht privat ( /öffentlich/politisch/sozial usw usw.)

    Werkzeug heisst für mich eine Artefakt, dass ich herstelle, aufbewahre und wiederholt verwende und schliesslich weiterentwickle.
    ABER das besagt nur, wie ICH (privat) den Ausdruck verwende. Mir ist kein Tier bekannt, dass das auch nur im entferntesten Ansatz tun würde. Aber wenn in anderen Privatsprachen der Ausdruck Werkzeug ganz anders verwendet wird, ist nur logisch, dass dort allenfalls auch Tiere Werkzeuge verwenden.

    Das, was ich als Werkzeug bezeichne, hat einen immaneten Gebrauch, weil ich den Ausdruck ja gerade dadurch bestimme. Wenn ich den Ausdruck ganz anders verwenden würde, ….

    Da ich ernsthaft nur über der Verwendung der Ausdrücke nachdenken kann, und eben nicht über wirkliche Werkzeuge, verstehe ich Deine Beiträge als andere Wortverwendung, die sich mir aber noch nicht ganz erschliessen (was natürlich mein Problem ist, ich arbeite daran).

    Meine Position mag man bezeichnen wie man will (alteuropäisch …), solche Labels sind eben Labels, aber für mich keine Kritik. Es macht mir nichts aus, wenn Marx irgend etwas gesagt hat, was ich auch sage.

    Zu meiner Wortverwendung “Werkzeug” gehört, dass ich auch Beispiele geben kann. Ich kann beispielsweise sagen: Eine Bohrmaschine ist ein Werkzeug. Es ist zum Bohren gemacht. Es ist ein Weiterentwicklung des Handbohrers, indem für die Bewegung des Bohrers elektrischer Strom verwendet wird usw usw.

    Wenn jemand meint, dass der Bohrer nicht zum Bohren sei und ihn ( .. offenen und kontextrelativen Gebrauchsweisen) zum Fischen verwendet, stört mich das überhaupt nicht. Ich würde sagen, dass er sich ein eigenwilliges Fischergerät konstruiert hat, das ich aber dann wohl nicht als Bohrer bezeichne würde.

    Das Anführen von Beispielen ist immer an eine Wortverwendung gebunden. Wer das Wort Werkzeug ganz anders verwendet, wird andere Beispiele geben.

    • Peter Bormann  On May 12, 2012 at 7:29 PM

      > Das, was ich als Werkzeug bezeichne, hat einen immaneten Gebrauch, weil ich den Ausdruck ja gerade > dadurch bestimme. Wenn ich den Ausdruck ganz anders verwenden würde, ….
      Aber warum mußt Du den Gebrauch des Ausdrucks “Werkzeug” mit immanenten Zwecksetzungen essentialistisch (und damit a-kontextuell) aufladen? Das erschließt sich mir nicht. Natürlich kannst Du schreiben: “Das definiere ich halt so”. Aber macht das Sinn? Du handelst Dir damit m.E. Probleme ein, wie “eigentlicher / uneigentlicher” Gebrauch so, als ob es
      * Gebrauchsweisen gäbe, die wesenhaft und unabhängig von Kontexten einem Tool eingeschrieben sind,
      * Gebrauchsweisen, die unwesentlich sind, im Sinne von “Mißbrauch”.

      Daß das mit der Differenzierung von “eigentlich / uneigentlich”, von “Ge- und Mißbrauch” so eine Sache ist, verdeutlicht vielleicht folgendes Kittler-Beispiel [http://waste.informatik.hu-berlin.de/Diplom/ww2/kittlerthese.html]:
      “Denn, so geht das Argument, in den Jahren 1914-18, in denen die Entwicklung von Verstärkerröhren höchste Dringlichkeitsstufen erhielt – die beiden neuen Waffengattungen Kampfflugzeug und U-Boot setzten drahtlose Kommunikation vorraus – wuchsen die Funkertruppen (von ca. 6.000 auf ca 190.000 Mann) exponentiell an (Vgl. GFT: 148f). So daß sich irgendwann, in der Ödnis eines zähen Stellungskrieges irgendwo in den Ardennen, neue Möglichkeiten der Unterhaltung erschließen ließen:

      Schützengrabenbesatzungen hatten zwar kein Radio, aber “Heeresfunkgeräte”. Vom Mai 1917 an konnte Dr. Hans Bredow, vor dem Krieg AEG-Ingenieur und nach dem Krieg erster Staatssekretär des deutschen Rundfunks, “mit einem primitiven Röhrensender ein Rundfunkprogramm ausstrahlen, bei dem Schallplatten abgespielt und Zeitungsartikel vorgelesen wurden. Der Gesamterfolg war jedoch dahin, als eine höhere Kommandostelle davon erfuhr und den >Mißbrauch von Heeresgerät< und damit jede weitere Übertragung von Musik und Wortsendungen verbot." (GFT: 149)"

      • kybernetiks  On May 13, 2012 at 10:25 AM

        > Aber warum mußt Du den Gebrauch des Ausdrucks “Werkzeug” mit
        > immanenten Zwecksetzungen essentialistisch (und damit a-kontextuell)
        > aufladen?

