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Sommer-Programm: Autopoiesis

Anknüpfend an die gerade laufende Diskussion zu “Technik als einem möglichen System der autopoetischen Artefakt-Produktion” möchte ich folgendes Sommer-Programm vorschlagen. Zu jedem Thema sind dabei ein oder mehrere Blogpost(s) möglich:

Leitfragen:
F1: Kann das AP-Konzept von M/V mit Blick auf die unten erwähnten Prüfkriterien direkt auf Technik (im obigen Sinne) angewandt werden?
F2: Kann das AP-Konzept grundlegend reformuliert werden, so daß es auf Technik anwendbar ist?
F3: Sollte das AP-Konzept fallen gelassen werden bspw. zugunsten von “Allopoiesis”? (siehe Thema 2)

Thema 1: Das Konzept der  “Autopoiesis” von Varela / Maturana   und seine mögliche Übertragbarkeit auf obiges Technik-System 

Autopoiesis-Bestimmung und -Beispiel [URL: http://koloss3.mykowi.net/index.php?option=com_content&view=article&id=246&Itemid=38]

“Das Konzept der Autopoiesis bezeichnet nach der Intention von Maturana und Varela Selbstschaffung bzw. Selbstproduktion und bezieht sich auf eine allgemeine biologische Beschreibung von Leben. Maturana und Varela subsumieren unter Autopoiesis das Organisationsprinzip alles Lebendigen und vertreten die Ansicht, dass alles Leben dahingehend autopoietisch organisiert und strukturiert ist, dass es sich als geschlossenes Netzwerk von Elementen in rekursiver Bezüglichkeit selbst hervorbringt, selbst reproduziert und selbst organisiert. Grundlegend ist demnach jedes autopoietische System ein geschlossenes, autonomes System innerhalb einer spezifischen Umwelt, mit der es keine Austauschbeziehung eingeht, sondern vielmehr im Modus der Perturbation und strukturellen Kopplung steht. Jedes autopoietische System, also auch die Zelle, ist energetisch und materiell offen und gleichzeitig operationell, organisationell und informationell geschlossen.
Die Teilung und Selbststrukturierung der Zelle vollzieht sich wie folgt:
Die eigentliche Zellteilung wird durch die Mitose (Kernteilung) eingeleitet. Hierbei ziehen sich die im Zellkern befindlichen Chromosomen, die die DNS tragen, zunächst stark zusammen, was sie unter einem guten Lichtmikroskop sichtbar macht. Jedes Chromosom besteht aus zwei Chromatiden, die am sogenannten Centromer verbunden sind. Nun wandern die Centriolen, aus Mikrotubuli gebildete Zellteilchen, an entgegen gesetzte Enden der Zelle und bauen den ‘Spindelapparat’ auf. In dessen Äquatorialplatte ordnen sich die Chromosomen an, senkrecht zu den Centriolen. Die Kernhülle ist nunmehr verschwunden. An den Centromeren setzen jetzt die Spindelfasern des Spindelapparates an und ziehen die Chromatiden eines Chromosoms zu den entgegen gesetzten Centriolen. So sind an beiden Enden der noch einen Zelle zwei identische Chromosomensätze angelangt. Neue Kernhüllen bilden sich, der Spindelapparat wird aufgelöst, und eine neue Zellwand wird gebildet, die die nun kompletten Zellkerne trennt und so aus der einen Mutterzelle zwei Tochterzellen macht, die zur gleichen Größe der Urzelle heranwachsen.”

Zu prüfende Kriterien für Autopoiesis nach M/V [aus dem Wikipedia-Artikel “Autopoiesis”, URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Autopoiesis]:
“Um ein autopoietisches System zu sein, muss eine Einheit die folgenden Merkmale erfüllen:

  • Sie hat erkennbare Grenzen.
  • Sie hat konstitutive Elemente und besteht aus Komponenten.
  • Sie ist ein mechanistisches System: Die Relationen zwischen den Komponenten bestimmen die Eigenschaften des Gesamtsystems.
  • Die Komponenten, die die Grenze der Einheit darstellen, tun dies als Folge der Relationen und Interaktionen zwischen ihnen.
  • Die Komponenten, die die Grenze der Einheit darstellen, werden produziert von Komponenten der Einheit selbst oder entstehen durch Transformation von Elementen, die keine Komponenten sind, durch Komponenten.
  • Alle übrigen Komponenten der Einheit werden ebenfalls so produziert oder sind anderweitig entstandene Elemente, die jedoch für die Produktion von Komponenten notwendig sind.

Maturana und Varela wollten mit diesem letzten Punkt die Tatsache betonen, dass Organismen zwar Substanzen aus der Umwelt in sich aufnehmen, diese dabei jedoch sofort in verwertbare Baustoffe umwandeln. Substanzen dagegen, die für die Selbstreproduktion des Organismus keine Bedeutung haben, werden vom Organismus sozusagen ignoriert.”

In diesem Kontext wäre auch Originalliteratur von M /V  zu prüfen.

Thema 2: Technische Produktion als Allopoiesis? 

