Reverse Engineering – Re-Engineering

ich halte sehr wenig von solchen Wikipedia-Ideologien, aber hier dienen sie mir um einen markanten Unterschied zu erläutern. Einmal ist von Engineering die Rede und auch Engineering gemeint, das andere Mal ist von Engineering die Rede, aber Management gemeint, das sich mit “Engineering” wichtig machen will.

Das eine ist SAPisierung und das andere ist Ingenieursarbeit.

Reverse Engineering (engl., bedeutet: umgekehrt entwickeln, rekonstruieren, Kürzel: RE), auch Nachkonstruktion, bezeichnet den Vorgang, aus einem bestehenden, fertigen System oder einem meistens industriell gefertigten Produkt durch Untersuchung der Strukturen, Zustände und Verhaltensweisen, die Konstruktionselemente zu extrahieren. Aus dem fertigen Objekt wird somit wieder ein Plan erstellt. Im Gegensatz zu einer funktionellen Nachempfindung, die ebenso auf Analysen nach dem Black-Box-Prinzip aufbauen kann, wird durch Reverse Engineering angestrebt, das vorliegende Objekt weitgehend exakt abzubilden. Häufig wird versucht, zur Verifikation der gewonnenen Einsichten eine 1:1-Kopie des Objekts anzufertigen, auf deren Basis es grundsätzlich möglich ist, Weiterentwicklung zu betreiben.

Re-Engineering ist ein Konzept für die durchgreifende Änderung von Produktions-/Geschäftsprozessen in Betrieben. Das Resultat sind Verbesserungen in entscheidenden messbaren Leistungsgrößen in den Bereichen Kosten, Qualität, Service und Zeit. Re-Engineering bedeutet, altbekannte Vorgehensweisen aufzugeben und die Arbeit, die in den Produkten und Dienstleistungen eines Unternehmens steckt, aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten, sowie dem Kunden einen neuen Wert zu bieten. Im engeren Sinne bedeutet Re-Engineering die Umformung zu einem ganzheitlichen Arbeitsverfahren, bei dem tayloristische Elemente weitgehend verschwinden. So werden zum Beispiel die Materialbeschaffung, die Produktion, das Marketing und der Versand zusammengefasst und nicht mehr in getrennten Abteilungen oder Abläufen abgewickelt.

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Comments

  • PB  On May 13, 2012 at 9:37 PM

    Hm – einmal geht`s um “soziale” und ein anderes Mal um “technische” Systeme. Und weiter?

    Glaubst Du etwa die Marketing-Abteilungen technischer Anbieter sind nicht
    hochkreativ bei der Wortakrobatik?
    Und wie steht`s mit den ganzen Hypes (SOA, mobile computing, I-irgend was, Cloud…), die als Säue immer wieder neu durch die IT-Dörfer getrieben werden.

    Marketese, bullshit bingo, u.ä. sind auch Teil der Techniker-Welt. Dazu bedarf es keiner BWLer- oder Manager-Ressentiments.

  • Rolf Todesco  On May 14, 2012 at 10:34 AM

    hmmm… jenseits von Ressentiments gegen alles Marketing: Würdest Du auch unterscheiden zwischen diesen beiden “Engineerings” und die Unterscheidung auch so aufteilen, dass von BWL und Techniker-Welt die Rede ist.

    Oder findest Du man sollte die beiden Wiki-Beiträge zusammenlegen, weil sie dasselbe in derselben Welt beschreiben?

    Vielleicht können wir hier anfangen mit dem Sozialsystem und seiner Abgrenzung?

    • PB  On May 14, 2012 at 6:39 PM

      Ich frage mich, ob bei Dir (aber vielleicht auch im Wikipedia-Artikel) mit Blick auf “Business Process Engineering” nicht ein Mißverständnis vorliegt:

      Hier werkeln nicht nur Domänexperten (z.B. BWLer) herum, sondern es kommen auch ITler zum Zuge im Sinne des Modellierens bzw. (visuellen) Programmierens (Programmieren mit Business Process-Modellen).

      Diese fachlichen Modelle werden durch die IT-Seite technisch “verfeinert” und dann exekutierbar gemacht:
      1) als direkte Exekution durch sog. “Process Engines”,
      2) nach Mapping, d.h.: Abbildung auf bzw. Transformation in, Code (gerade BPEL), der dann durch BPEL Process Engines exekutiert wird,
      3) als Einbindung von (z.B. BPEL) Code in serviceorientierte Applikationen (was auch manuelle Codierung beinhaltet)

      “BP Engineering” ist also keine reine Management- oder Fachbereichsexperten-Veranstaltung, sondern es geht um das Zusammenspiel von Business- und IT-Seite mit dem Anspruch der weiteren Reduzierung des “business-IT gaps” (m.E. ein letztlich unlösbares Problem, das deshalb immer wieder neue Problemlösungen hervorbringt).