        Ich lese meine Aussagen völlig anders: Ich lade nichts auf, sondern reflektiere meine Weltanschauung. Es ist nicht so, dass ich einen Mensch/Tier-Unterschied voraussetze, sondern ich sage, was ich als Werkzeug bezechne und erläutere dann eine sich daraus ergebende Unterscheidung zwischen Menschen und Tieren.
        Wenn jemand sich für die Erläuterung nicht recht erwärmen kann, kann er sie einfach als unnötig weglassen. Für mich ist sie nicht Bestandteil der Theorie, sondern Teil der Anschaulichmachung.

        Meine Theorie (meine Beobachtung/meine Unterscheidungen) beruht auf einer Unterscheidung “Werkzeug”, die mit der unterscheidung “Technik” verbunden ist. Das heisst, ich verwende die Ausdrücke “Werkzeug” und “Technik” in einer bestimmbaren Weise innerhalb meiner Theorie.

        Ausdrücke wie “essenzialistisch” sagen mir nichts. Wenn es essenzialistisch ist, zu sagen, dass Bohrmaschinen zum Bohren sind, dann gut. Mich würde interessieren, wozu Bohrmaschinen sonst gut sei könnten oder inwiefern es eine kulturelle Vereinbarung dazu braucht, zu erkennen, wozu Bohrmaschinen gut sind

        Die von Dir erzählte Kittlergeschichte beruht auf sinnlosen Vorstellungen. Was eine Radioröhre als Werkzeug leistet,, ist ziemlich klar – und folgt immanent aus der Radioröhre und kann nicht leicht umgedeutet werden. Radioröhre ist wie ein Bohrmaschine, man kann sie deshalb eigentlich und uneigentlich verwenden. Man kann beides als Briefbeschwerer verwende und fröhlich damit sein. Die eigentliche Verwendung der Radioröhre ist die sogenannte Signalverstärkung (wobei das Wort Verstärkung wiederum auf technisches Unverständnis verweist).

        • PB  On May 13, 2012 at 11:52 AM

          “Ausdrücke wie “essenzialistisch” sagen mir nichts. Wenn es essenzialistisch ist, zu sagen, dass Bohrmaschinen zum Bohren sind, dann gut. Mich würde interessieren, wozu Bohrmaschinen sonst gut sei könnten oder inwiefern es eine kulturelle Vereinbarung dazu braucht, zu erkennen, wozu Bohrmaschinen gut sind.”

          “Essentialistisch” bedeutet für mich, daß eine Gebrauchsweise einem Werkzeug / einer Maschine “immanent” sein soll (Analogon: einem Zeichen seien sein Gebrauch und damit seine Bedeutung immanent).
          Insofern Gebrauchsweisen auf “offene” = “nicht saturierte” Kontexte verweisen, wären damit auch die Gebrauchsweisen weder ein für allemal festgelegt noch den Tools / Maschinen “immanent”. Ich will damit nicht ausschließen, daß kulturrelativ gewisse Gebrauchswahrscheinlichkeiten (s.o. Bohrmaschinen für alle möglichen Arten von Bohrungen) anfallen können, aber der Gebrauch ist aus meiner Sicht “nicht (vorab) determiniert”.

          Bei Zeichen würde solch ein Essentialismus bedeuten, daß wir in einer Art
          strukturalistischem Kristallgitter landen, genauer: De- und Rekontextualisierungen von Zeichen(marken) wären unmöglich. Die Zeichenbedeutung wäre vielmehr ein für allemal kontextübergreifend bzw. akontextuell “fixiert” – und das ist Unsinn.