Eine Allopoiesis-Definition aus Principia Cybernetica Web, URL: http://pespmc1.vub.ac.be/ASC/ALLOPOIESIS.html
“the process whereby an organization produces something other than the organization itself. An assembly line is an example of an allopoietic system. See autopoiesis. (Francisco Varela)

The process of producing material entities other than those required for producing them. Most industrial production processes are allopoietic: An assembly line may produce cars but not the machines used in this form of production. Even reproduction in biology is allopoietic because the offsprings are materially distinct from the parent organism and occupy different spaces. Reproduction is not self-production. The primary value of the concept of allopoiesis is that it contrasts with autopoiesis.”

Thema 3: Ist das “Technium” von Kevin Kelly ein Fall von Autopoiesis?
URL: http://www.kk.org/thetechnium/

Thema 4: Kann die Autopoiesis von Technik u.U. mit der Maschinenkonzeption von Félix Guattari (re-)formuliert werden?

Thema 5: Sollte die Produktion technischer Artefakte (auto- / allopoietisch) gekoppelt werden mit “technischer Kommunikation” (inkl. dem Prozessieren zugehöriger Formen wie Konstruktionsanweisungen / -zeichnungen, Bauplänen, Modellen, etc.)? [Hier wäre dann auch eine Verbindung herstellbar zu Technik als einem “Funktionssystem” (im Bielefelder Sinne)]

Fallbeispiel: Die Erstellung einer modellgetriebenen Service Component Architecture-(Mini-)Anwendung (von requirements-Dokumenten über BPMN-Modelle hin zu exekutierbarem Code)

Thema 6: Welche Artefakte gehören zu Technik? Das Beispiel “Architektur”

Thema 7: Technik-Autopoiesis, selbstreplizierende Maschinen und artificial life

Schlußbetrachtung im Hinblick auf die drei Leitfragen

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Technik als soziales Funktionssystem / Technik als autopoietisches System sui generis

Nachfolgend einige Überlegungen zur gerade ablaufenden Diskussion zu “Technik als autopoietischem / autogenerativem Prozeß  / System sui generis” 

Vielleicht müßte man die Technik-als-Autopoiesis-Konzeption nochmals vom Konzept der “selbstreplizierenden Maschinen” (auch mit Blick auf “zelluläre Automaten” und “artificial life”, siehe z.B. http://www-gs.informatik.tu-cottbus.de/al_v05b.pdf) her denken:
“John von Neumann war aus Sicht der Informatik einer der ersten, der in den 1940er Jahren wissenschaftlich fundierte Überlegungen zu einem hypothetischen, replikationsfähigen Roboter anstellte. Dieses rein theoretische Konzept war praktisch jedoch nicht umsetzbar. 1953 entwickelte er daher die Theorie selbstreproduzierender Automaten (nach seinem Tod von Burks im Jahre 1966 als Theory of Self-reproducing Automata herausgegeben), als ein mit Computertechnologie umsetzbares Modell für eine softwarebasierte Lösung von Selbstreplikation.
Künstliche selbstreplizierende Software erschien zum ersten Mal in den Sechziger Jahren, und vermehrte sich in späteren Jahrzehnten sehr schnell in Form von Viren, Würmern und vor allem bei Programmen, die sich mit künstlichem Leben befassten.” [aus Wikipedia:  http://de.wikipedia.org/wiki/Selbstreplikation]
Das heißt die Trias von “Tool – (einfacher) Maschine – Automat / programmierbarer Maschine” könnte erweitert durch: auto- / hetero-replikative Maschinen (Maschinen, die sich selbst und andere Maschinen erweitern bzw. herstellen können. Stichworte: artificial life, Agentensimulationen, zelluläre automaten, evolutionäre Algorithmen, Nanotechnologie). Und man könnte dann von Letzterem her versuchen, eine Art “Autopoiesis” und “Evolution” von Technik als generativem Prozeß zu beschreiben.

