ERP / Business Process Reengineering / Management / Modellierung

“SAPisierung” ist wohl kein guter Begriff, um moderne Automatisierungsprozesse in Organisationen (Firmen, Behörden) zu charakterisieren, weil das nur auf einen Firmeneigenname verweist und niemand weiß, was genau damit gemeint ist:
Enterprise Resource Planning = ERP,
Customer-Relationship-Management = CRM,
Business Process Engineering / Management / Modeling,
Supply Change Management = SCM,
etc.?
Für Interessierte nachfolgend einige Wikipedia-Artikel zum Einstieg (plus einige zentrale Folgen dieser Computerisierungsvarianten):
ERP:  http://de.wikipedia.org/wiki/Enterprise-Resource-Planning
“Im Kontext der Strategischen Planung eines Unternehmens muss eine Bewertung stattfinden, ob die Einführung einer ERP-Lösung einen Wettbewerbsvorteil für das Unternehmen generiert. Heutzutage gilt für Großunternehmen, dass ein ERP keinen Wettbewerbsvorteil mehr darstellt, da inzwischen die meisten Industrieunternehmen ein solches einsetzen. Dadurch ist die Verwendung eines ERP-Systems eher als Hygienefaktor zu werten, d. h. mit dem System ist man nicht besser als die Konkurrenz, aber ohne ist man schlechter.” [aus dem besagten Wikipedia-Artikel]

Geschäftsprozeßmanagement (Business Process Management):  http://de.wikipedia.org/wiki/Prozessmanagement

 Folgen der BP-Orientierung in Organisationen [aus obigem Wikipedia-Artikel]: 

  1. “Organisation des Unternehmens
    Subsidiarität – Verlagerung von Befugnissen in niedrigere Hierarchieebenen. Dadurch werden größere Entscheidungsfreiräume geschaffen und Verantwortung auf die einzelnen Mitarbeiter übertragen.
    Zusammenfassung funktionell getrennter, aber prozessual zusammengehöriger Aufgaben, wodurch den Mitarbeitern Einblicke in die eigentliche Tätigkeit vor- und nachgelagerter Bereiche ermöglicht wird.
  2. Technische Infrastruktur
    Überprüfung bestehender Informationssysteme auf Prozessunterstützung
    Einführung neuer Arbeitsablauf- oder Arbeitsfluss-Systeme
  3. Führungsaufgaben
    Prozessmanagement verlangt eine neue und verbesserte Form derUnternehmensführung.
    Durch die Kundenorientierung gibt es den Trend, Prozesse beim Kunden beginnen und enden zu lassen. Diese Prozesskette verbindet einzelne Abteilungen miteinander.
    Mitarbeiter bekommen die Verantwortung für einzelne Prozesse übertragen (Prozessverantwortung) und können (teil)autonom über die Prozesskennzahlen geführt werden. Der Mitarbeiter erkennt seine Wichtigkeit und den Sinn seiner Arbeit innerhalb der Prozesskette, bekommt einen größeren Handlungsspielraum und sieht direkt die Erfolge seines Einsatzes auf seinen Verantwortungsbereich. Die Erfolgserlebnisse sowie die zusätzliche Verantwortung motivieren die Mitarbeiter.
    Die prozessorientierte Unternehmensführung benötigt aber auch die Information der Mitarbeiter, die auch über die Richtung der Unternehmensentwicklung informiert werden sollten. Deshalb wird eine Kommunikation der Visionen, der strategischen Leitlinien und operativen Handlungsziele an alle Mitarbeiter durch geeignete Kommunikationsmittel und Weiterbildung zunehmend wichtig.”

Business Process Reengineering (BPR): http://de.wikipedia.org/wiki/Business_Process_Reengineering
Einige Folgen [wiederum aus besagtem Wikipedia-Artikel]: 
“Die Auswirkungen dieses Konzepts werden äußerst unterschiedlich beurteilt.