          Eine ähnliche Überlegung gilt m.E. für die Herstellung und den Gebrauch von Tools und Maschinen – v.a. käme hierbei Soziales zum Zuge als Kommunizieren / Handeln / Wissen / Lernen / memory function / Habitualisierungen, etc.
          Irgendwie scheinst Du dagegen eine a-soziale Logik zu vertreten – so, als ob Maschinen / Tools jenseits des Sozialen hergestellt und eingesetzt werden können.
          Daher wohl auch eine Art Entelechie-Annahme (ein Tool findet seinen Zweck und seine Gebrauchsweise “in sich selbst”). Und diese Art der soziokulturellen A-Kontextualisierung halte ich für schwer nachvollziehbar, weil ich nicht verstehe, wie das überhaupt möglich sein soll.

          Ich frage mich, ob Deine Immanenz-Entelechie-Position nicht daher rührt, daß Du rein radikalkonstruktivistisch eigentlich keine Sozialdimension zu konzeptualisieren vermagst – und alles nur auf “Individuelles” reduzieren willst.

          Das leuchtet freilich schon beim Sprachgebrauch nicht ein, denn so gut wie alles, was Du in der deutschen Sprache benutzt, ist nicht einfach rein privat und neu von Dir erfunden, sondern in vielfacher Weise “geerbt” – und anfänglich durch primäre Bezugspersonen vermittelt – worden,
          Und verweist das nicht auf sozial-kulturelles “Lernen”?
          Dito dann für den “Gebrauch” von was auch immer: Medienformen, Tools, Maschinen, etc.

          • kybernetiks  On May 13, 2012 at 1:10 PM

            Ja, Peter, Theorien sind Entscheidungen: Wenn ich einen Konstruktivistische Theorie verwende (und die als solche bezeichnen kann), hat das Konsequenzen dafür, was ich wie sehe.
            Und in der Tat setze ich den Beobachter als zentrale Unterscheidung und eben nicht eine Beobachtung unabhängig von einem Beobachter. Das ist eine theoretische Entscheidung, die ich immer reflektieren kann.

            Wenn ich sage, dass eine Bohrmaschine zum Bohren ist, dann verwende ich ein deutsches Wort in einem redundaten Sinn. Ich habe das Wort “bohren” weder erfunden noch geerbt, es ist Bestandteil meine Sprache. Ich verwende es so, dass es für mich Sinn macht, also insbesondere SO, dass andere Menschen für mich sinnvoll auf die Wortverwendung reagieren.
            Und zu Deinem Analogon “Zeichen”: Ein Zeichen ist ein Zeichen und es hat den Zweck als Zeichen benutzt zu werden – und keinen anderen Zweck. Genauso wie die
            Bohrmaschine zum Bohren benutzt wird.
            Es gibt in meiner Sprache allerlei Komplikationen wie Metaphern. So kann der Ausdruck “bohren”metaphorisch für allerlei verwendet werden (etwa für insistierende nachfragen), wozu die Bohrmaschine gar nichts beiträgt. Und was alles als Zeichen bezeichnet wird, geht auf keine Kuhhaut. Aber wenn ich von einem artefaktischen Zeichen spreche, ist mir sinnenklar, was für einen Zweck es erfüllt.

            Neben der Metapher gibt es auch die De-Kontextualisierung, die bewusst eingesetzt wird. Man sagt etwa Arbeitgeber anstatt Lohngeber und dekontextualisiert die Ausdrück Arbeit und Lohn, weil man damit politische Absichten verfolgt. Wenn solche De-Kontextualisierungen hinreichend durchgesetzt sind, erscheinen sie als normaler Sprachgebrauch – aber das heisst natürlich mitnichten, dass es mein Sprachgebrauch auch sein sollte. Ich wähle meine Worte selbst.

            Es muss ja nicht die Bohrmaschine sein, aber sag mir irgendein Werkzeug das nicht in sich (essentialistisch/immanent/und wie Du das immer nenen magst) seine Zweck trägt, weil es als gegenständliche Bedeutung hergestellt wurde.

            • PB  On May 13, 2012 at 1:55 PM

              Rolf, hast Du noch Deine TODO-Liste? Vielleicht kannst Du noch für mich als TODO-Thema eintragen: *Dekonstruktion von eigentlichem / uneigentlichem Gebrauch / Mißbrauch* [das ist eine Aufgabe für irgendwann später].

              “Ich wähle meine Worte selbst.”
              Tja, nur wer soll dieses “Ich” sein? Im Denkprozeß scheint es sich mir eher so zu verhalten, als würden sich gewisse Gedanken und dann auch Worte gegen konkurrierende Gedanken / Worte “durchsetzen”. Es läßt sich daher keine Instanz als Ich-Kontrolleur ausmachen, die dahinter die Bewußtseinsfäden zöge. Das ist eher eine sprachbedingte Zuschreibung im Rahmen eines hochirritablen Prozeßsystems…
              Zudem: Du magst Dir die Selektion von Worten zuschreiben. Aber Du kannst die Dynamik der Anschlüsse (Bedeutungszuweisungen, etc.) einfach nicht kontrollieren. Das scheint mir das Dilemma aller “individualistisch” ansetzenden Positionen in der Semiose / Kommunikation zu sein.

