Category Archives: Thematische Orientierung

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This is a Borg blog to rule them all: “Resistance is illogical. You will be fascinated. Your digital life as it has been is over. We will add your conceptual and theoretical distinctiveness to our blog.”

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Ladies and gentlemen – let`s get ready to rumble!

Mögliche technikbezogene Themenliste

Ich möchte hier eine “offene” Liste von technikbezogenen Themen, die wir in nächster Zeit je nach Interesse und Opportunität diskutieren können, präsentieren.
Als Einsprengsel sollen zwischen Diskussionen, die primär “Hochleistungstheorien” betreffen, auch generelle Techniktendenzen mit Blick auf die “next society” etwas beleuchtet werden. Hierbei existieren mitunter thematische Bezüge zwischen den zuvor diskutierten Technikansätzen und den anschließenden next-society-Interludien (Kürzel: NSI):

1. Orientierung an soziologischer Systemtheorie (Luhmann+Co) 

1.1. Technik als mögliches Funktionssystem der Gesellschaft

  • Insofern Rolf Todesco zeitgleich “Informatik” als Funktionssystem in seinem Kybernetik-Ansatz nachzuweisen sucht, bietet es sich an, mit dieser Diskussion (freilich: im Rahmen der Systemtheorie) zu beginnen. Vielleicht ergeben sich so Synergie-Effekte.
  • NSI: Intro in die next society-Diskussion und die Problematisierung der Luhmann-Baecker-These zu “Kommunikationsmedium, Informationsexplosion und Gesellschaftsform” 

1.2. Technik als Medium / Form

  • NSIAutomatisierung von Organisationen (am Beispiel model-driven SOAs)
  • NSITendenzen in Bio- und Nano-Technologien sowie in der Artificial Intelligence (AI)

1.3. Computer als Medium und Maschine (-> Elena Esposito)

  • NSI: Computer “auf und unter der Haut” (Wearables, Brain-Computer Interfaces, etc.)
  • NSI: “Kommunikation” mit Computern?

1.4. Das Medium der Digitalität (-> Achim Brosziewski, 2003, “Aufschalten. Kommunikation im Medium der Digitalität” )

  • NSI: Sozionik und die Modellierung soziologischer Theoriefiguren
  • NSI: Vom Segen und Fluch “sozialer Netzwerke” (Facebook, Google+)

2. Orientierung an Kybernetik (N. Wiener)

2.1. R. Todesco: Kybernetik als technische Theorie

  • Technologie als objektive Begriffsbildung

3. Orientierung an Dekonstruktion (Derrida)

3.1. Überlegungen zu einer basalen und konstitutiven “technicité” (analog bspw. zur “écriture” im erweiterten Sinne bei Derrida)

  • NSI: Derrida und Douglas R. Hofstadter – zur Problematik der computerbasierten Simulation von “Assoziationen”
  • NSI: “Affective computing” – wie könn(t)en sich Computergeräte auf Emotionen von Usern einstellen?

3.2. Re-entries von Medialität und Technizität

  • Inwiefern sind Medien(form)en “technisch” orientiert (in ihrer Konstitution und ihrem Funktionieren), z.B. auch im Sinne eines basalen Verständnisses von “Maschine”?
  • Und vice versa: Inwiefern ist Technisches medial ausgerichtet?
  • NSIWas macht Programmiersprachen aus im Vergleich zur “natürlichen” Sprache? Und welche programmiersprachlichen Entwicklungstendenzen gibt es?
  • NSI: Modellieren und Programmieren -vom Segen und Fluch der modellbasierten Programmentwicklung

3.3. Eine Spektral-Analyse von Maschinen: Maschinen als “spectres” analog zum geisterhaften Status von “Medien(formen)”, inkl. der Frage nach dem “Phal-Logozentrismus” des Technischen (Stichworte: Magie, Geist, Doppelgänger, Fetisch, etc.)