Ich könnte mir vorstellen, daß Technik als mögliches “autopoietisches System der Artefaktproduktion” konzipiert werden könnte auf der Basis von
1) Prozessoren als:
a) Humanprozessoren im Sinne von Polysystemen (z.B. als Bewußtsein, Psyche = Wahrnehmungsverarbeitung und diversen biologischen Systemen), wobei das aus Bielefelder Sicht einer klassischen Akteursvorstellung entspricht, die in Frage zu stellen wäre.
b) Maschinellen Prozessoren: Softwareagenten, Robotern, etc. – auch dann als selbstreplikative Maschinen
2) Handlungen: etwas [auch sich selbst] konstruieren, (zusammen)bauen, produzieren, etc.
Wenn aber nun solche Handlungen, die auf humane und nicht-humane Prozessoren bezogen werden, “simplikatorisch” sein sollten (analog zu Mitteilungshandlungen in der Kommunikation als Dimension sui generis), worin besteht dann die nicht-simplikatorische Eigenheit “technischer Operationen”? Im Fall von Kommunikation ist das die IMV-Trias, wobei bei der Fokussierung auf bloßes Mitteilungshandeln gerade das Verstehen ausgeklammert wird.
3) anfallenden Artefakten: Freilich spräche wohl nichts dagegen hier einen “erweiterten” Artefaktbegriff zu benutzen, der bspw. auch Schallwellen-Formung im Sinne der Artikulation von Lauten einschließt, weil m.E. die Differenz von Persistenz-Flüchtigkeit  keine “trennscharfe” Differenz ist, sondern auf ein “Spektrum” mit diversen Graden der Persistenz und Flüchtigkeit verweist.
4) Dabei müßte die Relation zu “sozialer Kommunikation”geklärt werden. Das ist m.E. die Ebene, auf der Du “Technologien” ansetzt (= Prozessieren von technikbezogenem Wissen, was ich u.a. als das Prozessieren von Formkomplexen im Sinne von Konstruktionsanweisungen, -zeichnungen, DIN-Normen, Stücklisten, Bauplänen, etc. bezeichnen würde).
Es wäre dann vielleicht von einer Art “Orthogonalität” (sensu: log. Unabh.) von Technik- und Sozialdimension (und Mediendimension) auszugehen. Oder um das bekannte xyz-Achsenmodell aus der Mathematik heranzuziehen: x-Achse: Soziales, y-Achse: Mediales, z-Achse: Technisches ->
a) Technische Kommunikationen, die entspr. Medien-Formkomplexe  (-> Deine Ebene der “Technologien”)  prozessieren und ein eigenes (kommunikatives) Technik-Funktionssystem bilden könnten.
b) Nicht-kommunikative, technische Herstellungsoperationen, bei der die jeweiligen Artefakte anfallen.
5) Zwischen 4a) und 4b) könnten dann Wechselbeziehungen bestehen wie:
a) Artefakte / Herstellungsoperationen irritieren technische Kommunikationen: Erstere werfen bspw. Probleme auf, die in technischen und nicht-technischen Kommunikationen (ggf. nach entspr. Transformation der Probleme) behandelt werden.
b) Artefakt-Benutzung kann Kommunikation und das Problem der Überzeugung teilweise <strong>ersetzen </strong>, z.B. indem Software-Agenten direkt miteinander etwas aushandeln – ohne menschliche Intervention.
c) Technische Kommunikationen konditionieren / orientieren via Formkomplexe ( z.B. als Baupläne, die technisch realisiert werden) Herstellungsoperationen / Artefakt-Produktionen (und die Artefakt-Benutzung),
6) Es wären dann auch Sozio-, Technik- und Medien-Evolutionen aufeinander zu beziehen – u.a. mit Blick auf die Mechanismen von “Variation, Selektion, Retention”

Fazit:
Ein soziales / kommunikatives Funktionssystem “Technik” könnte in Beziehung stehen zu einem nicht-kommunikativen System (keinem Funktionssystem) “Technik” als Artefakt-Genese. Vielleicht sollte dabei die Autopoiesis-Konzeption von M-V durch die Brille von Ansätzen des artificial life, der maschinellen Selbstreplikation, etc. gelesen werden.
Andere Option: Statt einem eigenen “Technik”-System die artefaktischen Verhältnisse als “Medium-Form-Komplexe” (-> Kausalitätsmedien) konzeptualisieren.
Ich muß wohl einige Zeit investieren, um diese ganzen Themenkomplexe [gerade auch zu artificial life, cellular automata (die sich wohl mit der LoF-Theorie koppeln lassen), Dein “Technische Intelligenz”-Buch, etc.] zu studieren, damit ich klarer sehe. Aber da ich nur ein begrenztes Zeitbudget habe, wird das wohl seine Zeit dauern.
@Rolf: Solltest Du  bereits Deine “technische Autopoiesis”-Konzeption ausgearbeitet haben, so wäre es schön, wenn Du sie demnächst online stellen könntest. Ich habe gestern zwar noch etwas in Deiner Hyperkommunikation-Bibliothek herumgestöbert, bin aber nicht so recht fündig geworden.