              > Es muss ja nicht die Bohrmaschine sein, aber sag mir irgendein Werkzeug das
              > nicht in sich (essentialistisch/immanent/und wie Du das immer nenen magst)
              > seine Zweck trägt, weil es als gegenständliche Bedeutung hergestellt wurde.
              Nimm ein Messer. Du kannst damit “schaben”, “schneiden”, “kratzen”, (ggf.) “bohren”, es “werfen”, etc. Ich kann hier keinen singulären Zweck erkennen, der irgendwie “immanent” wäre, sondern eher eine offene, soziokulturell und kontextuell bedingte Vielzahl von möglichen Gebrauchsweisen von Messern (die dann auch noch entsprechend ausdifferenziert werden -> diverse Spezialisierungen von Messern,, Übergang zu Schwerten und sonstigen Klingen, etc.).
              Du kannst dann versuchen, das essentialistisch zurückzurechnen auf einen “eigentlichen Zweck”. Das folgt freilich nur der Logik der essentialistischen “Mustererkennung”, die man heute aushebeln kann (siehe meinen Blogpost vor einiger Zeit).

            • kybernetiks  On May 13, 2012 at 5:47 PM

              ich spreche nicht von “Denk”prozessen, sondern davon, dass ich spreche oder schreibe. Und dabei ist mir sinnenklar, dass ich mit “ich” auf einen anderen Beobachter verweise als mit “Du”.
              Das psychologistische Ding, von welchem Du schreibst (in welchem sich Gedanken durchsetzen… usw), kenne ich nicht, aber ich gehe davon aus, dass Peter den Text geschrieben hat, den ich jetzt vor meinen Augen habe, und dass ich diesen Peter von allen anderen Menschen unterscheiden kann und ihn mit Du ansprechen kann.

              Die TODO-Liste ist nicht “meine” Liste, sondern “unsere”. DU hast sie zum grössten Teil, wenn nicht ganz geschrieben. Ich meine auch damit nicht irgendwelche Hirnströme in irgendeinem Bewusstsein, sondern den Menschen, den ich als Peter kenne und der dafür haftet, was er schreibt.

            • Peter Bormann  On May 13, 2012 at 7:47 PM

              > Und dabei ist mir sinnenklar, dass ich mit “ich” auf einen anderen Beobachter verweise als mit “Du”.
              Dir ist aber schon klar, daß “Ich”, “Du” oder sonstige Kommunikationsadressen, die als “Eigennamen” daher kommen, weder existieren noch als
              Referenten für das sprachliche Funktionieren vorauszusetzen sind. Daran ist übrigens nichts “sinnenklar”, weil das Voranstehende den meisten Leute
              “nicht” klar ist.

              Unabhängig davon: selbst ein Materialist kommt um`s Denken nicht herum. Ansonsten wäre es auch nichts mit dem Gebrauch von irgend welchen Zeichen.
              Denn da wäre einfach “nichts”.

    • Peter Bormann  On May 12, 2012 at 7:46 PM

      > Peter, mir scheint, dass es verschieden Möglichkeiten des Formulierens gibt, was ich als Differenz > Privatsprache begreife, die immer wieder aus Machtpositionen angegriffen wird. Irgendjemand will
      > ein Formulierung DURCHSETZEN indem er behauptet, sie sei nicht privat ( /öffentlich/politisch/
      > sozial usw usw.)
      Nun ja, das wurde schön des öfteren andiskutiert. Es macht für mich keinen Sinn, den ganzen Sprachgebrauch auf Ideolekte zu reduzieren, weil dadurch die Diskurs- bzw. Semantik-Traditionen ausgeblendet werden, in denen wir sprechen / schreiben.

      Das mit der Macht ist mir auch nicht klar:
      Eine überlegene Macht kann sich gegen eine schwächere Gegenmacht mit Blick auf das Auslösen oder Vermeiden von Handeln durchsetzen, z.B. durch Befehl und durch Rekurs auf Sanktionsmittel (oder zumindest die Androhung ihres Einsatzes). Aber das geschieht nicht durch irgend welche diskursiven “Behauptungen”. Hierbei werden vielleicht “Annahmezumutungen” formuliert, die aber gerade durch den Überzeugungsgestus Widerstand auslösen. Macht würde freilich solchen Widerstand überwinden können – wenn sie denn “funktioniert” (was nicht immer der Fall sein muß).