  • NSI: Brauchen wir neue User Interfaces? Stichwort: neuronale Implantate
  • NSI: Sexualität in den Zeiten des Cybersex? [im Anschluß an Sven Lewandowski, 2004, “Sexualität in den Zeiten funktionaler Differenzierung”)]

4. Hans-Dieter Bahr: “Über den Umgang mit Maschinen” (1983) 

  • NSI : Volkskundliche Empiriearbeiten zur Erforschung der Alltagserfahrungen im Umgang mit Technik

5. Friedrich Kittler: Überlegungen zu Technik (Hardware-Determinismus, u.ä.).

  • NSIHaecker und Haecksen als Latenz- und Ideologiekritiker(innen) des 21. Jahrhunderts?
  • NSI: Programmieren und Gender [Martin Fowler: “Although female programmers are rare now, that wasn’t the case in the 70’s. That shift is another argument against the natural balance hypothesis.”]
  • NSI: Techniken als Ideologien. Das Beispiel “Apparatus-Theorien”

6. Sybille Krämer: Überlegungen zu Technik (-> symbolische Maschinen, etc.).

  • NSI: Das Thema Selbstreferenz als “Meta-Programmierung” in der Informatik
  • NSI: Rhetorik als quasi-programmiersprachliche Technik der Verhaltensbeeinflussung? (In diesem Kontext könnte auch “Neuro-Linguistische Programmierung” thematisiert werden!)

7. Bruno Latour: Akteur-Netzwerk-Theorie

  • NSI: Sollten Geisteswissenschaftler(innen) besser Programmierer(innen) werden? (-> Kittler)
  • NSI: Parteien, Digitalisierung und Demokratie. Beispiel: die Piratenpartei.   

8. Martin Heidegger: die Frage nach der Technik

  • NSI: Welche Wechselwirkungen existieren zwischen Science Fiction und konkreter Technikentwicklung?
  • NSI: Welche Leitmetaphern werden bei der Etablierung neuer Techniken zugrunde gelegt?

9. Karl Marx: Maschinen und der Kapitalismus

  • NSI: Einige Überlegungen zum idealen Technikmuseum
  • NSI: Brauchen wir ein andere Art von Informatikstudium?

10. Gotthard Günther und die Technik 

  • NSI: Technik und Ethik
  • NSI: Netztechnik und Netzkunst

11. Günter Ropohls Systemtheorie der Technik

  • NSI: Folgen der Netztechnik für die (organisierte) Religion?
  • NSI: Konzepte “digitaler Demokratie”

12. Christoph Hubigs Philosophie der Technik

  • NSI: Hackerspaces
  • NSI: Brauchen wir mehr “technische Bildung”?

13. Erich Hörls Überlegungen zur Technik

  • NSI: soziologische Systemtheorie (Peter Fuchs) und Quantenphysik
  • NSI: Technik und Neurowissenschaften

14. Werner Rammerts Techniksoziologie

  • NSI: Going mobile – und die Folgen?
  • NSI: Luhmann in der Gesellschaft der Roboter
  • NSI: Online and multimedia serial novels – das Beispiel “Mongoliad” (Neal Stephenson, Greg Bear et al.), http://mongoliad.com/

TO BE CONTINUED

Notabene: Sollte jemand weitere Vorschläge (Autoren, Theorien, Themen) zu machen haben  – nur zu! :-)
Ein möglicher Kandidat wäre bspw. Bernhard Stiegler (danke, André!), aber das muß ich noch en détail prüfen.

~Peter Bormann

Vergleich von Technik-Theorien

Als Co-Blogger (neben Rolf Todesco) möchte ich hier zu Beginn des kybernetics-Blogs einige Ideen formulieren, die wir vielleicht in Anschlußdiskussionen durchspielen können:

Ausgangsüberlegung: Ein zentrales Kennzeichen der modernen Gesellschaft (ca. 1750 – heute) ist die zunehmende Technisierung aller Lebensbereiche (Kommunikationsmedien, Wirtschaft, Medizin, etc.). Überraschenderweise hat die Systemtheorie Bielefelder Schule (Niklas Luhmann, Dirk Baecker, Peter Fuchs, usf.) als eine der komplexesten Theorien, die in der Soziologie jemals entwickelt wurden, überraschend wenig zu diesen umfassenden Technisierungstendenzen zu sagen.
Wenn Technisches seit einiger Zeit zum Thema wird, dann vor allem als Digitalisierung bzw. Computerisierung. Diese systemtheoretische Überlegung bewegt sich freilich auf der Ebene der Kommunikationsmedien und wird bspw. mit der These kurzgeschlossen, daß die gesellschaftsweite Durchsetzung eines neuen Kommunikationsmediums (Schrift, Buchdruck und jetzt das digitale Medium) zu einer Informationsexplosion führen kann, die die jeweilige Gesellschaftsformation (segmentierte, ständische und funktional ausdifferenzierte Gesellschaft) überfordert. In der Folge dieser quasi-entropischen “Katastrophe” werden soziale Anpassungsprozesse ausgelöst, die in eine neue Gesellschaftsformation einmünden können. Paradebeispiel: Der Buchdruck als Geburtshelfer der modernen, funktional ausdifferenzierten Gesellschaft.
Dementsprechend hat gerade Dirk Baecker in jüngster Zeit eine soziologische Diskussion in Gang gebracht, die zu thematisieren sucht, inwiefern die umfassende Digitalisierung der Moderne in eine “next society” (= eine Leerstelle) einmünden könnte.
Was mir (und wohl auch Rolf) dabei theoretisches Unbehagen bereitet, ist die Tatsache, daß Technisches bei diesen Überlegungen weiterhin “marginalisiert” wird.  Denn wir haben es nicht nur mit dem computerbasierten Auslösen von Irritationen in Bewußtseinsprozessoren und in sozialen (kommunikationsbasierten) Systemen (also: Interaktionen, Funktionssystemen mit den zugehörigen Organisationen und Familien), sondern auch mit Interventionen zu tun in neuronalen und zerebralen Systemen (bspw. als Gehirn-Computer-Interfaces), in biologischen Systemen (z.B. als biotechnologische Manipulation von Genen) und, generell, in sonstigen belebten (biotischen) und unbelebten (abiotischen) Umwelten, bspw. durch nanotechnologische Verfahren.
Kurzum: Die moderne Gesellschaft ist eine technisch-industrielle Gesellschaft, die im Vergleich zu älteren Gesellschaftsformationen die primäre Abhängigkeit von der Natur durch die primäre Abhängigkeit von Technik ersetzt hat – so zumindest die Ausgangsthese im Anschluß an Niklas Luhmann.

Wie nähern wir uns am besten der Technisierung der modernen Gesellschaft an? Ich möchte hierzu zwei Vorschläge machen:
Vorschlag 1: Bislang konnte die Bielefelder Systemtheorie den Nachweis eines modernen Funktionssystems “Technik” (analog zur Wirtschaft, zum Recht, zur Politik, zu den Massenmedien, usf.) nicht plausibel erbringen. Allerdings mußte ein entsprechender Versuch in der Luhmann-Mailing Liste 2007 mangels Zeit vorzeitig abgebrochen werden. Ich möchte daher dazu einladen, diesen Versuch nochmals zu wagen. D.h. konkret:
Erstens muß eine Prüfung funktionssystemspezifischer Kriterien (Code, Programm, symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium oder ein Äquivalent, etc.) erfolgen. Zweitens sollten bisherige systemtheoretische Versuche, das Technikphänomen zu thematisieren (Technik als Medium / Form, etc.), nochmals studiert werden.  Vorschlag 2: Technik ist ein komplexes Phänomen, zu dem sowohl verschiedene Theorien als auch unterschiedliche Disziplinen (Technikphilosophie, Techniksoziologie, Informatik, etc.) etwas beizutragen haben. Es liegt daher nahe, mit mehreren Technik-Ansätzen (u.a. in einer funktionalen Vergleichsperspektive) zu experimentieren.
Neben der bereits angesprochenen Systemtheorie Bielefelder Schule wären das insbesondere:
Rolf Todescos kybernetische Thematisierung von Technik,
Hans-Dieter Bahrs nicht-essentialistischer Maschinen-Ansatz (“Über den Umgang mit Maschinen”, Tübingen: Konkursbuchverlag 1983),
Technik-Überlegungen des Ende 2011 (leider viel zu früh) verstorbenen Friedrich Kittler,
Technikproblematisierungen der (Medien-)Philosophin Sibylle Krämer.
Warum gerade diese fünf Ansätze und keine anderen?  Nun, Rolf und ich könnten auf die Devise “our blog – our castle” verweisen, so daß wir einfach das studieren, was wir für spannend halten. Aber abgesehen von diesen persönlichen Präferenzen dürften diese Ansätze ausreichend unterschiedlich sein, um heterogene Zugangsweisen zum Phänomen “Technik” zu ermöglichen.
Das schließt freilich die Hinzunahme weiterer Technik-Ansätze, je nach Interesse, keineswegs aus – auch wenn mein persönlicher Fokus die Ausarbeitung eines form- und systemtheoretischen Technik-Ansatzes (mit Blick auf ein Funktionssystem “Technik”) sein wird.