  1. Die Befürworter betonen die Notwendigkeit des Paradigmenwechsels in der Unternehmensorganisation hervorgerufen durch die Informationstechnologie und dieGlobalisierung. Diese Positionen nähern sich in der aktuellen Diskussion einander an. So betonte Michael Hammer zuletzt die Bedeutung der Prozessanalyse und schwächte die Forderungen nach fundamentalen und radikalen Eingriffen ab. Die Hoffnung auf „dramatische Verbesserungen“ wurde zunehmend ersetzt durch das Ziel, einen Abwärtstrend in der amerikanischen Volkswirtschaft zu stoppen und Konkurrenzfähigkeit wiederherzustellen. Auf der anderen Seite ist es mittlerweile allgemeines Gedankengut, dass Geschäftsprozesse definiert und optimiert werden müssen. Nicht zuletzt macht die konsequente Nutzung der Potenziale der Informationstechnologie ein radikales Neudenken von Prozessen erforderlich.
  2. Kritiker bemängeln die zu geringe Berücksichtigung der erworbenen Erfahrungswerte, die in den bestehenden Geschäftsprozessen abgebildet sind, und die Missachtung des notwendigen Lernprozesses der Mitarbeiter des Unternehmens. Shapiro verweist auf Umfragen in den USA und Europa, wonach nur 33 % der Unternehmen nach Abschluss von Reengineering-Projekten über Erfolge, 25 % jedoch über keine dem Aufwand entsprechenden Resultate berichteten.
  3. Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Kritikpunkt ist die geringschätzige Betrachtung des mittleren Managements. Dieses wird als Hindernis bei der Implementierung von BPR angesehen, das so schnell wie möglich abgebaut werden sollte. Das mittlere Management leistet Widerstand, da die Neuordnung der Organisation zu erheblichen Personaleinsparungen führen soll und durch die Ausbildung flacherer Hierarchien die persönlichen Aufstiegschancen sinken.”

Business Process Modellierunghttp://de.wikipedia.org/wiki/Business_Process_Modeling


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Comments

  • kybernetiks  On May 13, 2012 at 12:49 PM

    > “SAPisierung” ist wohl kein guter Begriff, um moderne
    > Automatisierungsprozesse in Organisationen (Firmen, Behörden)
    > zu charakterisieren, weil das nur auf einen Firmeneigenname
    > verweist und niemand weiß, was genau damit gemeint ist …

    Ich finde SAPisierung ist ein perfektes Wort, um SAP-Prozesse zu thematisieren. Es geht dabei nicht um Automatisierung im konventionellen Sinn und auch nicht um Standardisierung oder Prozessplanung, sondern um eine tayloristische Zerlegung der Arbeit.

    Die Sache mit einem Firmennamen zu bezeichnen, finde ich auch ambivalent, aber nicht, weil unklar wäre, was gemeint ist, sondern weil so für die Firma Werbung gemacht wird – solange es als Werbung aufgefasst werden kann.

    Taylorismus bezieht sich auch auf einen Eigennamen (die lustige Wikipedia schreibt alternativ “Scientific Management”, weil F. Taylor die Sache so genannt hat, da er ja noch nicht von Taylorismus reden konnte). Scientific Management ist übrigens ein guter Sammelausdruck für alle oben angeführten XY-Abkürzungen.

    • Peter Bormann  On May 13, 2012 at 1:15 PM

      Hm, das bleibt mir persönlich alles zu allgemein:
      “Arbeitszerlegung”, “scientific management”…

      Ich möchte eigentlich wissen, was hier “genau” passiert, wenn bspw. ERP-Systeme, Process Engines, etc. eingeführt werden. Von zu “Allgemeinem” werde ich nicht recht satt: weder theoretisch noch in der konkreten Analyse von Business Processes, weil dann alle Katzen “unicolor” zu sein scheinen.

      • kybernetiks  On May 13, 2012 at 4:32 PM

        hmmm… ich dachte, Du wüsstest, was da genau passiert bei ERP-Software. Laut Deinem Wiki-Link deckt SAP mehr als 50% davon ab und es scheint nicht ganz abwegig anzunehmen, dass die paar Konkurenzprodukte (=Anwendungssoftware) etwa dasselbe tun.

        Da steht Anwendungssoftware … d. h. „zur Lösung von Benutzerproblemen, z. B. zur Buchhaltung“.

        Gemeint ist wohl, dass die Probleme nichts mit Informatik zu tun haben, sondern andere Brachen/Geschäftsbereiche betreffen, typischerweise eben Buchhaltung, Arbeitszeiterfassung und dergleichen “sientific Management” Sollte das für uns interessant sein?

        • Peter Bormann  On May 13, 2012 at 7:34 PM

          ERP-Systeme sind älter als das, womit ich mich aktuell beschäftige (die Modellierung und Exekution von Business Processes im Rahmen von serviceorientierten Applikationen und Architekturen).
          Hierbei sind nicht einfach alle Katzen “grau” und gleich “öde”.

          > Sollte das für uns interessant sein?
          Das ist dann für uns interessant, wenn untersucht würde, wie Organisationen
          “genau” auf die Implementierung solcher Systeme reagieren [und das war wohl eine der Fragen im SAPisierung-Post, oder?]. Der Verweis auf “scientific management” ist dafür viel zu “oberflächlich”.