  • kybernetiks  On May 13, 2012 at 10:34 AM

    Macht bezeichnet die Differenz zwischen Durchsetzung und Durchsetzungsanspruch. Wenn man sagt, dass es eine Semantik-Tradition gebe, der man zu folgen habe, ist das ein Durchsetzungsversuch. Dieser Versuch gelingt unter gegeben Machtverhältnissen, beispielsweise zwischen einem Prof und einem Student. (Prof. P. Fuchs beispielsweise hat in der Liste immer wieder geltend gemacht, dass er wisse, was die Luhmannsche Theorie wirklich sei, es ist ihm aber nie gelungen das durchzusetzen. Also hat er seinen Machtbereich reduziert in ein Homespiel, wo er das sagen hat – wenigstens territorial.

    Ich plädiere dagegen dafür, dass es keine – von jemandem erkennbare – semantischen Traditionen gibt. Es mag implizite Traditionen geben, aber wer sich so darauf beruht, wie wenn er se erkennen könnte, spricht über WIRKLICHKEIT, die er anderen aufzwingen will

    • PB  On May 13, 2012 at 1:10 PM

      “Macht bezeichnet die Differenz zwischen Durchsetzung und Durchsetzungsanspruch.”
      Hm, ich würde Macht auf die Handlungsdimension begrenzen. Nicht jede Behauptung von was auch immer, hat schon etwas mit “Macht” zu tun. Letzteres
      (als Diskursmacht, Medienmacht, blablabla, verstanden) verwässert den Machtbegriff bis zur Unbrauchbarkeit (auch und gerade in der wirren Michel-Foucault-Tradition).

      “Prof. P. Fuchs beispielsweise hat in der Liste immer wieder geltend gemacht, dass er wisse, was die Luhmannsche Theorie wirklich sei”.
      Das würde ich nicht so sehen. Niemand kann wissen, was eine Theorie, ein Text, eine Aussage , etc. “wirklich sei/bedeutet”. Aber das heißt nicht, daß jede Beliebigkeit z.B. bei der Interpretation durchgelassen werden muß.

      Und das ist durchaus ein Unterschied: es läßt sich m.E. nicht feststellen, welche Interpretation die “einzig wahre, richtige, wirkliche, etc.” ist (denn: wer kann das schon “wissen” und “demonstrieren”?). Aber es kann oft festgestellt werden, wann eine Interpretation bspw. total an Texten vorbeigeht, weil sich mit letzteren u.U. in keinster Weise befaßt wurde.

      Aber von “Interpretationsmacht” in der Liste würde ich z.B. nicht sprechen wollen. Denn: Was sollten die Sanktionsmöglichkeiten sein? Daß man “ignoriert” wird?
      Come on, Rolf, who cares?

      > Ich plädiere dagegen dafür, dass es keine – von jemandem erkennbare –
      > semantischen Traditionen gibt. Es mag implizite Traditionen geben, aber wer
      > sich so darauf beruht, wie wenn er se erkennen könnte, spricht über
      > WIRKLICHKEIT, die er anderen aufzwingen will
      “Geben / nicht geben ” paßt nicht. Es geht um beobachtungsrelativen Unterscheidungsgebrauch, also: was läßt sich wie “beobachten”?
      Aber nicht alles, was sich beobachten läßt, ist automatisch auch “plausibel”.

      Es sein denn, man versucht, kritische reflexive Prüfungen zu suspendieren, wie das Klaus in seinem differentia-Blog durchspielt – und landet dann bei einer Assoziologie, die als essayistisches Prosagedicht enden kann: man assoziiert mehr oder minder Beliebiges vor sich hin und jede(r) pickt heraus, was ihm gefällt. Kann man tun – muß man nicht.

      Es geht in Wissenschaftskontexten übrigens nicht einfach nur um “semantische Traditionen”, sondern um ihre nachvollziehbare (ideengeschichtliche, diskurstheoretische, etc. “Rekonstruktion”. Ob man dem dann “zustimmt oder nicht”, ist freilich eine ganz andere Frage.

  • Rolf Todesco  On May 14, 2012 at 10:01 AM

    ok, Peter – es hat uns schon wieder erwischt, aber vielleicht gelingt es uns jetzt und künftig unsere Standarddifferenzen loszulassen und uns auf Technik zu konzentrieren, was ja heissen soll: Sozialsystem Technik.

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