Makaber: NZZ verlangt 100 Jahre nach Taylor mehr Fliessbandarbeit in der Schweiz

Makaber:  Die NZZ  (31.5.2012, Titelseite !!) verlangt genau 100 Jahre nach F. Taylor mehr Fliessbandarbeit in der Schweiz und will das mit dem Frankenkurs begründen, womit sie sogar weit hinter Taylor zurückfällt. Die ganze Arbeitswissenschaft seit den 1960er Jahren hat ausnahmslos auf Taylor und auf dem Taylorismus herumgeritten. Da gab es allerlei “Autonome Arbeitsgruppen”, die alle viel menschlicher und viel effizienter waren – und jetzt kommt die NZZ und spielt alles Wissen der Wissenschaften nach F. Taylor an die Wand.

Aufräumen in Schweizer Fabriken
Übergang zu Fliessbandproduktion
Gy. · Die Zeit der Frankenstärke macht es für Schweizer Unternehmen erst recht zur dringlichen Aufgabe, in ihren Werkstätten und Fabriken so viel als möglich aus den hiesigen Kapazitäten herauszuholen. Es mag erstaunlich wirken, aber selbst nach jahrelangen Bemühungen um verbesserte Produktionsabläufe gibt es offenbar vielerorts noch Spielräume für deutliche Effizienzgewinne. Indizien dafür sind etwa Gegenstände oder Vorräte, die in Fabriken nutzlos herumstehen. Aufräumen heisst in diesen Fällen Platz, Zeit und Klarheit gewinnen. Eine wichtige Rolle spielt auch für KMU die Umstellung von traditioneller Werkstattfertigung auf eine Produktion, die sich an den Fliessband-Modellen der Autoindustrie orientiert.

Der Hintergrund ist natürlich auch süffisant: Die Abschaffung der Fliessbandarbeit wurde vor allem (wenn nicht sogar ausschliesslich in der (zuerst skandinavischen) Autoindustrie propagiert: menschenwürdiges Arbeiten und die Negation davon bei Charlie Chaplin, während aktuell Teile der deutschjapanische Autoindustrie horrende Gewinne einfährt, indem sie Fliessbänder betreiben.

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Comments

  • PB  On June 1, 2012 at 10:12 AM

    Moin Rolf,

    leider nur flott – bin bis ca. Mitte Juni sehr beschäftigt.

    Die Debatte müßte (in unserem Blog) wohl “ausgeweitet” werden. Es geht nicht nur um “SAPisierung” und “Automatisierung” (im Fließband-Sinne), sondern generell um Tendenzen:
    1) der Rationalisierung und Produktivitätssteigerung mit Blick auf
    a) Effizienz
    b) Effektivität

    2) der Kreativität

    im Rahmen eines von Dir mit Blick auf Marx als “kapitalistisch” charakterisierten Konkurrenzkampfes (den ich freilich als eine “branchenspezifische Organisationsökologie mit Nischen” – also: kein sozialdarwinistisches survival of the fittest – respezifizieren würde).

    Es wäre dann nach den “funktionalen Äquivalenten” zu fragen:
    * nicht-technische Optimierung bzw. Beseitigung best. Arbeitsabläufe (work flows, business processes) und Sparten
    * technisch-maschinelle Optimierung der Arbeitsabläufe
    * Outsourcing-Möglichkeiten
    * Reorganisationen (“profit centers”, SCMs, etc.)
    – Kooperationen im Rahmen organisatorischer “Netzwerke”
    – Erschließung neuer und evtl. Aufgabe alter Märkte / Marktsegmente
    – Produkt- und Service-Differenzierungen
    – Änderung der Marketing-Strategien
    etc.

    “Eine wichtige Rolle spielt auch für KMU die Umstellung von traditioneller Werkstattfertigung auf eine Produktion, die sich an den Fliessband-Modellen der Autoindustrie orientiert.”
    Tja, das ist
    1) bei kreativen Tätigkeiten
    2) bei vielen handwerklichen Aktivitäten
    wohl Unsinn (genauso wie Business Process Engineering hierfür wohl kaum geeignet ist).

    Was also an dem NZZ-Auszug massiv stört: “Die primäre Fokussierung auf maschinelle Effizienzsteigerung”, die nicht nur obige funktionale Äquivalente ausblendet, sondern auch nicht die Fragen stellt:
    * “Wie wollen wir arbeiten”?
    * “Wie wollen wir dabei organisieren”?

    Zentral ist daher auch die Frage nach der Organisation, die in der NZZ-Sicht wohl zu einem (illusionären) Zweck-Mittel-Zusammenhang verkommt, der einfach zu steigern ist. Firmen, die sich nur daran orientieren, werden mittel- und langfristig wohl vom Markt verschwinden.

    Have a nice weekend
    ~Peter

    PS –
    Zur “Arbeit der Informatiker” und zum “Essentialismus-Problem” schreibe ich noch etwas, sobald das mir mein Zeitbudget erlaubt.

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