      Sinnvoll ist Deine Unterscheidung der jeweiligen Systemreferenzen durchaus:
      * Technische Systeme
      * Soziale (hier wohl v.a.: organisatorische und interaktionale) Systemreferenzen

      Im BP-Eng. verbinden sich jedoch “beide” Systemreferenz-Perspektiven, weil nicht nur organisatorische Prozesse analysiert, dokumentiert, transformiert und ggf. optimiert, sondern aus diesem “fachlichen” (also noch nicht technisch zugeschnittenen) BP-Pool auch diejenigen Prozesse selegiert werden sollen, die für eine Automatisierung (= Exekution auf Process Engines / im Rahmen von serviceorientierten Anwendungen) in Frage kommen.

      Die ganze Automatisierungsseite ist dann IT-Angelegenheit:
      * Technische Spezifizierung der fachlichen Business Processes
      * Direkte / indirekte Exekution von Business Processes auf besagten Process Engines oder die Integration des gemappten Codes in entspr. Applikationen
      * Testen der BPs, usf.

      Wer sich für Details interessiert: Im angesprochenen IT-Blog möchte ich eine detaillierte Fallstudie vorstellen, die das komplette Programm (fachliche BPs, technische BPs, Transformation in BPEL-Code, Integration in eine serviceorientierte Applikation) mit unterschiedlichen Technikvarianten durchspielt. Freilich: alles in Englisch (wie das ganze Blog).

      Aber vielleicht hat ja der eine oder die andere Lust, sich das demnächst einmal anzuschauen. Dann dürfte vieles, was jetzt fremd klingt, noch fremder klingen :-).
      Also cave canem: Das ist wohl eher etwas für die IT-Mädels und -Buben. Geistes- und Sozialwissenschaftler(innen) dürfte das wohl wie “dionysisches Rauschen” (Klaus Kusanowsky) vorkommen, womit der Kreis zur Assoziologie des differentia-Blogs geschlossen wäre ;-)

      Hier auch noch ein Buchtip: http://www.amazon.de/Geschäftsprozesse-automatisieren-mit-BPEL-ebook/dp/B006JRV5ZW/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1337017864&sr=8-2

      > Vielleicht können wir hier anfangen mit dem Sozialsystem und seiner
      > Abgrenzung?
      Es wäre vielleicht einfacher, auf Funktionssystemebene anzufangen.
      Das Wechselspiel von technischen Systemen und Organisationssystemen ist zwar recht anschaulich zu machen, aber ich meine, daß hierbei die komplexe Detailfülle am Anfang “erschlägt”. Hier kann man rasch vom Hundertsten ins Tausendste kommen.

      • Peter Bormann  On May 14, 2012 at 6:46 PM

        Zusatz:
        Ich würde beim BP-Eng. und der zugehörigen Fallstudie auch deshalb gerne noch warten, weil ich den Baecker-Ansatz zur Management- und Organisationsmodellierung verwenden möchte. Diese Modellierung soll dann mit der BP-Modellierung “kurzgeschlossen” werden – denn eine Klage ist, daß die Organisation bei der BP-Analyse unter den Tisch fällt.
        Ich weiß noch nicht, wie das Zusammenspiel (z.B. von BPMN und Baeckers Formtheorie) im Detail aussehen wird. Aber es interessiert mich, wie weit ich damit kommen kann. Dazu muß ich jedoch erst Baeckers neuere Arbeiten konsultieren, denn ich bin nicht mehr up-to-date – und das ist derzeit ein Zeitproblem.

      • kybernetiks  On May 14, 2012 at 7:31 PM

        hmmm.. ich glaube mehr, dass IT-Leute auch sehr oft ins Management wechseln und dabei so tun als ob sie Informatiker wären (weil sie das mal studiert haben). Ich finde die beiden Artikel sehr schön auseinander gehalten, und sehe ohne weiteres dass Vermengungen und Vermischungen aller Art denkbar sind.

        Meine Idee war eben dieser Trennung zu folgen, damit wir nicht immer diese Managerebenen bis zum Tausendsten mitdenken müssen. Mir wäre es wichtiger, die Arbeit von Informatikern, die “technisch” arbeiten zu betrachten.

        Die Vorstellung von BP ist dabei beliebig, technisch spielt es keine Rolle, was programmiert wird, oder? Vielleicht bruche ich da etwas Aufklärung?

