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Systemtheorie / Luhmann & Co / “Technik” als Funktionssystem

Mit diesem Blog-Post möchte ich (parallel zur Diskussion mit Rolf -> “Informatik als Funktionssystem”) in Thema 1.1. “Technik als mögliches Funktionssystem der Gesellschaft” einführen.
Wir schließen damit an eine Diskussion an, die Mitte 2007 in der Luhmann-Mailing Liste begann, aber vorzeitig abgebrochen werden mußte.
Diese These darf mit einer gesunden Portion “Skepsis” rechnen, und es ist gut möglich, daß wir sie nicht ausreichend plausibilisieren können. Ggf. ist bspw. die Konzeptualisierung von Technik als Medium / Form fruchtbarer.
Wir haben bislang jedoch noch nicht alle Optionen, die Rolf und mir bspw. einfallen, durchgespielt, so daß nicht von vornherein jede Hoffnung vergeblich ist.
Ganz unabhängig davon, wie weit wir mit unseren Plausibilisierungsbemühungen kommen werden, werden wir doch einiges über das Technik-Phänomen “lernen”, was uns  in späteren Diskussionen wiederum nützen kann.

Mit Blick auf die Plausibilisierung eines Funktionssystems der Gesellschaft ist i.a. ein Katalog von heuristischen Kriterien zu prüfen:

  1. Welche Funktion ist bestimmbar, für die ein Funktionssystem “Technik” als gesellschaftsrelevante Problemlösung angesehen werden kann?
  2. Welcher Typ von Kommunikation (= spezifische Operation) wird mit Blick auf welche Formbildungsprozesse in welchem Medium und im Hinblick auf welchen Primärcode prozessiert? Läßt sich auf diese Weise eine operative Schließung plausibilisieren?
  3. Existieren weitere Codierungen?
  4. Welche Programme beziehen sich auf den Primärcode bzw. eventuelle Sekundärcodes?
  5. Welche Leistungen erfüllt ein solches Funktionssystem mit Blick auf je andere Funktionssysteme?
  6. Spielt hier die Unwahrscheinlichkeit, zu überzeugen, d.h. das Problem der 4. Selektion, eine Rolle? Und existiert ein symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium (sgKM), das als Verstärker, der zur Kommunikationsannahme motivieren kann, fungiert? Oder liegt dieses Problem analog zum Funktionssystem der “Massenmedien” hier nicht vor?
  7. Welche symbiotischen Mechanismen / somatogenen Symbole, also: welche Körperbezüge, können angegeben werden?
  8. Wie könnte eine mögliche Kontingenzformel lauten?
  9. Wie schaut es mit einer eventuellen Nullmethodologie aus?
  10. Apropos organisatorische Absicherung: welche Organisationen könnten als Kommunikationsadressen für ein inadressables Funktionssystem “Technik” fungieren?
  11. Wie könnte das Selbstbefriedigungsverbot für ein solches Technik-System charakterisiert werden?
  12. Können wir ein funktionssystemspezifisches Gedächtnis angeben? Und wie bedient moderne Informationstechnik (ERPs, BPM, SOA, etc.) in Organisationen memory functions? Oder anders gefragt: wie werden hier Erinnern und Vergessen reguliert?

Zusatzfragen: 

  1. Welche Beziehung existiert zwischen einem solchen Technik-System und der Risikokommunikation?
  2. Welche Beziehung besteht zur Kommunikation von  Entscheidungen?
  3. Wie sieht der Bezug zur “ökologischen” Problematik aus?
  4. Kann die Unterscheidung von Technik als Medium / Form mit einem spezifischen Typ von “technischer” Operation (den es noch zu spezifizieren gilt) verbunden werden?
  5. Technisches (wie Mediales) als Irritationspotential für Soziales?
  6. Technik-Evolution: Statt (lineare, dialektische, etc.) Technik-“Entwicklung”  evolutionäre Beschreibungen (mit Mechanismen der Variation, Selektion, Restabilisierung).

In den nachfolgenden Blog-Posts würden wir nun die einzelnen Fragen im Detail behandeln.
Fallen Euch jedoch noch weitere Aspekte / Fragen ein, die zu thematisieren wären?

~Peter

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