          Für Deinen rein technischen Fokus ist das zunächst weniger interessant. Aber eine Frage ist, wie neue technische Problemlösungen sich auf die durch Vorgängertechniken aufgeworfenen Probleme (schlechte Erweiterbarkeit von Legacy-Systemen, etc.) beziehen, so daß sich eine technische Eigendynamik entwickelt, die auch die Organisationssysteme affiziert.

          • Rolf Todesco  On May 13, 2012 at 7:51 PM

            ja, um es wieder einmal zu wiederholen: das Sozialsystem Technik reagiert mit Technik auf Technik. Das Managerzeugs ist Umwelt. Und dass Manager Technik nachäffen, ist klar, weil Technik zeigt wos lang geht. “Sientific Management” trifft genau das sehr gut – und man müsste mir zeigen, wo irgendetwas im Management über Taylorismus hinaus geht.

            • Peter Bormann  On May 13, 2012 at 8:22 PM

              > Und dass Manager Technik nachäffen, ist klar, weil Technik zeigt wos lang geht. “Sientific Management” trifft genau das sehr gut – und man müsste mir
              > zeigen, wo irgendetwas im Management über Taylorismus hinaus geht.
              Definitiv “No”. Technik kann nicht allein bestimmen, wo es “technisch” lang geht, weil hier “constraints” wirken (Budgetvorgaben, juristische Richtlinien, organisatorische Mikropolitik, etc.). Das ist eine viel zu simplistische Technik-Sicht, die schon beim Hardware-Determinismus à la Kittler sehr gestört hat.

  • Rolf Todesco  On May 14, 2012 at 10:07 AM

    Peter, dann werden wir vielleicht noch über operationelle Geschlossenheit von Sozialsystemen nachdenken müssen. Die Umwelt setzt keine Constrains, oder?
    Oder was heisst Geschlossenheit? Oder meinst Du eine andere Theorie?

    Für mich heisst Geschlossenheit, dass Technik ausschliesslich auf Technik reagiert und nur Technik macht (bei aller vorläufigen Unbestimmtheit, was Technik hier heissen soll).

    • Peter Bormann  On May 14, 2012 at 6:54 PM

      Die Schwierigkeit beginnt für mich damit, wie ich im Rahmen der Systemtheorie “Technik” am besten konzeptualisieren kann:
      * Medium-Form-mäßig? Wobei dann die Konstruktionsanweisungen (Prädeskriptoren) kommunikativ aneinander anschließen würden.
      * Oder wird Technik kybernetisch in Deinem Sinne konzipiert? Und dann gefragt, wie sich ein sozial zu schließender Operationszusammenhang bestimmen läßt (Anschlüsse der “kybernetischen Mechanismen”?).
      Das ist kein “Entweder-Oder”, sondern ein “Sowohl-Als auch” – und dann `mal schauen, wie weit wir damit kommen.

    • Peter Bormann  On May 14, 2012 at 7:01 PM

      Die besagten “constraints” würde ich auch als Zuschreibungen konzipieren, die der Umwelt eines möglichen Techniksystems zugerechnet werden.

      Oder als anderer Formulierungsversuch: juristische, ökonomische, (mikro-)politische, etc. “Vorgaben” werden als Irritationen in technisch (i.e.: für technische Kommunikationen) relevante Informationen transformiert.

      • kybernetiks  On May 14, 2012 at 7:19 PM

        ja das ist diese Halbherzigkeit in bezug auf Geschlossenheit:
        ein Geschlossenes System reagiert auf Perturbation( Irritation), aber es hat keine Ahnung woher die Perturbation kommt. Es weiss nur welche Prozesse sich bei welcher Art Perturbation schon bewährt haben.
        Die Technik kümmert sich nicht um Markt oder Juristereien. Wenn eine bestimmte Technik nicht geht (warum auch immer) wird sie ersetzt.
        Nur schlaue Soziologen sehe von aussen strukturelle Koppelungen und meinen, das würden die Systeme auch irgendwie mitbekommen – das sind Theoriezusammenbrüche.

        • PB  On May 14, 2012 at 7:28 PM

          Nur kurz noch – muß mich heute noch um anderes kümmern:
          “Die Technik kümmert sich nicht um Markt oder Juristereien. Wenn eine bestimmte Technik nicht geht (warum auch immer) wird sie ersetzt.”
          Ich würde das auf funktionssystemspezifische Kommunikationsströme beziehen.
          Aber es ist dann die Frage, wie sich diverse Kommunikationsströme in Organisationen und Projekten aufeinander beziehen (als juristische, politische, ökonomische, technische, etc. Kommunikationen).

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