~Peter

Überlegungen zur Konzeptualisierung von Technik – Versuch 1

PB: Da mein Kommentar zu luestyx-Frage immer länger wurde, habe ich entschieden, daß ein Post vielleicht die bessere Idee ist – zumal dieser als Einleitung angesehen werden kann  zur anstehenden Diskussion von “Technik als Funktionssystem”.
luestyx sagte am Jun 8, 2012 um 16:27 [https://kybernetiks.wordpress.com/2012/03/22/das-digitale-in-der-technologie/comment-page-1/#comment-478]:
@rolf @peterb was haltet ihr von dieser aussage?
“Meine Überlegungen gehen dahin, den Technikgebrauch anders zu verstehen, nämlich nicht mehr hinsichtlich einer Prothesen-Metapher, Technik als Werkzeug, als zweckrationales Mittel oder – wie bei Luhmann – als Ersatz für fehlenden Konsens und dergleichen. Sondern Technik als Kommunikationsblockade zur Verkomplizierung des Lebens zu verstehen, durch welche die Unwahrscheinlichkeit von Kommunikation weiter gesteigert wird, wobei durch diese Steigerung ständige Sublimationsprozesse erzwungen werden, die den Zerfall von Vorbehalten gegen Kommunikation beschleunigen. Das Internet wäre dann nicht Hilfe oder Heil, weil damit ja auch das Gegenteil erwägbar wird, sondern eine Behinderung, durch welche die Erfolgsbedingungen strukturiert werden, die festlegen können, was sich in der Folge durch Überwindung dieser Behinderung noch als haltbare Kommunikation erweisen kann.”
Warm-up
Eine “knifflige” Frage, zumal ich selbst immer unsicherer werde, was ich unter “Technischem” verstehe. Ich weiß primär, was ich “nicht” fortschreiben möchte: die von Dir erwähnte Prothesen-Metaphorik, Zweck-Mittel-”Logiken”, usf.
Zugleich besteht [bei allem Dissens hins. Konstruktivismus, Marxismus, Fokussierung auf Formulierungsweisen, u.ä. zwischen Rolf und mir] Konsens, daß in der Bielefelder Systemtheorie Technisches eher “marginalisiert” wurde (funktioniert / funktioniert nicht, Thema von Risikokommunikationen, Einrichtung von begrenzten Kausalkontexten, etc.) – und das obgleich die Moderne ohne Technisches wohl “nicht” konzipierbar ist.
Salopp getextet : “Die Moderne ist (auch und gerade) technisch (zu beobachten) – oder gar nicht.”
Obgleich ich Rolfs Kybernetik zustimme (v.a. mit Blick auf kybernetische Mechanismen als Erklärungsweisen, wie Technisches genau funktionieren kann), meine ich, daß Rolfs Fokussierung auf das Anfallen konkret-(“gegenständlich”)er Artefakte eine Art “Spezialfall” darstellt einer Problematik, die André und ich mit Blick auf Derridas Dekonstruktion als “basale technicité” charakterisiert haben.
Es ist also die Frage, ob Technisches konzeptualisiert werden kann ohne ausschließliche Fokussierung auf das Anfallen von Artefakten (z.B. Rolfs hilfreiche Trias: Werkzeug – einfache Maschinen – programmierbare Maschinen / Automaten).
Wir haben das ‘mal kurz andiskutiert z.B. als Thema der Reproduzierbarkeit des Selben (was Technischem u.a. zugrunde liegt) und Iterabilité (das Anders-Werden des Selben im differentiellen Prozessieren von marks / Medien- bzw. Zeichenformen).
Eine andere Perspektive ist natürlich, daß auf ein Funktionssytem “Technik” abgestellt wird. Und hier würde ich auf “technische Kommunikationen” verweisen, die insbesondere Konstruktions-/Design- und Benutzungsanweisungen prozessieren, wobei dann technische Artefakte anfallen “können”, aber nicht “müssen”!
Wie dabei eine Brücke zur “basalen technicité” geschlagen kann, weiß ich noch nicht. Aber vielleicht mendelt sich noch etwas Interessantes heraus.


Einschub

@Rolf: Wie Du übrigens Deinen materialistisch inspirierten und “radikal” radikalen Konstruktivismus mit einer systemtheoretischen Funktionssystem-Perspektive koppeln willst, ist mir ein komplettes Rätsel: Denn da ich bei Dir keine Theorie des “Sozialen” erkennen kann (außer vielleicht: wenn mehrere Subjekte zusammen kommen, dann ist das “irgendwie” sozial. Tja, das Dilemma aller Subjektphilosophie: nur “wie funktioniert das mit dem Sozialen genau”?), verstehe ich auch nicht, wie Du diese Lücke plötzlich mit Funktionssystem-Logik füllen kannst.
Vielleicht kannst Du das bei Gelegenheit – bspw. in einem eigenen Post – einmal elaborieren.

Interpretationsvorschläge
1) “Sondern Technik als Kommunikationsblockade zur Verkomplizierung des Lebens zu verstehen,”
Spontan würde ich fragen: Warum schließt Du zunächst “Kommunikation” mit “Leben” kurz?
Einerseits würden (Bielefelder) Systemtheoretiker hier einwerfen, daß Du die Systemreferenzen mischst: Leben (also: biologische Prozesse) und Sozialdimension (sensu: “Kommunikation” als Trias von Information-Mitteilung und Verstehen).
Andererseits finde ich die Frage spannend, ob es möglich ist, eine umfassende Theorie des Prozessierens von Information zu entwickeln, die sowohl biologische als auch psychisch/bewußtseinsmäßige und soziale Prozesse umfaßt [vielleicht könnte man hier sogar chemische und physikalische Prozesse hinzunehmen].
Vor diesem Hintergrund wäre zu fragen, ob (Basal-)Technisches nicht auch in biologischen (Informations-)Prozessen ausgemacht werden kann – und was dann “biologische Kommunikation” bedeuten kann.
Die Frage bleibt freilich: Wie kann Biologisches hier (außer als basale Infrastruktur) Psychisches/Soziales affizieren?
Aber vielleicht meinst Du auch “Leben” im Sinne von “sozialem Leben”, sensu: sozialer Autopoiesis (Kommunizieren, inkl. Verhalten und Handeln)? Dann würdest Du Technik als etwas konzipieren, das zur “sozialen Steigerung von Komplexität” beiträgt.
Letzteres wäre ein guter Punkt! Aber es scheint mir, daß hier Komplexität sowohl “gesteigert” als auch “reduziert” wird. Oder anders gewendet: Allgemeine Komplexität würde reduziert, (binnen-)spezifische Komplexität würde erhöht (was dann auch Prozesse der Spezialisierung und Ausdifferenzierung beinhalten würde).