        • Peter Bormann  On May 14, 2012 at 7:49 PM

          > Die Informatiker, die “technisch” arbeiten?
          Wieso sollen die Informatiker, die fachliche BPs technisch raffinieren / modellieren / testen, etc., um sie dann automatisierbar zu machen, “un-technisch” arbeiten? Nur weil sie nicht auf der OS-Ebene herumwerkeln?
          Du hast echt lustige Vorstellungen von Softwareentwicklung im Enterprise-Bereich.
          > … technisch spielt es keine Rolle, was programmiert wird??
          Modellieren als visuelles Programmieren ist bspw. etwas abstrakter als normales Coden. Und modellieren muß auch nicht unbedingt programmieren bedeuten…
          Irgendwie stören mich bei Dir die vielen “unicolor-Katzen” (alles scientific management, alles nur programmieren, alles schon immer dagewesen, alles nichts Neues). Das ist irgendwie nicht sonderlich “erkenntnisförderlich”, findest Du nicht?

          • kybernetiks  On May 15, 2012 at 10:31 AM

            > Wieso sollen die Informatiker, die fachliche BPs technisch raffinieren
            > / modellieren / testen, etc., um sie dann automatisierbar zu machen,
            > “un-technisch” arbeiten? Nur weil sie nicht auf der OS-Ebene herumwerkeln?

            Du missverstehst mich völlig. Mit technisch arbeiten meine ich das
            umfassende Herstellen von Software im Unterschied zu Management”arbeiten”,
            wo es um Firmenführung, Personalführung, betriebliche Organisation usw geht.
            Mein damaliger Chef des Softwarehause war einerseits Informatiker und andererseits
            Chef der Firma. Er hat diese beiden Rollen nie trennen können.

            >> … technisch spielt es keine Rolle, was programmiert wird??
            > Modellieren als visuelles Programmieren ist bspw. etwas abstrakter als
            > normales Coden. Und modellieren muß auch nicht unbedingt programmieren
            > bedeuten…

            Das ist der Punkt: Wird modelliert, was die Software schliesslich macht,
            oder wird die Personalstruktur a la Taylor modelliert, so dass se zur
            SAP-Software passt.

            Natürlich muss man in kapitalistischer Sicht diesen Unterschied nicht machen,
            wenn man wie Taylor explizit Maschinen und Menschen als Zahnräder einer
            Organisation auffasst.
            Dann ist man in einem Bereich des Soziotechnischen Systems von G. Ropohl,
            das der Soziologe Veblen als Technokratie beschrieben hat.

            > Irgendwie stören mich bei Dir die vielen “unicolor-Katzen” (alles
            > scientific management, alles nur programmieren, alles schon immer
            > dagewesen, alles nichts Neues). Das ist irgendwie nicht sonderlich
            > “erkenntnisförderlich”, findest Du nicht?

            hmmm .. da stören wir uns gegenseitig so, dass wir dem andern wohl
            DASSELBE vorwerfen. Ich glaube, das könnten wir nur aufbrechen, wenn
            wir uns dem Sozialsystem/Funktionssystem zuwenden würden.
            (Ich habe Deine Unterscheidung diesbezüglich noch nicht verstanden
            siehe anderen Kommentar)

      • kybernetiks  On May 14, 2012 at 7:33 PM

        ähh … was meinst Du mit Funktionssystem im Unterschied zu Sozialsystem? Was ist Wissenschaft in dieser Einteilung?

        • PB  On May 14, 2012 at 8:22 PM

          Sozialsystem = Fkt.ssy, Orga, Familie, Interaktion (freilich: als Nah- und Fern-Interaktionen mit Blick auf moderne Tele-Medientechniken)
          Wissenschaft = Fkt.ssystem, Unis, u.ä. = Orgas

          • kybernetiks  On May 15, 2012 at 10:52 AM

            > Sozialsystem = Fkt.ssy, Orga, Familie, Interaktion (freilich: als Nah-
            > und Fern-Interaktionen mit Blick auf moderne Tele-Medientechniken)
            > Wissenschaft = Fkt.ssystem, Unis, u.ä. = Orgas

            Aha, Sozialsystem als Oberbegriff für Funktionssystem?? So wie Katze zu Tiger?
            Und dann sollen wir den Ausdruck Funktionssystem verwenden, statt den Oberbegriff Sozialsystem, wenn wir von einem allfälligen Technik-System sprechen?

            Falls Du das so meinst, sage ich ja gut, von mir aus.
            Und dann frage ich mich, ob wir den Katalog von P. Fuchs ernst nehmen sollen, oder ob Du ein andere Vorgehen im Auge hast, wie das System “konstruiert” werden könnte.

            Das sind zwei Fragen.

            • PB  On May 15, 2012 at 11:10 AM

              Nur kurz (muß mich heute und die nächsten Tage um anderes kümmern):
              “Funktionssystemspezifischer Kriterienkatalog” ist ok, nicht weil ich dem restlos
              zustimme, sondern weil das (mangels Zeit) zunächst der einfachste Einstieg ist.
              ~Peter

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  • By Die Arbeit der Informatiker « kybernetics on May 15, 2012 at 12:12 PM

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