Ein dritter Aspekt betrifft die Diskussion von Materialität: Traditionell werden Werkzeuge / Maschinen (wie auch Zeichen) mit Hilfe der Leitunterscheidung “ideell / materiell” thematisiert. Mit der Form- und Systemtheorie Bielefelder Schule und ihrem sogenannten “operativen Konstruktivismus”, also: dynamisch prozessierten Unterscheidungen, die beobachterrelativ Realitäten bzw. etwas als etwas konstruieren, ändert sich das: Formen in einem Medium, v.a. Zeichen, werden von Bewußtseinsprozessoren und  Kommunikation  “errechnet” und prozessiert.
Hierbei kommt dem Bewußtsein, zumindest wenn man der systemtheoretischen Variante von Peter Fuchs folgt, eine zentrale Funktion zu: Diese Systeminstanz kann im Unterschied zu Kommunikation psychische Wahrnehmungen zu Semiosezwecken nutzen, so daß in der strukturellen Kopplung von Bewußtseins- und Kommunikationssystemen Formen (u.a. Zeichen) prozessiert werden können.
Dabei kommen Vergleichs-, Abstraktions-  und Assoziationsvorgänge zum Tragen, so daß Zeichen – im Widerspruch zum common sense – nichts Materielles darstellen.
Formen bzw. Zeichen entsprechen wie die dynamisch-selbstreferentiellen Systeme “Bewußtsein” und “Kommunikation” vielmehr nicht-ontologischen Entitäten, d.h. sie sind nicht  (weder einfach an- noch abwesend). Man könnte hier mit Verweis auf Peter Fuchs auch von transklassischen Objekten sprechen, für die bspw. Raum-Metaphern ungeeignet sind.
Eine Frage ist dann: Können technische Formen einen analogen (nicht-materiellen) Status wie Medienformen (Zeichen, etc.) besitzen?
Eine andere Frage ist: Materielles kommt im operativen Konstruktivismus der soziologischen Systemtheorie nicht vor. Es läuft als materielles Substrat ähnlich wie der Horizont-Begriff “Welt” im unterscheidungsbasierten Prozessieren eher implizit mit. Aber ist es bspw. mit Blick auf Technik nicht notwendig, einen nicht-klassischen Begriff von Materialität zu entwickeln?
Diese Frage wurde vor einigen Jahren in der Luhmann Mailing List andiskutiert. Aber sie wurde, meines Wissens, niemals zufriedenstellend beantwortet. Daher ist mein Vorschlag, diese Spur weiterzuverfolgen.

Wie dem auch sei: Ich wünsche uns allen fruchtbare Diskussionen sowohl hier im kybernetiks-Blog als auch in der zugehörigen Google-Group!

~ Peter Bormann

Eröffnung – Offenbarung

Ich will hier über Technologie nachdenken und freue mich über jeden Beitrag, in welchem das auch getan wird. Wer hier mitschreiben statt nur kommentieren möchte, soll unten einen entsprechenden Kommentar eingeben, dann werde ich die Zugangsdaten schicken.

Ich will eine kybernetische Perspektive verwenden und diese als Theorie reflektieren, aber der Blog soll für jede Sichtweise offen sein.

Als Technologie bezeichne ich jede begriffliche Darstellung der Technik. Technologie steht quasi-etymologisch für die Lehre (Logik, Wissen) über die Technik. Der Begriff stammt von J. Beckmann (1777) und bezeichnete zunächst die Bemühung Wissen in den Dienst der Technik zu stellen. Hier meine ich aber nicht diese Mittelfunktion für die Technik, sondern invers dazu, dass  Technik begriffliches Wissen schlechthin begründet. Die Entwicklung der Technik dient mir dazu, mein Begreifen zu entwickeln. Wenn der Sinn der Technik wäre, den materiellen Wohlstand der Menschen zu verbessern, hätte die Technik bisher durchwegs versagt. Absolut und relativ verhungern oder verslummen immer mehr Menschen auf der Erde. Das technologische Wissen dagegen nimmt stetig zu.

Technologie ist als Logie eine Entwicklungsgeschichte. Sie entwickelt sich mit den in ihr beschriebenen Werkzeuge. Jede Technologie impliziert gesellschaftliche Verhältnisse, etwa eine spezifische technische Intelligenz und spezifische Produktionsverhältnisse. Die Technologie ist kein Abklatsch der Technik, sondern bestimmt, was überhaupt wie als Technik wahrgenommen wird.

Es soll in diesem Blog also darum gehen, Technik als Referenzobjekt von Technologie darzustellen und dabei die Technologie als Ausdruck von Theorien zu reflektieren.

Rolf Todesco

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