2) “durch welche die Unwahrscheinlichkeit von Kommunikation weiter gesteigert wird, wobei durch diese  Steigerung ständige Sublimationsprozesse erzwungen werden, die den Zerfall von Vorbehalten gegen Kommunikation beschleunigen.”
Mit “Sublimationsprozessen” meinst Du wohl, daß sich hierbei Mechanismen sozioevolutionär entwickeln, die Kommunikation dann doch plausibilisieren? Ja, gleichfalls ein guter Punkt. Es müßte dann noch spezifiziert werden, auf welche “Unwahrscheinlichkeitsschwellen” Bezug genommen wird, z.B.:
* die Ausweitung der Adressatenkreise, auch als Aufmerksamkeitsbindung,
* die Wahrscheinlichkeit der Ablehnung, also: der kommunikativen Nicht-Überzeugung (die sog. “4. Selektion”).
Aber dieser These stimme ich grundsätzlich zu: Technik, vielleicht in diesem Kontext genauer: Medien”technik”, hat seit der Frühmoderne entsprechende Medienbildungen (Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, Telegraphie, Telephonie, Film, Radio, Fotographie, TV, etc. bis hin zu heutigen Digitalitätsmedien) möglich gemacht, die eine nie dagewesene Ausweitung von unwahrscheinlicher Kommunikation, bei der sich dann entsprechende Unwahrscheinlichkeit-Wahrscheinlichkeit-Transformatoren (z.B. als sgKMs = symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien wie Macht, Wahrheit, Recht, Geld, usf.) sozioevolutionär herausgemendelt haben.
Wenn ich mich recht erinnere, dann ist das auch die These von Luhmann (wenn auch nicht mit Blick auf “Technik” formuliert) in die “Gesellschaft der Gesellschaft” (mit der Einschränkung, daß sich bspw. “Authentizität” immer noch nicht kommunikativ überzeugend formulieren läßt. Aber das ist m.E. nur ein Sonderfall des allgemeinen und letztlich zum Scheitern verurteilten Durchgriffversuchs von Kommunikation auf Bewußtsein).
Hier könnte hinzugefügt werden, daß demnächst wohl die “Kommunikation mit Computern und Robotern” bevorstehen könnte, sobald diese eine derartige Komplexität erreicht haben, daß entspr. Kommunikationsillusionen erfolgreich gehegt werden können.

3) “Das Internet wäre dann nicht Hilfe oder Heil,”
Das ist ein interessanter Punkt: Die Selbst- und Fremdbeschreibung von (neuen) Techniken – gerade dann, wenn sie sozial etabliert werden sollen. Hier gibt es m.E. semantische Kontinuitäten (Technik xy als Hilfe, als Erleichterung, als Heil, etc. – plus die Kritik an solchen Beschreibungen), die in die Vormoderne zurückreichen.

4) “weil damit ja auch das Gegenteil erwägbar wird, sondern eine Behinderung, durch welche die Erfolgsbedingungen strukturiert werden, die festlegen können, was sich in der Folge durch Überwindung dieser Behinderung noch als haltbare Kommunikation erweisen kann.”
a) “Behinderung” verweist m.E. zu einseitig auf die angesprochene Funktion von Technik als “Kommunikationsblockade”. Aber entsprechend der Figur von simultaner Reduzierung und Steigerung von Komplexität macht es wohl mehr Sinn, sowohl nach den Erleichterungs- als auch den Behinderungsfunktionen von Technischem zu fragen. Beispiel für eine Erleichterung: ich muß keinen Brief mehr per Hand schreiben, zum Briefkasten gehen, den Brief einwerfen und längere Zeit auf eine ähnliche Rückantwort warten, sondern: ich skype, simse, chatte oder maile [puh – Deutsch kann so schön sein :-)]. Das heißt: Medientechnik führt hier zu (fast) instantanen, hochbeschleunigten Fern-Interaktionen (entlang spezifischer Medien / Sinneskanäle).
b) Es ist dann weiterhin die Frage, was Du unter “Erfolgsbedingung” und “haltbar” verstehst: Systemtheoretisch (wiederum im Bielefelder Sinne) liegt hier der Verweis auf die Unwahrscheinlichkeit des Überzeugens nahe (die 4. Selektion, s.o.) und ihre Plausibilisierung gerade durch sgKMs.
Aber im Funktionssystem der Massenmedien wurde die Unwahrscheinlichkeit der 4. Selektion fallen gelassen, weil hier die Unwahrscheinlichkeit, Adressaten zu erreichen und ihre Aufmerksamkeit (längere Zeit) zu binden, weitaus zentraler ist. Wenn Überzeugungseffekte anfallen, dann wurden diese traditionell thematisiert als massenmediale “Manipulation” [= als Variante der Invisibilisierung von Kontingenz entsprechend der “Beeinflussung” (im Unterschied zur Explizierung von Kontingenz durch “Macht”, die sich dennoch – auch gegen potentiellen Widerstand – ggf. durchsetzen kann)].
Wie das dann bei “Internet-Kommunikation” aussieht, ist die Frage. Hier würde ich zunächst nach den konkreten Internetdiensten fragen: Chat, Email, SMS, WWW, Newsgroups, usf.
Dann wäre zu fragen, ob hier funktionssystemspezifische Kommunikation zum Tragen kommen (Beispiel: ein webbasiertes Wissenschaftsseminar folgt immer noch stark den Kriterien der Wissenschaftskommunikation) oder nicht (z.B. die Fuchs-Überlegung, ob das WWW – zumindest Bloggen, u.ä. – nicht auf eine Art “privates Massenmedium” verweist, bei dem dann auch die 4. Selektion freigegeben würde (das differentia-Blog mit seinen Überlegungen zur Troll-Kommunikation zielt m.E. darauf ab).
“Brisant” wird die Frage nach der “Haltbarkeit” von Kommunikation (mit Blick auf technische Behinderungen “und” Erleichterungen) bei einer möglichen “Kommunikation mit Computern und Robotern”. Wie das letztlich aussehen wird, steht m.E. wohl derzeit in den Sternen.

Zum Abschluß
Insgesamt eine interessante Überlegung, wobei Dein Fokus wohl primär auf Medien-”Technik” liegt, oder? Das ist aber nur ein Aspekt. Denn wenn man an gentechnische Veränderung von Lebensmitteln, Eingriffe in den Körper (Operationen aller Art, Stammzellenmanipulation, u.ä.), etc. denkt, dann wäre meine These (mit Blick auf die “Funktion” eines evtl. Technik-Funktionssystem), daß es Technik ermöglicht, primär in bewußtseinsmäßige und soziale “Umwelten” zu “intervenieren”, indem entsprechend kontrollierte Kausalverbindungen eingerichtet werden sollen.
Medien”technik” wäre dementsprechend nur eine Variante solcher Interventionsversuche, dank derer Medienformen typographisch, elektronisch oder digital produziert, prozessiert und rezipiert werden können.

~Peter

Borg[(e)n] / Pattern recognition / Zeichen / Medien-Welt-Dualismus

Insofern wir uns in der letzten Zeit  immer wieder an der Relation von Materialität und Zeichen sowie dem Dualismus von Medium und Welt gerieben haben, soll nachfolgend einmal versucht werden, diese Themen etwas tiefer zu legen. In drei Blogposts sollen daher die folgenden Fragen behandelt werden:
Frage 1: Pattern recognition – Wie erkennen wir “Muster”? Essentialistische und nicht-essentialistische Kategorisierungsstrategien.
Frage 2: Ist “Signifikantenmaterialismus” beim Prozessieren von Zeichen möglich?
Frage 3: Wie ist der “Dualismus von Medium und Welt” zu beschreiben und welche Möglichkeiten der Aushebelung existieren? 

Frage 1: Pattern recognition – Wie erkennen wir “Muster”? Essentialistische und nicht-essentialistische Kategorisierungsstrategien.
(Menschliches) Wahrnehmen ist ein sehr komplexer Vorgang, wie schon ein oberflächlicher Scan des entsprechenden Wikipedia-Artikels zeigt (http://de.wikipedia.org/wiki/Wahrnehmung).  Fuchs (2005) hat dabei Wahrnehmen (aus Sicht der soziologischen Systemtheorie) u.a. charakterisiert als:

  • Externalisierungsleistung eines neuronalen Systems, dessen Funktionsweise im Prozeß des Wahrnehmens selbst ausgeblendet wird.
  • Strikte Präsenzorientierung, also: keine Möglichkeit, zwischen Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft in der Wahrnehmung zu differenzieren.
  • Kompaktheit der Wahrnehmung.
  • Keine Negationsfähigkeit (es gibt keine perzeptuelle Möglichkeit, das Wahrnehmen während des Wahrnehmens zu verneinen).
  • Simultaneität der Wahrnehmung.

Wahrnehmungs- und kognitionspsychologisch könnten weitere Merkmale für Wahrnehmen wie Kontext- und Erfahrungsabhängigkeit, Filtereffekte, etc. angeführt werden. Aber auf weitere Details sei an dieser Stelle verzichtet, siehe jedoch http://de.wikipedia.org/wiki/Wahrnehmung für eine Groborientierung.
Aus Sicht der Fuchs`schen Spielart der soziologischen Systemtheorie schreibt sich dann Bewußtsein kommunikationsinduziert in die Wahrnehmungsverarbeitung der Psyche ein, so daß im Rahmen eines sog. “différance-basierten Nachtragsmanagements” eine Verarbeitung von Unterscheidungen (2-Seiten-Formen, Zeichen, marks) möglich wird.
Oder anders formuliert: Bewußtsein bedient die Funktion eines differentiellen Interfaces, das emergiert als Folge der “Stimulation” der psychischen Wahrnehmungsverarbeitung durch soziale Kommunikationsversuche.  In der Folge ist es Bewußtseinsprozessoren möglich, diverse Zeithorizonte zu unterscheiden sowie semiotisch über Generalisierungs-, Spezialisierungs- und Negationsmöglichkeiten zu verfügen. Zugleich wird die (analoge) Simultaneität der Wahrnehmung überführt in eine (digitale) Sequentialität des Unterscheidungsgebrauchs (der Semiose), so daß es zu einer  “Informationsraffung” (Reduzierung der wahrnehmungsmäßigen Komplexität durch semiotische Abstraktion) kommt.
Peter Fuchs bezieht sich dabei i.a. auf (orale, skripturale, etc.) Sprachzeichen. Aber das scheint mir eine unnötige Verengung zu sein, so daß ich die Bewußtseinsfunktion generell mit der Fähigkeit zur Semiose (Konstitution und Verarbeitung aller möglichen Zeichen) gleichsetzen würde, obgleich Sprachzeichen hierbei eine große (vielleicht die wichtigste) Bedeutung zukommt.
Vor diesem Hintergrund sei nun folgende Frage formuliert, die sich auf das Problem der Kategorisierung bezieht: Wie ist es möglich, daß ein System psychischer Wahrnehmungsverarbeitung angesichts einer Unzahl visueller Variationsmöglichkeiten (A  A A A A A A A A A etc.) immer einen Buchstaben wie z.B. “A” wahrnehmen  bzw. erkennen kann?
Essentialistische Ansätze (Schablonentheorie, ein Platonismus der von topologischen oder gruppentheoretischen Invarianten ausgeht, usf.) folgen dabei der Logik, daß Muster (z.B. als Schemata, Typen, Kategorien, Klassen, etc., die u.U. angeboren seien) nur verschieden aktualisiert werden. Das heißt in diesem Fall: eine Ur-Gestalt / Invariante / ein Wesen von “A” würde in Form von verschiedenen Variationen stets (re-)aktualisiert.
Wenn diese variierende Repetition des Selben möglich wäre, dann könnten alle vorstellbaren Buchstabenformen durch eine begrenzte Zahl von veränderlichen Parametern auch durch Computer simuliert werden. Als Beispiel für eine solche essentialistische Kategorisierungsweise siehe Donald E. Knuths  “Meta-Schrift-Konzeption” und die zugehörige Kritik von Hofstadter (1988).
Zentrale Probleme dieser essentialistischen Logik sind freilich:

  • Wie sollen alle möglichen Muster und ihre Variationen im (menschlichen) Gedächtnis gespeichert werden, ohne schnell an Kapazitätsgrenzen zu stoßen?
  • Wie soll ein starres und festes System von Regeln angegeben werden, um Kategorien (bspw. von “A”) in allen möglichen offenen Kontexten und in allen möglichen Variationen zu definieren?
  • Wie soll eine nicht-differentielle Identität von Kategorien angegeben werden können?  Aus differentieller Sicht liegt eher die These nahe, daß sich die Identität von  A (negativ) im Unterschied zu anderen Buchstaben des Alphabets (B, C, D, etc.) im Rahmen des jeweiligen Fonts ergibt.
  • Verweist die essentialistische Variations- und Aktualisierungslogik nicht auf einen Possibilismus, der Unendlichkeit zu determinieren beansprucht, was letztlich einem nicht vorstellbaren, weil endgültig geschlossenen (Meta-)Kontext entspräche? 

Wie sehen demgegenüber nicht-essentialistische Lösungen des Kategorisierungsproblems aus?
Beispiel 1: Mit Blick auf Wittgenstein II kann das Konzept der Familienähnlichkeit herangezogen werden. Das heißt, daß nicht mehr von variierenden Aktualisierungen einer Ur-Kategorie “A” auszugehen ist, sondern Vergleichsoperationen bei der Buchstabenerrechnung zum Einsatz kommen: Variationen – ohne Annahme irgendeiner Ur-Kategorie – werden untereinander als ähnlich in dieser oder jener Beziehung verglichen, wobei sich die Kriterien für Ähnlichkeit je nach Kontext und in der Zeit verändern können. [Hier könnte hinzugefügt werden, daß sich die Buchstaben-Identität zugleich negativ-differentiell ergibt durch Nicht-Ähnlichkeit mit anderen Buchstabenarten].

Beispiel 2: Mit Derrida kann auf das Konzept der itérabilité verwiesen werden, so daß sich erst durch die alterierende Wiederholung in je offenen (i.e. ungesättigten) Kontexten eine ideelle Identität (als post-festum-Idealisierung) ergibt. Oder anders gesagt: jede Wiederholung in stets veränderten Kontexten beinhaltet ein (minimales) Anderswerden des Wiederholten. Das sprengt eine essentialistische Logik der variierenden Aktualisierung des Selben, die letztlich auf kontrollierter Repetition in geschlossenen Kontexten beruht.

Referenzen:

  • Fuchs, Peter (2005), Die Form des Körpers, in: Schroer, M. (Hrsg.), Soziologie des Körpers, Frankfurt a.M. 2005, S.48-72 [online verfügbar unter: http://www.fen.ch/texte/gast_fuchs_koerper.htm].
  • Hofstadter, D.R. (1988), Metaschrift. Metamathematik und Metaphysik: Bemerkungen zu Donald Knuths Artikel “The Concept of a Meta-Font“, in: ders. (1988), Metamagicum, Stuttgart: Klett-Cotta, S. 267ff.
  • Für einen Vergleich von essentialistischen und nicht-essentialistischen Ansätzen zu Sprache / Zeichen / Kategorien, siehe die Beiträge in Krämer, S. (2001), Sprache, Sprechakt, Kommunikation. Sprachtheoretische Positionen des 20. Jahrhunderts, Frankfurt / M.: Suhrkamp.

Systemtheorie / Luhmann & Co / “Technik” als Funktionssystem

Mit diesem Blog-Post möchte ich (parallel zur Diskussion mit Rolf -> “Informatik als Funktionssystem”) in Thema 1.1. “Technik als mögliches Funktionssystem der Gesellschaft” einführen.
Wir schließen damit an eine Diskussion an, die Mitte 2007 in der Luhmann-Mailing Liste begann, aber vorzeitig abgebrochen werden mußte.
Diese These darf mit einer gesunden Portion “Skepsis” rechnen, und es ist gut möglich, daß wir sie nicht ausreichend plausibilisieren können. Ggf. ist bspw. die Konzeptualisierung von Technik als Medium / Form fruchtbarer.
Wir haben bislang jedoch noch nicht alle Optionen, die Rolf und mir bspw. einfallen, durchgespielt, so daß nicht von vornherein jede Hoffnung vergeblich ist.
Ganz unabhängig davon, wie weit wir mit unseren Plausibilisierungsbemühungen kommen werden, werden wir doch einiges über das Technik-Phänomen “lernen”, was uns  in späteren Diskussionen wiederum nützen kann.

Mit Blick auf die Plausibilisierung eines Funktionssystems der Gesellschaft ist i.a. ein Katalog von heuristischen Kriterien zu prüfen:

  1. Welche Funktion ist bestimmbar, für die ein Funktionssystem “Technik” als gesellschaftsrelevante Problemlösung angesehen werden kann?
  2. Welcher Typ von Kommunikation (= spezifische Operation) wird mit Blick auf welche Formbildungsprozesse in welchem Medium und im Hinblick auf welchen Primärcode prozessiert? Läßt sich auf diese Weise eine operative Schließung plausibilisieren?
  3. Existieren weitere Codierungen?
  4. Welche Programme beziehen sich auf den Primärcode bzw. eventuelle Sekundärcodes?
  5. Welche Leistungen erfüllt ein solches Funktionssystem mit Blick auf je andere Funktionssysteme?
  6. Spielt hier die Unwahrscheinlichkeit, zu überzeugen, d.h. das Problem der 4. Selektion, eine Rolle? Und existiert ein symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium (sgKM), das als Verstärker, der zur Kommunikationsannahme motivieren kann, fungiert? Oder liegt dieses Problem analog zum Funktionssystem der “Massenmedien” hier nicht vor?
  7. Welche symbiotischen Mechanismen / somatogenen Symbole, also: welche Körperbezüge, können angegeben werden?
  8. Wie könnte eine mögliche Kontingenzformel lauten?
  9. Wie schaut es mit einer eventuellen Nullmethodologie aus?
  10. Apropos organisatorische Absicherung: welche Organisationen könnten als Kommunikationsadressen für ein inadressables Funktionssystem “Technik” fungieren?
  11. Wie könnte das Selbstbefriedigungsverbot für ein solches Technik-System charakterisiert werden?
  12. Können wir ein funktionssystemspezifisches Gedächtnis angeben? Und wie bedient moderne Informationstechnik (ERPs, BPM, SOA, etc.) in Organisationen memory functions? Oder anders gefragt: wie werden hier Erinnern und Vergessen reguliert?

Zusatzfragen: 

  1. Welche Beziehung existiert zwischen einem solchen Technik-System und der Risikokommunikation?
  2. Welche Beziehung besteht zur Kommunikation von  Entscheidungen?
  3. Wie sieht der Bezug zur “ökologischen” Problematik aus?
  4. Kann die Unterscheidung von Technik als Medium / Form mit einem spezifischen Typ von “technischer” Operation (den es noch zu spezifizieren gilt) verbunden werden?
  5. Technisches (wie Mediales) als Irritationspotential für Soziales?
  6. Technik-Evolution: Statt (lineare, dialektische, etc.) Technik-“Entwicklung”  evolutionäre Beschreibungen (mit Mechanismen der Variation, Selektion, Restabilisierung).

In den nachfolgenden Blog-Posts würden wir nun die einzelnen Fragen im Detail behandeln.
Fallen Euch jedoch noch weitere Aspekte / Fragen ein, die zu thematisieren wären?

~Peter

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